Die Aktion „Grußbrücke“ gibt es seit 50 Jahren.

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Leute Grußbrücke

Grußbrücke: Von Vorsicht und Abschied

Unsere liebgewonnene Grußbrücke schafft jedes Jahr vor Weihnachten eine Verbindung zwischen Menschen auf der ganzen Welt und unserem Norden – zwischen der „alten“ und der „neuen“ Heimat. Menschen schreiben uns von überall her ihre Grüße an Verwandte, Freunde und Bekannte in Bremerhaven und umzu. Jutta Zapf-Atkinson und Ernst August Raker senden ihre Grüße in bewegten Zeiten aus den USA.

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Kapitel in diesem Artikel

Jutta Zapf-Atkinson, Urangan, Australien

2020 sollte ein ganz besonderes Jahr werden. Wer hätte gedacht, dass es so traurig enden wird? Tausende sind an Covid gestorben, so viele sind krank und haben große Probleme. In der ganzen Welt wurden Familien getrennt, weil sie nicht zusammenkommen konnten. Tausende konnten ihre Familienmitglieder nicht besuchen, als sie im Krankenhaus waren oder durften nicht einmal zur Beerdigung gehen. So viel Traurigkeit und Leid, welches durch einen winzigen Virus verursacht wurde. So viele Australier sind noch im Ausland und warten darauf, dass sie endlich wieder heimfliegen können.

In dem Moment, in dem klar wurde, wie gefährlich der Virus ist, wurde Australien sofort in „Lockdown“ versetzt. Alles Mögliche wurde unternommen, um die Verbreitung des Virus zu verhindern. Für Martin mit seinem kompromittierten Immunsystem und für mich mit meinem Asthma hieß das, dass wir erst mal zu Hause bleiben und abwarten mussten. Die ersten Wochen kauften wir unsere Lebensmittel online und sie wurden geliefert. Als wir hörten, dass wir keine Covid-Fälle in Hervey Bay haben, sind wir wieder selber einkaufen gegangen. Wir durften auch zwei Besucher haben, somit konnten wir unsere Kaffeestunde mit unseren Nachbarn fortsetzen, ohne dass wir bestraft wurden. So langsam wird nun alles wieder „normal“ – oder wie immer man es beschreiben kann. Es wird nie wieder so werden, wie es war, da der Virus immer da sein wird, aber wir machen das Beste aus unserer Situation und machen, was verlangt wird. Zum Glück brauchten/brauchen wir keine Masken tragen, da Hervey Bay immer noch frei von Covid ist. Man weiß aber nie, was wird, und somit haben wir unsere Masken zu Hause.

Weihnachten in Hervey Bay

Nun ist bald Weihnachten und ein neues Jahr steht vor der Tür. Was wird es uns bringen? Dieses Jahr werden wir Weihnachten in Hervey Bay feiern müssen, da ich aus gesundheitlichen Gründen keine weiten Strecken fahren darf. Martin muss immer noch alle vier Wochen nach Brisbane zur Behandlung fahren. Aus Sicherheitsgründen fahren wir mit einem privaten Shuttlebus. Er holt uns an der Haustür ab und setzt uns am Krankenhaus ab. Im Moment darf ich nicht mitfahren und Martin muss alleine fahren. Es ist ein langer Tag von 4.30 Uhr am Morgen bis 19 oder 21 Uhr am Abend.

Wir hatten einen milden Winter und der Garten ist voller Blumen. In diesem Jahr sind meine Rosen so wunderschön gewachsen. Es liegt wohl daran, dass wir die Palmen abgesägt haben. Die Rosen bekommen nun Sonne und der Boden hat mehr Nährstoffe zur Verfügung. Wir haben auch unsere erste Bananenstaude geerntet. Die Bananen waren sehr gut und voller Aroma. Unser Maulbeerbaum und unser Pawpaw-Baum hatten auch so viele Früchte in diesem Jahr. Nun warten wir darauf, dass unsere Feigen reif werden. Alles wächst und gibt uns viel Freude. Unser Hund und unsere Katze sind glücklich, dass wir so viel zu Hause sind. Beide sind sehr lieb und anhänglich.

Auf ihre Rosen ist Jutta Zapf-Atkinson stolz.

Auf ihre Rosen ist Jutta Zapf-Atkinson stolz.

Foto: Jutta Zapf

Zuhörer in der ganzen Welt

Ich präsentiere (seit inzwischen 27 Jahren) immer noch mein Radio-Programm und habe Zuhörer in der ganzen Welt. Zum Zuhören: Fraser Coast FM 107.5 (www.frasercoast.fm), Montagabend 18 bis 21 Uhr. Es macht mir Spaß und viele Zuhörer lieben die deutsche Musik.

Schon seit 27 Jahren macht Jutta Zapf-Atkinson den Hörern von Radio Fraser Coast FM mit deutscher Musik viel Freude.

Schon seit 27 Jahren macht Jutta Zapf-Atkinson den Hörern von Radio Fraser Coast FM mit deutscher Musik viel Freude.

Foto: privat

Wegen Covid wurden viele Veranstaltungen abgesagt, aber der Wochenmarkt wurde im Juli wieder aufgemacht. Die Galerie, in der Martin und ich unsere handgemachten Dinge präsentieren, war für zwei Monate geschlossen, aber im Juni konnten wir wieder öffnen. Alle Läden sind offen und auch Restaurants und Takeaways sind voll im Geschäft. Es war ein komisches Gefühl, durch die Straßen zu fahren und keine Menschen in den Cafés oder Restaurants zu sehen. Alles sah trostlos und verlassen aus, aber es war nur für eine kurze Zeit.

Die Wale kamen sehr früh in diesem Jahr und die Wal-Beobachtungstouren sind erst mit der Hälfte der Besucher gestartet, aber es wurden dann mehr Besucher erlaubt. Da keiner ins Ausland fahren konnte, sind viele Touristen an die Küste gekommen, um Wale zu sehen.

Wir sind immer noch sehr vorsichtig: Händewaschen, Handdesinfektion und Abstandhalten gehören zum Alltag. Die Einkaufswagen können mit speziellen Tüchern desinfiziert werden und Flaschen oder Pumpen mit Desinfektionsmittel sind in allen Geschäften und Restaurants vorhanden. Wir müssen uns immer noch mit Namen, Adresse und Telefonnummer eintragen, wenn wir zum Essen ausgehen, aber das ist kein Problem.

Grüße losschicken

So, nun werde ich meinen Bericht für 2020 beenden. Im nächsten Jahr wieder mehr über unser Paradies! Nun möchte ich alle meine Grüße losschicken und grüße ganz herzlich meine Familie in Bremerhaven und Cuxhaven, meine Cousinen mit Kindern und Enkeln, Gaby mit Familie, Antje und Familie, Hiltrud und Familie, Hilde und Familie, Christa und Familie, Hilke und Familie, Erika und Familie, Willi und Familie, Bärbel 1 und 2, Ingrid E., Ute N. und Familie in Amerika: Waltraud und Familie in Amerika, Erika mit Familie, meine Arbeitskollegen aus meiner Jugend, Inge, Rolf und Helga (lange nichts gehört), Tineke und Familie, Peter, Gerhild und Familie in Amerika, Doris und Familie in Florida, Roswitha in Kanada und alle Freunde, auch aus Facebook, die ich nicht beim Namen genannt habe.

Allen ein wunderschönes Weihnachtsfest mit viel Freude und Frieden. Tausend Dank und liebe Grüße an die Redaktion der NORDSEE-ZEITUNG für die Möglichkeit, auch in diesem Jahr wieder einen Beitrag und Grüße an alle zu schicken. Es ist solch eine Ehre, über die Weihnachtsausgabe mit allen Lieben in Verbindung zu sein. Ein frohes Fest und ein gesundes neues Jahr!

Jutta Zapf-Atkinson und Martin Atkinson
14 Moonstone Drive, 4655 Urangan, Australien
jutta@bigpond.net.au
Tel. 61 7 4124 9472
Facebook https://www.facebook.com/jutta2

Ernst August Raker, Victoria, Australien

G’day Mates!

Ja, das war ein Jahr und es ist – ich schreibe dies im November – noch nicht vorbei. Wer weiß, was noch in einem Monat passieren kann. Ich (83) bin jetzt fast 68 Jahre in Australien, meine Schwester Karin ist 80 Jahre und Cousine Angela die Jüngste. Wir sind die überlebenden Original-Einwanderer der Raker/Schäfer-Familie.

Es fing im Sommer in der Urlaubszeit mit riesigen Buschfeuern in einen der schönsten Teile von Australien an. In Gippsland in Victoria waren viele Urlauber vom Feuer abgeschnitten und wurden von der australischen Marine evakuiert. In 2020 hatte Australien den heißesten Februar in der Geschichte.

Mit der „Ruby Princess“ kamen die Infektionen

Dann kam das Virus. Hier in Victoria hatten wir am Anfang nicht viele Infektionen. Die größten Probleme kamen von dem Passagierschiff „Ruby Princess“ in Sydney, wo die Passagiere nicht in Quarantäne gebracht wurden. Wir haben daraus gelernt, und alle Ankünfte in Victoria mussten in Hotel-Quarantäne. Die Commonwealth-Regierung hat allen Ländern die Armee als Quarantänewächter angeboten. Unsere Landesregierung von Victoria bevorzugte private Firmen als Quarantänewächter. Die waren nicht diszipliniert und verbreiteten das Virus in Melbourne. In ein paar Monaten starben hier über 800, im Rest von ganz Australien starben weniger als 100.

Für mehrere Monate waren wir in Melbourne von einem „Ring of Steel“ (Stahlring) von der Welt abgeschnitten. Wir durften nur einmal pro Tag für eine Stunde Lebensmittel kaufen, maximal fünf Kilometer von unserer Wohnung entfernt. Alle anderen Geschäfte waren dicht – viele gingen pleite und machten nicht wieder auf. Die australischen Fußballspiele (AFL) wurden außerhalb von Victoria gespielt, viele ohne Zuschauer. Auch das Grand Finale wurde zum ersten Mal nicht in Melbourne gespielt, sondern fand in Brisbane statt. Die großen Frühlingspferderennen sowie der „Melbourne Cup“ und andere fanden statt – aber völlig ohne Zuschauer.

Stadt war monatelang dicht

In 1953 hatten wir ein deutsches Buch mit dem Titel „Australien öffnet sich“, heute heißt es hier „Australien schließt sich“. Nur zurückkommende australische Bürger und Visa-Inhaber dürfen ins Land und müssen dann in Quarantäne. Quantas, die australische Luftlinie, feierte im November ihren 100. Geburtstag, aber nur ein paar von ihren Flugzeugen konnten fliegen. Der internationale Tourismus ist gesperrt und die australische Tourismusindustrie ist schwer betroffen. Victoria war monatelang ganz gesperrt, niemand durfte rein oder raus. Ende November (23.) hatte Victoria das Virus endlich unter Kontrolle, die Grenzen zu den meisten australischen Ländern wurden wieder geöffnet.

Am Tag vor Ostern 2020 ist Ernst August Rakers Ehefrau Meredith verstorben. Im Dezember 2019 war sie noch Uroma der kleinen Avery geworden.

Am Tag vor Ostern 2020 ist Ernst August Rakers Ehefrau Meredith verstorben. Im Dezember 2019 war sie noch Uroma der kleinen Avery geworden.

Foto: privat

Persönlich wurde ich mit Lymphoma diagnostiziert und musste dann durch Radiotherapie und Chemotherapie. Am Tag vor Ostern verlor ich dann meine Frau, Meredith, nach langer Krankheit. In 1962 traf ich Meredith, sie war 16, wir waren fast 55 Jahre verheiratet. In 1997 konnte ich Meredith noch nach Europa bringen und ihr auch meine alte Heimat zeigen. Es war schon schwer für Meredith, aber wir machten viel, besuchten Athen, London und Paris, aber auch die Zugspitze und Bremerhaven. In Bremerhaven kommandierten die Verwandten das Pfannkuchenschiff für eine Party für Meredith. Im Dezember 2019 wurden wir dann Urgroßeltern, was Meredith viel Freude bereitete.

Genug Kummer

So, jetzt aber genug von all dem Kummer. Von Melbourne aus, bei Weihnachten im Sommer, wünsche ich euch allen in Bremerhaven und der schönen Umgebung alles Gute für die Festzeit und für 2021!

Insbesondere an die Redaktion und die Mitarbeiter der NORDSEE-ZEITUNG für die Grußbrücke und zum 125. Geburtstag. Aber auch die vielen Verwandten und Bekannten, Helga, Ulla, Therese Kück, Bärbel und Hans Peter, Käte und Walter, Wolfgang von Hassel, die Elmloher, die Krebsen. Wenn ich jemanden vergessen habe, könnt ihr euch ja bei mir beschweren. „Viele Tage war der Vater krank, jetzt trinkt er wieder, Gott sei Dank.“ Prost!

Ernst August Raker
1 Greig Street, SUNSHINE 3020, Victoria, Australien
ernrake@yahoo.com.au

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