Katrin Schlüter aus Bremerhaven nimmt ehrenamtlich Gipsabdrücke von Sternenkindern – verstorbenen Früh- oder schon tot Geborenen.

Katrin Schlüter aus Bremerhaven nimmt ehrenamtlich Gipsabdrücke von Sternenkindern – verstorbenen Früh- oder schon tot Geborenen.

Foto: Arnd Hartmann

Katrin Schlüter aus Bremerhaven nimmt ehrenamtlich Gipsabdrücke von Sternenkindern – verstorbenen Früh- oder schon tot Geborenen.

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Mit Herzblut und Gips zu den toten „Sternenkindern“

Das Krümelchen zwischen den winzigen, gekrümmten Zehen muss noch raus. Behutsam zupft sie mit der Pinzette ein weißes Körnchen ab – das aussieht wie aus Gips. Und zwischen weißen Babyzehen noch etwas verrät von ihrem Auftrag, eine Spur zu hinterlassen. Etwas, das zeigt: Sie waren hier, die Menschlein, die von dieser Welt gerissen wurden in eine andere, die für ihre Eltern unerreichbar ist. „Mit meiner Arbeit kann ich den gestorbenen Kindern etwas geben, das bleibt, und den Eltern etwas, das sie berühren können“, sagt Katrin Schlüter. In ihrer Hand: die fragile Faust eines „Sternenkindes“ – ein Abguss aus Kunststein. Jede Pore, jedes runzlige Hautfältchen, die Miniaturnägel – alles ist eingeprägt. Spürbar.

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„Manchmal rufen mich Mütter noch nach Monaten an und sagen, Katrin, ich streichle das Händchen und Füßchen jeden Abend. Das tut so gut.“ Die Tränen steigen der 37-Jährigen in die blaugrauen Augen, wie immer wieder im Erzählen. Im Erinnern an die unmittelbare Berührung mit dem Tod, der ein neues Leben hätte sein sollen. Von der Begegnung mit Müttern, die erst vor Stunden ein Kind auf die Welt gebracht haben, das nur wenige Augenblicke auf Erden bleiben durfte. Von Gesprächen mit Müttern, die nach acht, neun Monaten Vorfreude und Vorbereitung von einem Kind entbunden wurden, das im Bauch der Mama plötzlich nicht mehr atmete. „Stille Geburt“, nennen das die Mütter. „Sternenkinder“ heißen die Menschenwesen, die viel zu früh oder sterbenskrank oder leblos geboren werden und denen nicht zu helfen ist. Katrin Schlüter erzählt bewegt davon, wie sie nach einem Anruf ihren kleinen Arbeitskoffer packt und zur Klinik fährt – nach Reinkenheide oder Achim oder Bremen, Osterholz, Hamburg – oder auch zu Eltern, die ihr totes Kind noch eine kleine Weile zu Hause behalten, ehe sie es dem Bestatter überlassen müssen.

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