Siham Abdulfatah schneidet die Haarpracht ihrer Tochter Malak ab. Malak will die Haare spenden.

Siham Abdulfatah schneidet die Haarpracht ihrer Tochter Malak ab. Malak will die Haare spenden.

Foto: Gehrke

Siham Abdulfatah schneidet die Haarpracht ihrer Tochter Malak ab. Malak will die Haare spenden.

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Kinder aus der Region machen die Welt zu einem besseren Ort

Noch fließen die schwarzen Haare weit den Rücken der Zehnjährigen herunter. Doch das soll sich gleich ändern, die Mutter zückt schon die Schere. Malak möchte es so: Sie will ihre Haare spenden für Krebskranke. Auch die Zwillingen Luise und Oskar engagieren sich für ihre Mitmenschen: Sie sammeln Müll.

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Malak aus Beverstedt spendet Haare

Malak ist stolz auf ihre Haare. Seit fünf Jahren wachsen sie nun schon. Allerdings können sie auch ganz schön störend sein. „Im Sportunterricht oder beim Schwimmen“, sagt sie. Die Mutter stimmt nickend zu. Siham Abdulfatah berichtet, wie anstrengend es ist, jeden Morgen die Haare für die Schule herzurichten.

Doch dann sieht die in Syrien geborene Malak einen Bericht im Fernsehen, von Kindern, denen es überhaupt nicht gut geht, denen die Haare fehlen. Sie beschließt, dass sie helfen möchte. Die Mutter ist sofort begeistert von der Idee. Über ihre Eltern erreicht ihr Wunsch den Flüchtlingsbetreuer Ali Efetürk. Er recherchiert, welche Organisationen die Haare annehmen und sie weitergeben. Unter anderem empfiehlt er, die Deutsche Krebshilfe zu unterstützen, die wiederum mit Perückenmachern kooperiert, die aus den Haaren Echthaarperücken anfertigen für Menschen mit medizinisch bedingtem Haarverlust. „Die einzige Voraussetzung, um da mitzumachen, ist eine Mindestlänge von 25 Zentimetern“, sagt Efetürk.

Pures Olivenöl für die Haare

„Es soll für die Menschen sein, die keine Haare haben“, sagt Malak und wirkt wild entschlossen. Dabei hatte es ihr lange Zeit die Geschichte von Rapunzel angetan, die ihre Haare den Turm hinunterlässt. Ganz so lang sind ihre Haare nicht, doch als die Mutter das Maßband anlegt, liest sie ab, dass sie eine Länge von 68 Zentimeter ab Schnitthöhe erreichen. Schnell wird es deutlich, dass es ihr doch nicht leicht fällt, sich von der Haarpracht zu trennen, sie ringt mit sich. Die Mutter tröstet: „Warte mal zwei Jahre ab, dann kannst du sie wieder spenden.“ Siham Abdulfatah verrät noch das Geheimnis des besonderen Glanzes. „Zweimal in der Woche behandeln wir die Haare mit purem Olivenöl“, erklärt die Syrerin – zusätzlich zum normalen Shampoo.

Eis oder eine Süßigkeit gegen den Haarverlust

Dass die Haare nun bald ab sind, hat Malak ihren Mitschülerinnen und Mitschülern und Lehrern noch nicht verraten. Sie hat den längsten Zopf in der Schule. „Das wird am Montag eine Überraschung“, vermutet sie. Sie habe zwar angekündigt, die Haare spenden zu wollen, aber sie hatte keinen Termin genannt. Jetzt schneidet die Mutter die Haare ab und Efetürk schickt sie als Zopf mit zwei Gummibändern ab.

„Ich freue mich sehr, dass meine Tochter eine Spende für die macht, die die Haare mehr als sie brauchen“, sagt auch Vater Waaalla Asaad.

Und die Mutter fügt hinzu: „Hoffentlich wird ein anderes Kind damit glücklich.“ Die Eltern wollen ihrer Tochter mit einem kleinen Trostpflaster über die erste Zeit mit der Kurzhaarfrisur helfen: Es soll ein Eis oder eine Süßigkeit geben.

Luise und Oskar aus Schiffdorf sammeln Müll

Luise und Oskar entgeht nichts: Sie spüren alles auf, was nicht in die Natur gehört: Dosen, Glassplitter und Bonbonpapier. Die fünfjährigen Zwillinge aus Schiffdorf haben sich von ihrem Taschengeld zwei Müllgreifer gekauft und diese sind jetzt im Dauereinsatz. Sie engagieren sich in ihrer Freizeit, um Wegesränder, Wiesen und Spielplätze sauber zu halten.

11,50 Euro pro Stück haben sie dafür von ihrem Ersparten auf die Ladentheke gelegt. Wann immer die Eltern mit ihnen rausgehen, kommen auch der schwarze Eimer und die Müllgreifer mit. „Bei unserer ersten Tour haben wir locker drei bis vier Eimer vollgemacht“, berichten sie zusammen mit ihrem Vater Arne Otten. Das waren noch die Überreste von Halloween. „Die Kinder sind einfach mit großen Eifer dabei“, freut sich der Vater.

Oskar und Luise Otten aus Schiffdorf sind begeisterte Müllsammler.

Oskar und Luise Otten aus Schiffdorf sind begeisterte Müllsammler.

Foto: Gehrke

Mit dem Greifer auf Mülljagd

Die Idee fürs Müllsammeln haben Luise und Oskar aus ihrem Kindergarten. Sie fanden die Müllsammel-Aktion dort so spannend, dass sie gleich weitermachen wollten „Das macht richtig Spaß“, sagt Oskar lachend und schwingt den schwarzen Greifstab. „Das ist echt toll und schön“, pflichtet ihm Schwester Luise bei. Mutter Jessica Otten berichtet, dass die Kinder einmal eine kaputte Spardose auf einer Wiese gefunden haben, die aber so scharfe Kanten hatte, dass sie sie nicht mit den Händen aufnehmen wollten. So fiel die Entscheidung, die Müllgreifer zu kaufen.

Manchmal fordert ihre Aufgabe ganz besonderen Einsatz. Zum Beispiel, wenn sie eine Verpackung in einem Vorgarten erspähen und diese greifen wollen, ohne auf das Beet zu treten. Dann macht Oskar seinen Arm ganz lang, um die „Beute“ noch zu erreichen. Dann ein kurzer Griff und schon raschelt es wieder im Mülleimer. Wenn alles sauber ist, sind auch die zwei zufrieden. Sie setzen sich für ihre Umwelt ein und würden sich wünschen, dass auch die Unachtsamen mehr Acht geben.

Oskar und Luise haben sogar eine Idee entwickelt, falls jemandem mal aus Versehen ein Bonbonpapier in die Büsche fällt. „Wenn sie vorher ihren Namen raufschreiben, bringen wir das gerne zu ihnen nach Hause“, erklärt Oskar den „Müllservice“. Außerdem wollen sie ihren Wirkungskreis noch vergrößern. Auch bei einem Ausflug, zum Beispiel in den Bürgerpark, wollen die fleißigen Zwillinge künftig nach Müll suchen.

Jarno Rieke aus Spaden produziert einen Film

Jarno Rieke aus Spaden hat das Ziel, dass Weihnachten trotz Corona schön wird. Zusammen mit seinem Vater Björn Rieke und dem Spadener Pastor Klaus Kochsiek plant der Zwölfjährige ein spannendes Projekt: Der Weihnachtsgottesdienst soll zu den Gemeindemitgliedern nach Hause kommen, wenn sie vielleicht die Kirche nicht aufsuchen dürfen oder möchten (je nach Stand der Verordnung Heiligabend).

Jarno Rieke weiß, wie man Video gekonnt schneidet. Daher will er dabei helfen, dass ein fünfzehnminütiger Film des Weihnachtsgottesdienstes entsteht, den sich die Familien zusammen am Heiligabend anschauen können. Die „Dreharbeiten“ dafür sollen am 1. Dezember sein, wenn extra ein vorgezogener Gottesdienst stattfindet. „Wir möchten gerne, dass alle an Weihnachten teilhaben können“, unterstreicht Vater Björn Rieke, der sich in der Kommunalpolitik im Ort und in der Gemeinde Schiffdorf engagiert und selbst Katholik ist, aber auch gerne mit Herrn Kochsiek und der evangelischen Kirchengemeinde zusammenarbeitet.

Jarno Rieke schneidet das Video für den Weihnachtsgottesdienst.

Jarno Rieke schneidet das Video für den Weihnachtsgottesdienst.

Foto: Björn Rieke/Privat

Gottesdienst mit dem Vater filmen

Der filmisch umgesetzte Weihnachtsgottesdienst soll trotz der kürzeren Zeit viele Elemente wie Glockengeläut, Gitarrenspiel, Puppenspiel und natürlich die Andacht enthalten. Die Tochter des Pastors übernimmt das Puppenspiel. „Wir möchten, dass der Gottesdienst alle Generationen anspricht und nicht einseitig ist“, sagt Vater Björn. „Er soll Freude bringen“, ergänzt Sohn Jarno.

„Ich habe wirklich Lust darauf, den Film zu schneiden“, sagt Jarno, der in der siebten Klasse des Internatsgymnasiums NIG in Beers ist. Der Zwölfjährige ist unter anderem mit eigenen Projekten auf YouTube unterwegs. Den Gottesdienst will er zusammen mit seinem Vater filmen, so dass sie alles aus zwei Blickwinkeln festhalten und hinterher einen spannenden Film präsentieren können. „Kurz und feierlich“, gibt der Vater die Richtung vor. Außerdem weiß Jarno, wie man schöne Übergänge gestaltet. Vielleicht sollen auch einige Szenen nachvertont werden.

Der Weihnachtsgottesdienst wird auf dem Internetportal YouTube abrufbar sein. „Wir hoffen, dass die jüngeren Familienmitglieder den Film für die älteren starten“, sagt Rieke. Geplant ist zum Beispiel, den Film in der Tagespflege in Spaden per Beamer zu zeigen. Möglich soll auch sein, nur zuzuhören, falls zum Beispiel nur ein kleiner Smartphone-Bildschirm zur Verfügung steht.

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