Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Pastor Volker Keller beim Blick aufs Meer.

Pastor Volker Keller beim Blick aufs Meer.

Foto: Volker Keller

Leute Kreuzfahrten

Ein Pastor als Komparse auf dem Traumschiff

Icon Merkliste
Drucken
Icon Facebook Icon Twitter Icon Mail

Für die Evangelische Kirche in Deutschland ist Volker Keller aus Bremen-Vegesack als Bordgeistlicher auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs. So war er auch Schiffspastor auf der „Amadea“, dem Traumschiff des ZDF. Auf einer Traumroute von Florida ging es entlang der amerikanischen Ostküste bis nach Bremerhaven. Was Volker Keller erwartete: nicht weniger als die Welt von ihrer besten Seite zu erleben. Eine traumhafte Aussicht – und eine Rolle als Komparse, wie er selbst schreibt.

Kreis-Icon-Nordstern

Die „Amadea“ hat in Miami festgemacht, um am nächsten Tag zur letzten Etappe auf der fünfmonatigen Weltreise auszulaufen – zurück nach Bremerhaven. Ich checke gemeinsam mit Schauspieler Harald Schmidt ein. Sein Eintreffen – an Bord würde er den Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle mimen – findet ganz ohne großen Bahnhof statt: Niemand steht zum Empfang bereit, unbemerkt geht er die Gangway hoch.

Zwei Kapitäne

Nach dem Bordgottesdienst trifft sich Volker Keller (links) mit dem Schauspieler Harald Schmidt und zwei Besucherinnen.

Foto: Volker Keller

Harald Schmidt kam als erster Interviewgast in meinen Bordgottesdienst. Die christliche Welt ist ihm seit seiner Schulzeit in einem Internat des katholischen Jesuitenordens vertraut. Sympathie scheint er zu dem ehemaligen deutschen Papst Benedikt 16. zu haben: Immer wieder zitiert er ihn. Als ich von meiner Vorliebe für lockere Popgottesdienste erzählte, hielt er mit seiner für traditionelle, streng geformte dagegen. Schmidt erzählte von sich, dass er versuche, im Leben mit reichlich Humor gut durchzukommen. Mit Witz und ein bisschen Spötterei könne man auch schwierige Situationen entspannen. An Bord pflegte er mich „Hochwürden“ zu nennen.


Keller als Komparse im Einsatz

Eine Szene

Vorbereitungen zum Dreh einer Szene an Bord der "Amadea", dem Traumschiff des ZDF.

Foto: Volker Keller

Die Passagiere dieser Reise genießen das Privileg, mitzuerleben, wie der Film, die Kolumbien-Folge, entsteht – und sie können sogar mitmachen. Ich will das auch und stehe als Komparse bereit, im schwarzen Anzug zum Open-Air-Dinner. Unsere Aufgabe: so zu tun, als ob wir äßen und uns dabei angeregt unterhielten. Am Platz hinter uns hatten Tayfun Bademsoy, Claudia Rieschel und Irene Krugler Platz genommen. Kreuzfahrtdirektor Schifferle alias Harald Schmidt spazierte zwischen den Tischen hin und her. Es ging nicht um den Ton, sondern um Bilder – so erklärt sich folgender spontaner Dialog an unserem Tisch. Schifferle: Leihen Sie mir 100 Euro? Keller: Wofür brauchen sie die? Schifferle: Für meine Kinder? Keller: Wahrscheinlich haben sie in jedem Hafen eins. Sie Armer, sie brauchen Seelsorge. Schifferle: Nein, ich brauche ihr Geld – easy going an Bord. So vergingen zwei Stunden. Bei seinem nächsten Rundgang befragte er uns nach unserer Verdauung. So habe ich ihn immer wieder erlebt: Schlagfertig und den Schalk im Nacken, Immer wieder gab der Regisseur das Kommando: „Probe!“ oder „Dreh!“ – „Nochmal! Auf die Anfangspositionen“ – „Action“. Zwei Stunden lang drehte das Team für zwei Minuten Film. Auf dem Deck über uns verfolgen viele Passagiere, was die Filmleute und wir Komparsen so treiben. Jedenfalls bringen die Schauspieler mehr Geduld auf als wir. Der eine und andere von uns murrt irgendwann: Wie lange dauert das denn noch?

In der Szene stand die Witwe Rose Förster plötzlich auf und verließ das Deck. Nazim Günay und seine Tischnachbarin Hortense Meier redeten darüber, wie schwer sie es nach dem Tod ihres Mannes hätte. Günay hob ins Religiöse ab: „Egal ob Allah, Jesus oder Buddha – Hauptsache, dass da oben jemand ist, wenn es unten brennt.“ Am Ende werden die attraktive Witwe und der flotte Türke ein Paar. Am nächsten Tag traf ich Bademsoy: „Ist das auch ihre Meinung?“, fragte ich. „Nein!“, kam klipp und klar zurück, er guckte mich irritiert an. Ach, ja, blöde Frage: Er spielt doch nur seine Rolle. Barbara Wussow, die „Hoteldirektorin“, glaubt an „oben“.

Leben auf engstem Raum

Eine Frau

Schauspielerin Babara Wussow in "Arbeits"-Klamotte.

Foto: Volker Keller

Zum Bordgottesdienst hatte ich sie zu einer Dialogpredigt eingeladen. Die „Kirche“ war voll, als die Schauspielerin erzählte, dass sie eine Klosterschule besuchte und auch heute regelmäßig in die Messe gehe. Auf Reisen hat sie immer ein bestimmtes religiöses Bild dabei – den strahlenden Jesus der polnischen Schwester Faustina: Jesus strahlt aus und gibt Energie. Die hat Barbara Wussow gebraucht, als sie ihre Eltern beim Sterben begleitete. Heute kann sie sagen: „Ich fürchte den Tod nicht.“ Im Anschluss saß die Schauspielerin noch lange mit Passagieren zusammen.

Barbara Wussow scheint für ein Leben an Bord gut geeignet zu sein. Bei der Atlantiküberquerung von Kanada nach Irland sind wir vier Tage auf dem Meer. Nicht jeder Schauspieler kann das ab: auf engstem Raum ohne Ausweichen, immer umgeben von Kollegen und Passagieren. Die Fernsehleute kommen miteinander gut aus. Das konnte ich beobachten. Der Produzent erzählte mir, dass er Schauspieler, die sich nicht in eine Gruppe einfügen könnten, gar nicht mitnähme. Man lebe auf dem Schiff ja lange Zeit auf engstem Raum zusammen.

Auf dem Traumschiff auf Traumroute? War das so? Nein, das Leben ist kein Traum, sondern harte Arbeit, soll es einigermaßen gelingen. Hinter den Kulissen des Films wird mächtig geschuftet bis zum Happy End, hinter den Kulissen der „Amadea“ genauso, soll es den Passagieren gut gehen. Selbst der Filmkuss von Anne (Nele Kiper) und Bastian (Martin Gruber) wollte bei Windstärke zehn auf dem schaukelnden Schiff erst nach mehreren Versuchen richtig glücken. Ich konnte das gut verfolgen. Ich war Statist und nahm im Hintergrund mein Frühstück ein. Wie das im Fernsehen aussieht, werde ich zu Neujahr sehen.

Hollywood entdeckte in den 1980er Jahren die Kreuzfahrt als Chance für romantische Filme. Love Boat diente als Vorlage für Das Traumschiff. Nunmehr läuft die Serie seit fast 40 Jahren und wird damit nur noch vom Tatort übertroffen. „Mir geht die Welt aus“, klagte der frühere Produzent Wolfgang Rademann einmal – überall hatte man schon mehrfach auf den Traumschiffen „Vistafjord“, „Astor“, „Berlin“, „Deutschland“ und „Amadea“ gedreht.

Kreuzfahrt mit Happy End!
Ein Hafen

Die "Amadea" erreicht einen Hafen auf ihrer großen Kreuzfahrt.

Foto: Volker Keller

Seinen Nachfolger lerne ich abends in der Havannabar, der Raucherbar, kennen. Wenn die Passagiere sich in den Restaurants zum Abendessen eingefunden haben, breitet sich andernorts Leere und Stille aus. Der neue Produzent, Christian Stocklöv, fasst mir das inhaltliche Konzept kurz zusammen: Die scheinbar unlösbaren zwischenmenschlichen Probleme lösen sich am Ende in Luft auf – Happy End! Sehr einfach, aber mache gute Laune. Ich stimme ihm zu: Normalerweise schaue ich sonntagabends den Tatort im Ersten. Am Ende stehen die Kommissare an ihrer Lieblingsbratwurstbude, futtern, trinken, aber glücklich gucken sie nicht, eher tief enttäuscht über die Menschen und ihre Abgründe, voraussehend: Der nächste Mörder kommt bestimmt. Froh und gut gelaunt war ich nach einem Tatort noch nie – aber nach dem Traumschifffilm vor meiner Abreise. Obwohl die Handlung ziemlich schlicht war, berührte mich, dass die fehlgeschlagenen Liebesversuche zweier junger Leute am Ende doch klappten, und dass der Kapitän eine schöne Rede über das Glück im Leben hielt. Kein nächster Mörder weit und breit.

Florian Silbereisen

„Kapitän“ Florian Silbereisen lässt sich von einer Maskenbildnerin auf seine Aufgabe vorbereiten.

Foto: Volker Keller

"Amadea" eine riesige Requisitenkammer

Was für einen Film indes alles gebraucht wird! Das Filmteam rückte mit 30 Personen an, die Ausrüstung bringt es auf 10 Tonnen, allein die Hauptkamera hat einen Wert von 100 000 Euro. Auf dem Schiff herrscht Raumnot. Normalerweise halte ich im Kino Vorträge zu Lebensfragen – nicht auf dieser Reise: Es dient als Requisitenkammer und ist bis unter die Decke vollgestopft mit falschen Blumen, falschen Torten, Hüten und was weiß ich noch alles.

Der neue Filmkapitän Florian Silbereisen verhält sich freundlich, aber zurückhaltend. Auf keinen Fall ist er schwer deprimiert. Auf der Titelseite einer Illustrierten hatte ich gelesen, dass die Trennung von Helene Fischer ihm heftig zusetze. Er ist vergnügt bei der Sache, immer zu einem lockeren Spruch aufgelegt. Ich erzähle ihm während einer Drehpause vom Bordgottesdienst: „Das Schiff hat gerade enorm geschaukelt, als der Kapitän Interview-Gast im Gottesdienst war.“

"Traumschiff" – Folge 86: Kolumbien
Deutsche Erstausstrahlung: Mi 01.01.2020 ZDF
Uhrzeit: 20.15 Uhr

Seine Reaktion darauf: „Das ist doch klar, wenn keiner von uns Kapitänen auf der Brücke ist.“ Offensichtlich identifiziert er sich schon mit seiner neuen Rolle. Die Kreuzfahrtgäste wissen nicht so genau, was sie von ihm halten sollen: „Er soll junges Publikum ansprechen“, sagen die einen. „Er ist nicht seriös genug für einen ehrwürdigen Kapitän“, sagen die anderen. Warten wir’s mal ab…

nach Oben
Du schaust dir gerade an.
  • Autor kontaktieren