Es kommen Grüße aus einem bewegten Amerika über die Grußbrücke – ein Leben zwischen Corona-Pandemie und turbulenten Wahlen.

Es kommen Grüße aus einem bewegten Amerika über die Grußbrücke – ein Leben zwischen Corona-Pandemie und turbulenten Wahlen.

Foto: NZ

Es kommen Grüße aus einem bewegten Amerika über die Grußbrücke – ein Leben zwischen Corona-Pandemie und turbulenten Wahlen.

Leute Grußbrücke

Grüße aus den USA: Alte Hobbys helfen in chaotischen Zeiten

Unsere liebgewonnene Grußbrücke schafft jedes Jahr vor Weihnachten eine Verbindung zwischen Menschen auf der ganzen Welt und unserem Norden – zwischen der „alten“ und der „neuen“ Heimat. Menschen schreiben uns von überall her ihre Grüße an Verwandte, Freunde und Bekannte in Bremerhaven und umzu. Manuela und Tyrone Wilken-Fields und Gerhild Turner senden ihre Grüße in bewegten Zeiten aus den USA.

Kapitel in diesem Artikel

Politische Situation ist ein Chaos

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Moin Bremerhaven... was für ein Jahr, welches wir schnell vergessen möchten. Wir möchten uns auf ein besseres neues Jahr freuen. Hier in den USA ist es auch nicht anders als in der ganzen Welt. Maskenpflicht seit März, die Schulen waren geschlossen bis zum Herbst und jetzt schließen sie langsam wieder mehr und mehr. Familien treffen sich nicht zu den Feiertagen. Es gibt viele Tränen, weil man die älteren Familienmitglieder nicht besuchen kann. Unsere politische Situation – man muss ja nur die Nachrichten verfolgen, um zu wissen: Es ist auch ein Chaos!

In diesem Jahr konnten wir nicht verreisen, aber wir wollen es nachholen im neuen Jahr. Als ich über den Sommer daheim war, habe ich mein altes Interesse wieder ausgegraben, meinen Familienstammbaum. Es ist sehr interessant für mich, herauszufinden, wo meine Familie herkam und wie sie in Bremerhaven landete. Unsere Wurzeln kommen halb aus Ostfriesland. Es war eine Überraschung und brachte mehr Fragen als Antworten. So, das mache ich halt viel über das Internet.

Hoffen auf ein besseres 2021

Meine Familie und ich haben noch das Glück, dass wir gesund sind. Und obwohl wir uns in diesem Jahr nicht sehen können, das nächste Jahr kommt ja auch wieder. Wir müssen alle machen, was uns gesund hält, und hoffen, dass es von hier nur noch aufwärtsgehen kann. Auf ein besseres neues 2021!

Familie und Freunde, bleibt alle gesund... Meine Schwestern Claudia und Rachel Zotter mit ihren Familien, mein Onkel Eckart Dirksen und Familie Andy und Silke Wilkens und Familie Uphoff in Hymendorf, mein Buder Ingo in Bremen, passt alle auf euch auf. Alle Freunde und Bekannte, zu viele, um sie hier zu nennen, bleibt gesund!

Alles Liebe und Gute,
Manuela und Tyrone Wilken-Fields

Mit Gemüsegarten durch die Pandemie

Während dieses Jahr zu Ende geht, kommt es mir vor, als ob überhaupt nichts passiert ist – oder als ob einfach zu viel passiert ist. Während der Rest der Welt sich auf das Coronavirus konzentriert, haben wir mit dem Virus und der Präsidentenwahl zu tun. Noch schlimmer hätte es nicht kommen können. Nachdem die Virusfälle so langsam zurückgingen, sind sie jetzt wieder außer Rand und Band. Und Texas war der erste Staat in den USA mit über einer Million Erkrankungen. Kein schöner Erfolg! Wir sind froh, dass es unserer Familie gut geht. Wir tragen unsere Masken und leben vorsichtig. Seit März waren Chuck und ich nur einmal in einem Restaurant, an unserem Hochzeitstag.

Wie überall hatten wir Engpässe in den Einkaufsläden. Ich kaufe normalerweise kein Toilettenpapier auf Vorrat. Aber dann gab es kaum Toilettenpapier in den Geschäften und es wurde rationiert. Und es ist schon wieder rationiert. Jetzt habe ich auf Vorrat gekauft. Dann gab es kein Mehl und keine Hefe. Ich backe schon seit Jahren unser Brot selber und hatte Gott sei Dank Trockenhefe und Mehl im Haus – aber nicht sehr viel. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass das Virus sich so lange ausbreiten würde. Also musste eine Mühle her, um das Mehl selber zu mahlen. Weizenkörner konnte ich bestellen. Und jetzt habe ich genug Weizen-, Roggen- und Dinkelkörner bis zum nächsten Jahr. Sauerteig lebt im Kühlschrank und ich habe extra Trockenhefe gekauft.

Zwei selbst gebackene Brote auf einem Abkühlrost.

Brot backen und Einwecken gehört zu den vielen Beschäftigungen.

Foto: privat

Mit dem Gemüsegarten selbst versorgen

Ich habe einen kleinen Gemüsegarten und hatte schon Anfang des Jahres vor, ihn zu erweitern. Ich habe Online-Kurse fürs Einwecken mitgemacht. Ich ziehe meine Pflanzen selber und hatte jede Menge (74) Tomatenpflanzen. Die konnte ich auf keinen Fall alle selber gebrauchen, also habe ich sie an Nachbarsgärtner verschenkt. Und dann gab es keine Dosen mit Tomaten im Supermarkt. Gut, dass ich vorgeplant hatte. Und Samengut fürs nächste Jahr habe ich auch schon gekauft.

In diesem Jahr gab es schon Engpässe oder überhaupt keine Samen mehr für einige Sorten. Wir haben Schwierigkeiten, Einweckgläser und Zubehör zum Einmachen zu bekommen. So viele Leute, vor allem junge Leute, haben sich auf die „alten“ Bräuche besonnen und sind fleißig dabei, einzukochen und Gemüse anzupflanzen. Dadurch sind die Engpässe entstanden. Dadurch, dass die Erkrankungen wieder ansteigen, nehme ich an, dass es bald wieder mehr Beschränkungen geben wird. Lasst uns hoffen, dass ein Impfserum schnellstens genehmigt wird und wir uns impfen lassen können.


Ein gespaltenes Land

Und dann hatten wir die Präsidentenwahl im November. Die Einwohner der USA haben gesprochen und danach ist Joe Biden der nächste Präsident. Aber der jetzige Präsident weigert sich, das Wahlergebnis zu akzeptieren. Wir hatten damit gerechnet, dass nach der Wahl der Tumult weitergehen würde, falls Donald Trump die Wahl nicht gewinnt. Das Land ist ideologisch so gespalten, es ist erschreckend.

Aber genug von der Politik. Wir hatten vor, im März nach Seattle zu fliegen, um unseren ältesten Sohn Patrick zu seinem 50. Geburtstag zu überraschen. Flug gebucht, Mietwagen gebucht, und dann alles storniert. Wir waren alle so enttäuscht. Und jetzt können wir noch nicht einmal den nächsten Urlaub planen. Ich würde gerne einmal wieder in Urlaub fahren. Man kommt sich so eingesperrt vor, wenn man nur zu Hause ist.


Nähen, Gärtnern, backen – im Haus ist viel zu tun

Dieses Jahr habe ich keinen Nähunterricht im College gegeben. Alle Klassen wurden nur online angeboten. Ich hoffe, dass es im nächsten Jahr besser wird. In diesem Jahr haben wir unser Motorrad (Trike) verkauft. Fast vier Jahre waren vergangen, seitdem wir das letzte Mal eine kleine Tour gemacht hatten. Das Klima in Texas hat sich sehr verändert und es war einfach zu heiß, um mit dem Motorrad unterwegs zu sein. Jetzt haben wir Platz in der Garage und Chuck ist dabei, seine Modelleisenbahn wieder aufzubauen.

Ihr seht, wir haben viel zu Hause gemacht. Ich nähe immer noch meine Kleidung und es macht mir so viel Spaß. In letzter Zeit habe ich angefangen, meine Schnitte selber herzustellen. Gartenarbeit, Brot backen, einwecken, Sauerkraut selber machen, nähen, stricken, lesen, ich habe keine Langeweile. Chuck drechselt immer noch, aber er hat leider keine Möglichkeit, seine Kreationen zu verkaufen. Wegen des Coronavirus werden keine Basare an den Schulen und Kirchen abgehalten.

Wie bereits in den vergangenen Jahren wünschen Chuck und ich meiner Mutter Herta Kutzek in Langen, Schwester Heidrun, Heini und Christina in Holßel, Meike und Familie in Delmenhorst, Christa und Dieter in Langen, Sabine und Marita Funk, Jutta und Martin in Australien, Hella in Spaden und allen ehemaligen Klassenkameraden ein frohes Weihnachtsfest, ein glückliches neues Jahr und vor allem Gesundheit.

Nochmals, ein frohes Weihnachtsfest und ein Dankeschön an NORD|ERLESEN, dass es uns die Möglichkeit gibt, unsere Erlebnisse durch die Grußbrücke zu schildern und unsere Weihnachtsgrüße zu schicken. Bleibt alle gesund!

Gerhild Turner (geb. Kutzek)

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