Eisbären-Basketball-Talent Denis Zenelaj in der Trainingshalle des Vereins.

Eisbären-Basketball-Talent Denis Zenelaj in der Trainingshalle des Vereins.

Foto: Arnd Hartmann

Eisbären-Basketball-Talent Denis Zenelaj in der Trainingshalle des Vereins.

Leute

Der Aufstieg des Eisbären-Spielers Denis Zenelaj

Für Denis Zenelaj war es ein großer Schritt, seine Heimat so früh zu verlassen. Als das Basketball-Talent aus dem Kosovo vor drei Jahren zum Nachwuchs der Eisbären Bremerhaven wechselte, war er gerade mal 14 Jahre alt – und sprach kein Deutsch. „Nur danke schön, bitte schön“, muss der Spielmacher beim Gedanken an seinen Start in der neuen Heimat lachen. Doch der 1,99-Meter-Hüne ist nicht nur auf dem Feld ein Kämpfer – er ist auf dem besten Weg, sein Abitur am Schulzentrum Carl von Ossietzky (CvO) zu machen.

Kreis-Icon-Nordstern

Dass Zenelaj in Bremerhaven gelandet ist, haben die Eisbären ihrem ehemaligen Jugendtrainer Patrick Seidel zu verdanken. Der frühere Coach der U16-Bundesligamannschaft war bei einem Besuch in der kosovarischen Hauptstadt Pristina auf das Talent aufmerksam geworden und hatte sich gleich bei seinen Trainern und den Eltern nach der Möglichkeit eines Wechsels erkundigt.

„Ich wollte erst nicht gehen. Aber dann habe ich ein fünftägiges Probetraining gemacht. Meine Mitspieler und die Stadt haben mir sehr gefallen“, erzählt der 17-Jährige. Die mangelnden Sprachkenntnisse waren für Zenelaj zu Beginn die größte Hürde. Obwohl ihm an der CvO jede Menge Deutschunterricht geboten wurde, hielten sich die Fortschritte zunächst in Grenzen.

Humor und Talent

„Ich habe mit den meisten Leuten englisch gesprochen“, gibt der Jung-Eisbär zu. Erst als seine Mitschüler und seine Teamkollegen die Anweisung bekamen, mit Zenelaj nur noch deutsch zu sprechen, ging es aufwärts. „In der Schule, in der Halle, in der Pause – es gab nur noch Deutsch. Das hat natürlich geholfen“, betont der Elftklässler. So weit, dass ihn die neue Sprache auch nachts beschäftigt, ist er aber noch nicht: „Ich träume immer noch auf Albanisch.“

Zenelaj ist ein humorbegabter junger Mann, wie er beim Termin mit der Presse mehrfach beweist. Das Ansinnen, sich fotografieren zu lassen, weist er zunächst in gespielter Empörung zurück: „Ich war doch gar nicht beim Friseur.“ Da der kosovarische Jugendnationalspieler keine Lust darauf hat, sich mit einer Maske die Haare schneiden zu lassen, hat sich bei ihm eine stattliche „Corona-Matte“ entwickelt.

Große Schwester lebt in Bremen

Seine Schlagfertigkeit beweist Zenelaj auch, als er nach seinen Fähigkeiten als Hausmann gefragt wird – die Eisbären-Talente aus dem Jugendinternat wohnen in Sichtweite zur CvO in WGs. „Meine Wohnung ist nie ganz sauber, aber auch nie dreckig. Durchschnitt halt.“ Als Koch dagegen würde sich der Point Guard eine gute Note geben – auch wenn er sich nicht an die Mehlspeisen aus seiner Heimat heranwagt: „Das kann nur meine Mutter kochen, mir ist das zu kompliziert.“

Heimweh verspürt Zenelaj, der im September volljährig wird, nicht mehr. Den Kontakt zu seinen Eltern hält er über Zoom und Skype, zudem verbringt er einen Teil der Weihnachts- und Sommerferien daheim. Dass seine große Schwester Bora inzwischen in Bremen lebt, sei für ihn ebenfalls eine Erleichterung.

Die Stipendiatin studiert an der Jacobs-Universität Biochemie – davor hat der U19-Bundesligaspieler großen Respekt: „Das ist wahnsinnig schwer. Chemie und Deutsch sind für mich die Horror-Fächer in der Schule.“ In der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL) zählte Zenelaj zu den Leistungsträgern.

Seine Statistiken schossen dabei in der vergangenen Saison durch die Decke: 19,38 Punkte pro Spiel statt 1,88 im Vorjahr, 7,1 Rebounds gegenüber 1,2, dazu 5,15 Assists statt 0,82 und 2,08 Steals statt 0,53. Darüber hinaus stand der Spielmacher im Schnitt 34:46 Minuten auf dem Parkett – das zeigt seinen Wert für das NBBL-Team der Eisbären. Diese Leistungsexplosion ist kein Zufall, sondern das Produkt von Sonderschichten.

Das Ziel ist klar

„Ich habe im Sommer mit meinem Trainer Aaron Cook viel an der Kraft und an meinem Spiel gearbeitet. Das hat sich ausgezahlt“, lobt Zenelaj das Training mit dem früheren Profi der Cuxhaven BasCats. Auch für Zenelaj ist es ein Traum, später einmal sein Geld mit Basketball verdienen zu können. Dabei hat er den Vorteil, dass er nach drei Jahren im Nachwuchs der Eisbären als „Local Player“ gilt und im Profi-Team keinen Ausländerplatz belegen würde.

Das ist für den 17-Jährigen ein Ansporn, weiter alles zu geben: „Ich will in der nächsten Saison mit der NBBL-Mannschaft den Aufstieg in die Hauptrunde A schaffen und in der ProA reinschnuppern.“ Michael Mai, Trainer des Zweitliga-Teams, und Nils Ruttmann trauen dem Kosovaren den Sprung zu. „Denis hat einen klaren Plan. Er weiß, wo er hinwill und was er dafür investieren muss. Es ist eine Herausforderung, losgelöst von den Eltern sein Glück im Ausland zu versuchen. Dafür hat das im Sport und auch in der Schule gut funktioniert“, ist der Eisbären-Geschäftsführer und ehemalige Nachwuchskoordinator Ruttmann sehr zufrieden mit der Entwicklung seines Schützlings.

Kreis Icon Seepferdchen
Über den Autor
nach Oben
Du schaust dir gerade an.
  • Icon Autor kontaktieren Autor kontaktieren

Icon schließen