Das große Umpacken wie hier zwischen den Fahrtabschnitten 1 und 2 steht auch jetzt wieder an: Das russische Versorgungsschiff ist bei der „Polarstern“ angekommen. Expeditionsleiter Professor Markus Rex und alle anderen Beteiligten können aufatmen.

Das große Umpacken wie hier zwischen den Fahrtabschnitten 1 und 2 steht auch jetzt wieder an: Das russische Versorgungsschiff ist bei der „Polarstern“ angekommen. Expeditionsleiter Professor Markus Rex und alle anderen Beteiligten können aufatmen.

Foto: Esther Horvath

Das große Umpacken wie hier zwischen den Fahrtabschnitten 1 und 2 steht auch jetzt wieder an: Das russische Versorgungsschiff ist bei der „Polarstern“ angekommen. Expeditionsleiter Professor Markus Rex und alle anderen Beteiligten können aufatmen.

Leute Mosaic

Markus Rex: Vorfreude auf die Rückkehr zur „Polarstern“

Professor Markus Rex freut sich sehr auf seinen nächsten „MOSAiC“-Einsatz als Expeditionsleiter an Bord des Forschungsschiffs „Polarstern“. Doch im Moment beschäftigt ihn der Crewwechsel und unzählige Fragen. Auch Kinder löchern ihn, erzählt der Forscher vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) im Gespräch mit NORD|ERLESEN. Die wollen zum Beispiel wissen, wie das so ist mit dem Müssen-Müssen auf einer Eisscholle.

Kreis-Icon-Nordstern
In einem Interview mit dem Fahrtleiter klang an, dass die Stimmung an Bord der „Polarstern“ nicht so gut gewesen sei, weil sich der Crewwechsel tagelang verzögert hat. Polarexpeditionen kann man nicht auf Tage genau planen. An Bord der „Polarstern“ sind rund 100 Leute. Manche wollen nach Hause, andere haben sich gefreut, länger da zu sein. Allen war klar, dass es wetter- und eisbedingt zu Verzögerungen kommen kann. Wir haben fast eine Woche durch einen gewaltigen Sturm in der Barentsee verloren, weshalb die „Kapitan Dranitsyn“ im Tromsö-Fjord warten musste. Dazu kamen ungewöhnliche Eisbedingungen auf dem Weg zur „Polarstern“. Aber ich glaube, dem derzeitigen Leiter an Bord ist es gelungen, die Stimmung bei den meisten hochzuhalten. Die täglichen Arbeiten gingen ja weiter. Die Expedition lebt davon, ein ganzes Jahr lang konstant gleichmäßige Messungen vorzunehmen. Das wurde sichergestellt.

Mosaic-Expeditionsleiter Markus Rex.

Mosaic-Expeditionsleiter Markus Rex.

Foto: Arnd Hartmann


Hätten Sie auf diesen Austausch auch verzichten und von vornherein einen längeren Fahrtabschnitt planen können?
Nein, das ist ein Element, um die Expeditionsplanung robuster zu machen. Wir müssen auch Szenarien im Kopf haben, wo ein Crewwechsel und die Versorgung gar nicht durchführbar sind. Wenn wir dann vorher alles auf Kante geplant haben, kommen wir in Schwierigkeiten.

Aber warum hatte die „Kapitan Dranitsyn“ so viele Probleme? Bei der „Polarstern“ hieß es doch immer, dass das Eis vergleichsweise dünn sei.
Das langsamere Vorankommen ist dadurch bedingt, dass das Eis im Moment recht stark zusammengepresst wird. Das kommt durch eine ungewöhnliche Wetterlage, die wir bereits seit Anfang des Jahres auf der Nordhemisphäre haben. Wir verzeichnen Rekordwerte bei der sogenannten arktischen Oszillation. Diese führt zum Einen zu einem starken Westwindströmungsband um die Arktis herum und verursacht zum Anderen über der sibirischen Arktis ein Strömungsmuster, welches das Eis in den Teil der Arktis hinein drückt, wo die „Dranitsyn“ durch muss. Dadurch liegt die Eiskante dort weiter südlich als in den letzten 15 Jahren und der Eisdruck macht es für einen Eisbrecher schwerer, voranzukommen.

Mich juckt es, unsere ganzen Forschungsaufbauten auf der Eisscholle, die ich bisher nur in der stockfinsteren Polarnacht gesehen habe und im Schein meiner eigenen Stirnlampe, dann im Hellen zu sehen.
Professor Markus Rex

Sie fliegen in der zweiten Märzwoche nach Spitzbergen, um von da aus zunächst an Messflügen teilzunehmen, die die „MOSAiC“-Expedition begleiten. Anfang April fliegen Sie dann zur „Polarstern“ und übernehmen auch die Expeditionsleitung vor Ort wieder. Haben Sie wieder Lust auf die Arktis?
Ja, ich freue mich wahnsinnig. Mich juckt es, unsere ganzen Forschungsaufbauten auf der Eisscholle, die ich bisher nur in der stockfinsteren Polarnacht gesehen habe und im Schein meiner eigenen Stirnlampe, dann im Hellen zu sehen. Wenn ich wieder bei „MOSAiC“ bin, beginnt der Polartag. Die Sonne schraubt sich Tag für Tag höher und höher und es gibt fantastische Lichtstimmungen. Eigentlich ist es meine Lieblingsjahreszeit in der Arktis.


Es hört sich abenteuerlich an, den Austausch zwischen den Fahrtabschnitten 3 und 4 dann mit Flugzeugen zu bewältigen. Ist es angesichts der Eisdynamik, die Sie und Ihre Kollegen bei „MOSAiC“ bisher erlebt haben, möglich, eine sichere Landebahn auf der Scholle zu schaffen?
Wir werden alles dafür tun. Natürlich kann die Landebahn jederzeit aufreißen. Dann müssen wir die Teilstücke verlängern oder eine ganz neue Landebahn bauen. Auch bei diesen komplexen Flugoperationen müssen wir mit den Bedingungen zurechtkommen, welche die Arktis uns jeden Tag aufs Neue vorsetzt und auch bereit sein, unsere Pläne jederzeit an die Wetter- und Eisbedingungen anzupassen. Sonst könnten wir eine solche Expedition gar nicht durchführen.

Haben Sie mit so viel Eisdynamik gerechnet?
Ich muss sagen, ja. Ich habe auch immer alle darauf hingewiesen, dass wir einen sehr mobilen, modularen Aufbau auf dem Eis brauchen. Das Eis ist dünner geworden, und im Jahr 2019 hat es einen besonders warmen Sommer in der Arktis gegeben. Aber es hätte alles noch viel schwieriger sein können, wenn wir nicht diese Eisscholle gefunden hätten. Sie hat einen festeren Kern, wo wir zumindest einen Teil unserer Infrastruktur sicherer unterbringen können.

Wir bauen einen Datenschatz auf, der einen unschätzbaren Wert für das Verständnis des arktischen Klimasystems haben wird.
Professor Markus Rex

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Ergebnisse bisher?
Dass wir rund 100 sehr komplexe Klimaparameter kontinuierlich - durch alle Stürme und Eisrisse hindurch - beobachten konnten. Wir bauen einen Datenschatz auf, der einen unschätzbaren Wert für das Verständnis des arktischen Klimasystems haben wird. Damit werden wir unsere Klimamodelle verbessern.

Sie kommen aus der Atmosphären-Forschung. Was war da bisher das Wichtigste?
Auch in diesem Bereich beschäftigen uns dutzende von Prozessen, die alle gleichgewichtig verstanden werden müssen, da insbesondere ihre Interaktionen wichtig für das Klimasystem sind. Dies sind Dinge wie die Wärme-, Strahlungs-, und Stoffflüsse an der Eisoberfläche, die Eigenschaften von Wolken und wie diese von kleinen Schwebeteilchen in der Atmosphäre beeinflusst werden, welche Rolle kleine Luftwirbel über der Eisoberfläche und über Rinnen offenen Wassers spielen und vieles Weitere mehr.

Ich bin positiv überrascht. Ich finde es fantastisch, wie viel Interesse die Menschen unserer Wissenschaft entgegenbringen.
Professor Markus Rex

Bei Ihrem „Landgang“ reisen Sie sehr viel herum und berichten über „MOSAiC“. Man sieht Sie im Fernsehen, es gibt tolle Berichte in großen Zeitschriften und Zeitungen. Haben Sie damit gerechnet, dass das Interesse für diese Expedition so lange anhält?
Ich bin positiv überrascht. Ich finde es fantastisch, wie viel Interesse die Menschen unserer Wissenschaft entgegenbringen. Ich bekomme auch viele Fragen von Kindern. Dies enorme Interesse zeigt auch, wie wichtig die Menschen den Klimawandel nehmen. Das macht Mut, dass wir gesellschaftliche Mehrheiten für ausgewogene Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen haben.

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