Der Amerikaner Delvin Welch ist einer von zwei Importspielern der Bremerhaven Seahawks.

Der Amerikaner Delvin Welch ist einer von zwei Importspielern der Bremerhaven Seahawks.

Foto: Lothar Scheschonka

Der Amerikaner Delvin Welch ist einer von zwei Importspielern der Bremerhaven Seahawks.

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Delvin Welch reißt seine Mitspieler bei den Seahawks mit

Für die Stimmungslage bei den Footballern der Bremerhaven Seahawks findet Delvin Welch einen passenden Vergleich. „Es ist, als ob du einen Kuchen backst, ihn dann aber nicht essen darfst“, sagt der Amerikaner mit Blick darauf, dass die OSC-Footballer zurzeit nur trainieren können. Denn wegen der Coronavirus-Pandemie wird es in diesem Jahr keine Pflichtspiele in der Regionalliga geben. Runterziehen lässt sich der aus Louisiana stammende Welch davon aber nicht: „Football macht immer Spaß, auch wenn uns die Spiele natürlich fehlen.“

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Der Modellathlet Welch hofft darauf, dass es nach Absage der regulären Spielzeit eine Ersatzsaison mit Freundschaftsspielen geben wird. „Das wäre für die Clubs eine gute Sache. Auch für uns wäre das wichtig, um im nächsten Jahr dann wieder durchstarten zu können“, betont der 27-Jährige. Sein Ziel ist es, mit den Seahawks den Aufstieg in die 2. Liga, die German Football League 2 (GFL2), zu schaffen. Aus seiner Zeit bei den Ritterhude Badgers und den Hannover Spartans bringt der ehemalige College-Spieler der University of Southern Mississippi Zweitliga-Erfahrung mit.

Sowohl Offense als auch Defense

Die Bremerhaven Seahawks haben von der Stadt die Genehmigung erhalten, ihren Kontaktsport mit bis zu 60 Personen auszuüben. Das erlaubt den OSC-Footballern nicht nur die Rückkehr in ein volles Mannschaftstraining, sondern auch die Planung von Freundschaftsspielen. Die Regionalliga-Saison wurde abgesagt.

Für Welch hätte die Saison eine Rückkehr zu seinen Wurzeln sein sollen. Der neue Seahawks-Headcoach James Joseph Fayed wollte seinen Landsmann aus der Defensive, wo Welch als Safety gespielt hatte, in die Offensive schicken und als Runningback einsetzen. Eine Entscheidung, die Welch nach amerikanischer Tradition nicht anzweifelt – der Coach hat immer recht. „Offense ist meine angestammte Position, aber ich habe häufig zwischen Offense und Defense gewechselt. Ich versuche, der Mannschaft dort zu helfen, wo ich am meisten gebraucht werde“, erklärt das 1,78 Meter große Kraftpaket. Welch fällt es wirklich schwer, eine Präferenz zu benennen: „Es ist besser, auszuteilen als einzustecken. Beide Positionen haben ihre Vor- und Nachteile. Ich bin froh, dass ich beides kann – Gegenspieler tackeln und Touchdowns erzielen. Wenn ich wählen müsste? Oh Mann, das kann ich gar nicht.“

Der unglaubliche Wille

Wahrscheinlich ist es diese mannschaftsdienliche Einstellung, die Welch zu einem wichtigen Teil der Seahawks macht. „Seine Mitspieler schauen zu ihm auf“, weiß JJ Fayed. Der Cheftrainer wartet mit einer kleinen Anekdote auf, die Welchs Charakter zeigen soll. „Bei meinem allerersten Teammeeting habe ich die Jungs gefragt: Wer glaubt, dass wir die Lions Braunschweig schlagen können? Und ich meine nicht die zweite Mannschaft, sondern den mehrfachen deutschen Meister. Da hat nur Delvin aufgezeigt. Als ich am Ende des Meetings, nachdem ich meine Ideen für die Seahawks vorgestellt hatte, die Frage noch einmal gestellt habe, waren schon deutlich mehr Finger oben“, erzählt Fayed.

Football ist seine Nummer eins

Dass er eine Führungsrolle beim Regionalliga-Vizemeister hat, macht den 27-Jährigen stolz. „Ich habe immer zu solchen Spielern aufgeschaut und wollte so sein wie sie. Für mich ist es ein Privileg, dass man mich als Führungsspieler ansieht. Ich will Enthusiasmus und positives Denken ins Team reinbringen. Das ist wichtig, weil wir viele junge und unerfahrene Spieler haben“, sagt die Sportskanone aus den Südstaaten der USA. „Ich habe auch Basketball und Baseball gespielt und verschiedene Leichtathletik-Disziplinen wie Speerwerfen gemacht. Aber Football ist meine Nummer eins. Dadurch konnte ich viel reisen und habe viele Menschen kennengelernt.“

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Privat ist die Frage nach der Nummer eins für Welch, der seit vier Jahren in Deutschland lebt, ebenfalls geklärt. Seine deutsche Lebensgefährtin Stefanie und der gemeinsame zweijährige Sohn Daylon genießen für den Seahawks-Spieler oberste Priorität. „Daylon zaubert mir jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht. Ich will, dass er mich eines Tages spielen sieht und sagt: Die Nummer fünf, das ist mein Dad“, verrät der stolze Papa. Im vergangenen Jahr stellte Welch bei einem Besuch in der Heimat seiner Familie erstmals den kleinen Daylon vor: „Das waren unbezahlbare Momente. Ich hoffe, dass wir trotz Corona bald wieder rüberfliegen können.“

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