Nachwuchs-Taubenzüchter Luke Voß aus Spaden zeigt in seinem Taubenschlag eine seiner Brieftauben.

Nachwuchs-Taubenzüchter Luke Voß aus Spaden zeigt in seinem Taubenschlag eine seiner Brieftauben.

Foto: Arnd Hartmann

Nachwuchs-Taubenzüchter Luke Voß aus Spaden zeigt in seinem Taubenschlag eine seiner Brieftauben.

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Ein Herz für gefiederte Spitzensportler

„Hallo Sportsfreunde“ – wenn Luke Voß diesen Satz sagt, lächelt der 14-jährige Schüler aus Spaden meist in eine Handykamera. Auf dem eigenen YouTube-Kanal gibt er dann Einblicke in seine große Leidenschaft, die Taubenzucht. Opa Hubert war es, der den 14-Jährigen schon früh für Brieftauben begeisterte. Für junge Leute ist die Taubenzucht eher ein ungewöhnliches Hobby. Nicht so für Luke, der nach dem Tod des Großvaters in dessen Fußstapfen getreten ist.

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In dem Taubenschlag im Anbau des Spadener Wohnhauses ist Luke in seinem Element. Links sitzen die Taubenmännchen, rechts die Weibchen, daneben ist Platz für die Jungtiere. Hier das Werkzeug zum Saubermachen, dort die Futterkiste. Der 14-Jährige kennt jeden Winkel in dem kleinen Verschlag. „Mein Opa hat den Taubenschlag 1975 selbst gebaut. Und er ist bis heute gut“, erzählt der Spadener, der schon sehr früh alles in Sachen Brieftauben von seinem Opa gelernt hat.

Bis zu 200 Tiere

Der hatte sich 1955 die ersten Brieftauben zugelegt und baute später auch den Stall. Auch Luke, der handwerklich sehr geschickt ist, baut neue Futtertische ein oder die Zellen um. So heißen die Sitzstellen der Tauben im Fachjargon. Bis zu 200 Tiere hätten in dem Taubenschlag von Luke Voß theoretisch Platz. „Aber so viele möchte ich gar nicht haben“, sagt der Schüler.

Aktuell hat Luke 30 Tauben. In zwei Gehegen – getrennt nach Männchen und Weibchen – sind sie untergebracht. Im Winter bleiben sie im Taubenschlag und in der angebauten Voliere. Auch um sie vor Greifvögeln zu schützen, auf deren Speiseplan die blau-grauen Tiere stehen. Beginnt im Frühjahr wieder die Nachzucht, leben bis zu 70 Vögel bei Luke Voß, der später einmal Tierarzt oder -pfleger werden möchte. „Zur Paarungszeit lasse ich natürlich Männchen und Weibchen zusammen, und jedes Paar hat seine feste Zelle zum Brüten“, erklärt er. Fremde Tauben würden vertrieben. „Das ist wie eine eigene Wohnung, da lassen wir ja auch nicht jeden rein“, sagt Luke und lacht.

Nicht aus allen Eiern schlüpfen Jungtiere. Damit er die Zahl der Tiere kontrollieren kann, werden einige Eier durch täuschend echt aussehende Gipseier ersetzt, die das Elternpaar dann weiter bebrütet. Frische Eier landen bei Familie Voß dann als Spiegelei in der Pfanne, ältere werden entsorgt.

Die Zeichen für eine gute Brieftaube

Die geschlüpften Jungen, halb nackt und blind, sollen nach und nach zu erfolgreichen Brieftauben heranwachsen. Die äußerlichen Kriterien hierfür kennt Luke mittlerweile im Schlaf, er erkennt nach wenigen Sekunden, ob eine Taube Potenzial hat oder nicht. „Die Flügel müssen vollständig sein, also alle Federn haben. Das Auge sollte klar sein und die Durchblutung muss stimmen. Das merkt man zum Beispiel an den warmen Füßen“, erzählt der Spadener und zeigt das rosarote Brustfleisch – ebenfalls ein Zeichen guter Durchblutung – einer seiner Lieblingstauben, der Nummer 143. Denn Namen haben die Vögel nicht.

Das einjährige Tier erfüllt auch die weiteren Schönheitsideale für Brieftauben. Die Taube hat zum Beispiel einen geraden Rücken, nah beieinander stehende Beckenknochen und ausreichend Muskulatur. „Über die Reiseleistung sagen diese körperlichen Merkmale aber noch nichts aus“, erklärt der Jungzüchter.

Ebenso wenig die Zeichnung der Taube oder der Farbschlag. In der Zucht des 14-Jährigen dominieren die klassisch blauen Tauben mit meist grauem Körper und metallischem Glanz am Hals. Aber auch weiß-schwarz oder braun gescheckte Tiere finden sich in der Gruppe. Sie alle sehen hübsch aus.

Die Historie der Brieftaube

Noch viel wichtiger als das Aussehen ist Luke aber die Leistung seiner Tiere. Denn schließlich habe er sich vor allem dem Taubensport verschrieben, der seinen Ursprung in Belgien hat und in Deutschland in Aachen Ende des 19. Jahrhunderts seine Anfänge fand. Der Einsatz von Brieftauben selbst ist deutlich älter. Bereits im alten Ägypten und Rom wurden die Tiere zur Übermittlung von Informationen genutzt. In Deutschland wurden Brieftauben unter anderem auch in den beiden Weltkriegen für militärische Zwecke eingesetzt.

Aktuell sind Lukes Tauben in der Winterpause. Sie können es etwas ruhiger angehen lassen. Auch das Futter – unter anderem Sämereien, Erbsen oder Mais – ist entsprechend angepasst und weniger energiereich. Im Frühjahr steht wieder tägliches Training auf dem Programm, und auch das Futter wird energiereicher. Ganz wie bei menschlichen Spitzensportlern.

Spezielle Trainingsflüge

Direkt aus dem Taubenschlag kann Luke die Tiere ins Freie lassen, die dann – immer im Schwarm – ihre Kreise über dem Haus der Familie in Spaden ziehen. „Sie fliegen auch mal ein Stück weg, aber nie weit“, erzählt der Schüler. Für die Jungtauben gibt es spezielle Trainingsflüge. Über geringe Entfernungen, etwa fünf bis sechs Kilometer. Dafür fährt Luke die Tiere auch schon einmal mit dem Fahrrad zum Startpunkt. Von dort aus gilt es dann zurück zum heimischen Taubenschlag zu finden. Was in der Regel klappt und für Luke eine der großen Faszinationen am Taubensport ausmacht.

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Spitzengeschwindigkeiten bis zu 120 km/h

Gerade dann, wenn die Strecken länger werden, es also an die eigentlichen Reisen geht, so der Fachbegriff für die Langstreckenflüge der Tiere auf Zeit. Bis zu 700 Kilometer legen Lukes Tiere hierbei zurück, erreichen dabei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde. „Wenn das Wetter mitspielt und mit etwas Rückenwind“, erklärt Luke. Durchschnittstempo seien etwa 80 Stundenkilometer. Zielsicher finden die Tauben – die für die langen Flüge, die mit Preisen prämiert werden, mit einem Lastwagen an ihren Startpunkt gefahren werden – ihr Zuhause wieder. Über den Ring am Fuß wird ihre Rückkehr elektronisch registriert. Tauben orientieren sich – wie viele andere Zugvögel – am Magnetfeld der Erde. Bei den Älteren klappe das meist, den größten Teil seiner Jungtiere hat Luke in diesem Jahr aber auf den Reisen verloren. „Schlechtes Wetter vertragen die Jungen noch nicht gut und umfliegen es nicht. Dabei habe ich leider ganz viele Tiere verloren“, erzählt Luke, der an seinen Tieren hängt. Auch wenn er im Zuge der Brieftaubenzucht hart aussortiert. Wer als Taube keine Leistung bringt, also Preise bei den Flügen einheimst, kommt in den Suppentopf. Das klinge zwar hart, aber nur so könne er in dem Sport erfolgreich sein, sagt Luke. Erste Erfolge hat der 14-Jährige schon einheimsen können, wurde im vergangenen Jahr sogar 2. Jugend-Jungtiermeister in seinem Brieftaubenzuchtverein, der Reisevereinigung Bremerhaven.

Mehrere tausend Klicks für seine Videos

Seine Erfolge, aber auch allerhand Wissenswertes rund ums Hobby, mit dem Luke unter seinen Klassenkameraden zu den Exoten gehört, teilt der Spadener seit Beginn des Jahres im Internet auf seinem eigenen YouTube-Kanal. Mehrere tausend Klicks bekommen seine Videos, über 630 Abonnenten hat er bereits. Aktuell veröffentlicht er einmal pro Monat ein Video, in der Reisesaison meist wöchentlich. „Über einen Kollegen, der das auch macht, bin ich darauf gekommen. Dass es so erfolgreich wird, hätte ich aber nicht gedacht“, erzählt Luke sichtlich stolz. Das Interesse an seinen Videos freut ihn, auch der Austausch mit Kollegen über die Plattform – oder im echten Leben. Den Taubensport will Luke noch viele Jahre lang betreiben. Und nach und nach seine Leistungen im Taubensport verbessern. Um irgendwann auch seinen großen Traum von einem Erfolg bei der Deutschen Meisterschaft verwirklichen zu können.

Zahlen, Daten und Fakten über Brieftauben

  • Erwachsene Brieftauben können Entfernungen bis zu 1000 Kilometer zurücklegen, der Geschwindigkeitsrekord liegt bei 177 Kilometern pro Stunde.
  • Eine in Belgien gezüchtete und preisgekrönte Taube hat 2019 bei einer Auktion 1,25 Millionen Euro eingebracht. Das flämische Taubenmännchen „Armando“ ist damit laut dem auf Brieftaubenzucht spezialisierten Portal „Pigeon Paradise“ die teuerste ihrer Art weltweit.
  • Tauben verbringen ihr ganzes Leben mit einem Partner. Nur bei Verlust des Partners kann es zu einem Wechsel kommen. Sie kümmern sich gemeinsam um die Aufzucht ihrer Jungtiere.
  • Die Tiere gelten als sehr intelligent und können zum Beispiel verschiedene Muster oder Gesichter von Menschen erkennen und auseinanderhalten.
  • Die größte Taube ist die Neu-Guinea-Fächertaube mit mehr als zwei Kilogramm Gewicht und einer Größe von bis zu 73 Zentimetern. Eine der kleinsten Taubenarten ist das Sperlingstäubchen, das in Nord- und Südamerika lebt. Es ist nur 16,5 Zentimeter groß und wiegt 22 Gramm.
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