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Liebe, Toleranz und Kompromisse haben Renate und Jörg Simon zusammengeschweißt. Seit mehr als 60 Jahren sind sie ein Paar.

Liebe, Toleranz und Kompromisse haben Renate und Jörg Simon zusammengeschweißt. Seit mehr als 60 Jahren sind sie ein Paar.

Foto: Lothar Scheschonka

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Liebe zwischen Selbstverwirklichung und Familienglück

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Der Valentinstag ist für die einen der romantischste Tag des Jahres und für andere reiner Kommerz. Alle sind sich aber einig, dass eine gute, lange Beziehung weit mehr braucht, als Blumen und Pralinen. Was also tun Paare dafür, dass das Bauchkribbeln bleibt? Und haben sich Beziehungen im Laufe der Generationen verändert? Ein junges und ein älteres Paar aus Bremerhaven haben ihre ganz unterschiedlichen Wege gefunden, die Liebe im Alltag zu leben.

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Eine kurze Berührung, ein Blick und die Hunde-Leine wechselt von seiner Hand in ihre. Er nimmt den Schlüssel – sie geht durch die Haustür nach draußen. Marie Kück und Jasper Krüger sind ein eingespieltes Team, wenn sie mit ihrer Hündin „Karla“ spazieren gehen. Das junge Paar ist schon seit fünf Jahren zusammen und lebt in einer gemeinsamen Wohnung in Lehe.

Sie genießen diese kleinen Rituale, denn schon bald wird sich einiges ändern: Marie Kück zieht für ihr Marketing-Studium nach Hannover, Jasper Krüger wird für sein Praxisjahr als Förster irgendwo im ländlichen Niedersachsen leben. „Da wartet jetzt eine große Herausforderung auf uns“, vermutet die 24-Jährige etwas wehmütig. Eine Fernbeziehung wollten sie eigentlich nie haben, aber nun gibt es keine Alternative.

„Sie soll sich auf jeden Fall ihre Träume erfüllen. Ich möchte nicht, dass sie irgendwann zurückblickt und sagt: Wegen dir habe ich das nicht gemacht“, erklärt der 26-Jährige. Für das Paar ist klar: In einer guten Beziehung muss man auch die persönlichen Wünsche des Partners unterstützen – selbst wenn das die wertvolle gemeinsame Zeit beschneidet.

Marie Kück und Jasper Krüger sind ein „Wir“, doch beide respektieren Freiräume in ihrer Beziehung.

Marie Kück und Jasper Krüger sind ein „Wir“, doch beide respektieren Freiräume in ihrer Beziehung.

Foto: Arnd Hartmann

Keinen Tag getrennt

Entscheidungen wie diese haben Renate und Jörg Simon nie getroffen. Seit gut 60 Jahren sind sie verheiratet und kaum einen Tag voneinander getrennt gewesen. Ob Kindererziehung, Wohnungseinrichtung, Hobbys oder Reisen – bis heute machen sie alles gemeinsam. „Niemand hätte uns auseinanderbringen können“, sagt Renate Simon und wirft ihrem Mann einen liebevollen warmen Blick zu. „Als wir uns kennenlernten, hatten wir nichts – wir waren nur verliebt“, erinnert er sich.

„Aber tüchtig“, fügt sie lachend hinzu. Jörg Simon war damals 19 Jahre alt und studierte in Hannover Rechtspflege. Geld hatte er keines und auch seine spätere Frau verdiente in den Nachkriegsjahren als Angestellte im Fernmeldeamt nur wenig. Das hielt sie aber nicht davon ab, sich Hals über Kopf ineinander zu verlieben, als seine Schwester die beiden bekannt machte.

Diese Erfahrungen haben uns zusammen geschweißt.
Renate Simon

„Ich hab da eine, die könnte dir gefallen“, hat seine Schwester ihm damals versprochen. Blond, schlank und mit blauen Augen – diese Beschreibung traf genau seinen Geschmack und so gesellte sich der junge Mann ganz unauffällig dazu, als sich die Freundinnen vom Fernmeldeamt in der „Waldschenke“ trafen. Doch von der Dame, die er dann zum Tanzen aufforderte, war er gar nicht so begeistert. Viel mehr hatte es ihm eine andere angetan. „Von der war ich gleich weg wie Schmitzens’ Katze. Sie sah toll aus und hatte eine sehr herzliche Art“, schwärmt er. Als Jörg Simon seiner Schwester begeistert von der anderen Frau erzählte, schüttelte die nur lachend den Kopf und rief: „Mensch du Trottel, das ist doch die Renate!“

Alles ging ganz fix

Danach ging alles ganz schnell. Nach nur sechs Wochen verlobte sich das Paar – allerdings heimlich. „Obwohl wir noch kein Geld zum Heiraten hatten, wollte ich die Verlobung, damit mir keiner diese tolle Frau wegschnappt“, erzählt er. Renate Simon erhebt sich mit leisem Lächeln von der Couch. „Bitte schön, Herr Simon“, sagt sie und schenkt Kaffee ein. „Ach, und da sind ja auch meine Lieblingskekse“, freut er sich und greift zu.

Auch Marie war sich sofort sicher, dass Jasper der Richtige für sie ist. Schon mit 10 Jahren schwärmte sie für den zwei Jahre älteren Mitschüler ihrer Schwester. „Er hat den Schalk im Blick und das hatte immer eine besondere Wirkung auf mich. Außerdem war er damals einfach cool und ein bisschen unerreichbar,“ – sie hält inne, wirft ihm einen schelmischen Blick zu – „natürlich bist du immer noch cool.“ Ihr Freund verdreht grinsend die Augen.

Am 10. Oktober 1959 heirateten Renate und Jörg Simon in der Großen Kirche in Bremerhaven.

Am 10. Oktober 1959 heirateten Renate und Jörg Simon in der Großen Kirche in Bremerhaven.

Foto: Lothar Scheschonka

Dass sie heute an ihrem gemeinsamen Küchentisch sitzen und sich liebevoll necken, war nicht vom ersten Tag ihrer Bekanntschaft absehbar. „Für mich war er immer der Mann, aber er hat etwas länger gebraucht“, bringt sie es auf den Punkt. Als sie 17 Jahre alt war, begannen sie sich häufiger unverbindlich zu treffen. Es war zwar mehr als Freundschaft, aber weniger als eine Beziehung. „Erst war es für mich okay, dass wir es locker gehalten haben, aber irgendwann wurden die Gefühle mehr“, erinnert sich die junge Frau an die ersten zwei Jahre.

Diese aufwühlende Phase gipfelte kurz vor Weihnachten 2014 in einer Aussprache. „Wir hatten manchmal sehr dramatische Momente und an diesem Abend war es tatsächlich wie eine Filmszene“, erzählt Marie Kück. Im strömenden Regen habe er ihr gesagt, dass seine Gefühle für eine Beziehung nicht ausreichen würden. Zum Glück hielt diese Gewissheit nicht lange, denn schon am ersten Weihnachtstag gestand er sich langsam seine wahren Gefühle ein. Ab da an sei alles völlig anders gewesen und als er an ihrem Geburtstag im Januar mit zwei Rosen vor seiner offiziellen Freundin stand, war ihr Glück perfekt.

Ein gutes Team

Inzwischen wissen beide ganz genau, was sie aneinander haben, ergänzen sich gegenseitig. „Marie ist ehrlich, emotional und sie bewegt mich“ sagt Jasper Krüger. „Ja, er wägt oft genau ab, während ich einfach auch mal mit der Hau-Ruck-Metode loslege. Wir können beide voneinander lernen“, fügt sie hinzu. Außerdem vereine sie der Humor und die gemeinsamen Zukunftspläne. Denn neben den beruflichen Wünschen, haben sie auch einen gemeinsamen Traum vom idyllischen Familienleben auf dem Land.

Wir waren füreinander der Sechser im Lotto.
Jörg Simon

Ob es tatsächlich Marie Kücks genaue Fantasie von drei Kindern, Pferd, Hund und einem alten Bauernhaus wird, wissen sie zwar noch nicht, aber Familie und Natur sind ihnen in jedem Fall wichtig. Doch um diesen gemeinsamen Traum zu erfüllen, müssen sie immer wieder die Balance zwischen beruflichen und privaten Zielen austangieren. Beim letzten Mal, als das junge Paar getrennt voneinander lebte, ist Marie Kück ihrem Freund nach Göttingen hinterher gezogen. Dieses mal ist das nicht möglich, wenn sie ihr Ziel, Öffentlichkeitsarbeit für Filme oder Festivals zu machen, nicht aus den Augen verlieren will. Und auch Jasper Krüger kann sein Praxisjahr als Förster nicht in der Großstadt absolvieren.

Marie Kück und Jasper Krüger kannten sich schon lange, bevor sie ein Paar wurden. Seit fünf Jahren sind sie nun zusammen.

Marie Kück und Jasper Krüger kannten sich schon lange, bevor sie ein Paar wurden. Seit fünf Jahren sind sie nun zusammen.

Foto: Arnd Hartmann

Alles gemeinsam gemeistert

Was die beiden noch vor sich haben, hat das Ehepaar Simon schon großteils hinter sich. Gemeinsam haben sie erst ihre Versetzung zu ihm nach Hannover und dann den gemeinsamen Umzug zurück nach Bremerhaven gemeistert, ebenso wie alle Diskussionen über die Erziehung ihrer beiden Kinder, Geldausgaben oder die Tapetenauswahl im neuen Haus. Liebe, Toleranz und Kompromissbereitschaft seien dabei ihr Weg gewesen. Respektvolle Höflichkeiten und liebevolle Nachsicht scheinen ihnen in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. Wenn Frau Simon spricht, und Herr Simon einhaken möchte, fragt er mit weicher Stimme: „Darf ich kurz?“ Und sie, die ihren gesprächigen Mann genau kennt, lässt ihn gewähren. „Meine Frau denkt immer als Erstes an die anderen und dann an sich selbst“, sagt er bewundernd.

Dass sie anfangs „nichts hatten“ und sich alles Schritt für Schritt erarbeiten mussten, habe sie demütig und dankbar gemacht. Viele Wahlmöglichkeiten gab es nicht, und so haben sie einfach versucht, gemeinsam Geld für die Kinder und ein schönes Heim zu verdienen. Erst Jahre später konnten sie auch mal an Hobbys wie Segelfliegen oder an Kreuzfahrten denken. „Diese Erfahrungen haben uns zusammen geschweißt“, ist die 79-Jährige überzeugt.

Und wie ihnen, sei es vielen Paaren ihrer Generation ergangen. „Natürlich gibt es immer Ausnahmen, aber heute sind die Beziehungen etwas unverbindlicher geworden“, beobachtet der 82-Jährige. „Wir waren immer der festen Überzeugung, dass wir zusammen bleiben werden, aber wenn man sich nicht gezielt füreinander entscheidet, geht man vielleicht auch schneller auseinander, wenn es schwierig wird“, überlegt seine Frau.

Zwischen „wir“ und „ich“

Marie und Jasper zählen sich zu eben diesen Ausnahmen, auch wenn sie andere Prioritäten setzen als zum Beispiel das Ehepaar Simon. „Es sollte nicht nur ein wir, sondern auch ein Du und ein Ich geben“, erklärt er. „Wir haben aber auch einfach die Freiheit, unsere eigenen Wünsche umzusetzen. Früher war das Leben viel mehr vorgegeben, da gab es klarere Rollenbilder und manche sind auch zusammen geblieben, weil eine Scheidung nicht üblich oder finanziell nicht möglich war“, fügt sie hinzu.

„Wir waren füreinander der Sechser im Lotto“, sagt Jörg Simon, „aber andere, die nicht so glücklich waren, sind auch zusammen geblieben. Natürlich ist es besser, die Freiheit zu haben, das nicht tun zu müssen.“ Bei der Frage, was es heute wie früher für eine glückliche Beziehung braucht, sind sich die Paare aber völlig einig: Vertrauen, Verständnis und vor allem Kommunikation. Nicht nur am Valentinstag, sondern das ganze Jahr über.

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