Für Moses Pölking wäre der Aufstieg in die Basketball-Bundesliga (BBL) die Fortsetzung einer ungewöhnlichen Karriere.

Für Moses Pölking wäre der Aufstieg in die Basketball-Bundesliga (BBL) die Fortsetzung einer ungewöhnlichen Karriere.

Foto: imago images/Zink

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Pölking erledigt seine Hausaufgaben in der Sommerpause

Mit einer Portion Gelassenheit kann Moses Pölking die Entscheidung abwarten, ob die Eisbären Bremerhaven in der kommenden Saison erst- oder zweitklassig spielen werden. Der 2,06 Meter große Center ist der einzige Profi des Zweitliga-Vizemeisters, der einen Vertrag für beide Ligen in der Tasche hat. Dennoch strebt der 22-Jährige nach dem höheren Ziel: „Ich hoffe, dass wir aufsteigen können. Dann kann ich in meiner Heimatstadt spielen.“

Kreis-Icon-Nordstern

Pölking hat seine basketballerische Ausbildung bei Alba Berlin genossen, mit der U19-Mannschaft gewann er 2014 den deutschen Meistertitel. Der gebürtige Berliner zählt zahlreiche Alba-Talente wie Tim Schneider und Jonas Mattisseck zu seinem Freundeskreis. Auch gestandene Profis wie Luke Sikma und Peyton Siva kennt der „Big Man“ noch aus seiner Zeit, als er zum Trainingskader des legendären Coaches Aito Reneses gehörte. Kein Wunder also, dass Pölking auf Duelle gegen seinen Ex-Club Alba brennt: „Das wäre ein echtes Highlight für mich.“

Für Pölking wäre der Aufstieg in die Basketball-Bundesliga (BBL) die Fortsetzung einer ungewöhnlichen Karriere. Der Eisbären-Center hatte seine Profi-Träume eigentlich schon zu den Akten gelegt und wollte sich ganz auf sein Studium im Fach International Business Administration konzentrieren. Doch nach einjähriger Pause feierte der Deutsch-Kameruner ein starkes Comeback beim Viertligisten Eintracht Stahnsdorf, das durch den Aufstieg in die ProB gekrönt wurde.

Dankbar für die Chance bei den Eisbären

Dadurch wurde Eisbären-Trainer Michael Mai auf Pölking aufmerksam und lotste ihn im vergangenen Jahr nach Bremerhaven. „Ich bin dankbar für die Chance, die die Eisbären mir gegeben haben. Das ist in meinem Alter nicht selbstverständlich. Ich bin ja nicht mehr ganz ein Youngster“, sagt der 22-Jährige lachend.

Reingestopft: Beim Dunking lässt Moses Pölking nichts anbrennen.

Reingestopft: Beim Dunking lässt Moses Pölking nichts anbrennen.

Foto: Scheer

Egal, ob die Eisbären den Sprung in die BBL schaffen oder in der ProA weiterspielen müssen - Pölking weiß, dass ein arbeitsreicher Sommer vor ihm liegt. Seine Premierensaison in der ProA ließ noch viel Luft nach oben: Der Mann mit der Trikotnummer 21 stand im Schnitt 8:18 Minuten auf dem Parkett, in denen er für 1,8 Punkte und 1,9 Rebounds gut war. Werte, die der Konkurrenz sicher keine Angst eingeflößt haben.

Hausaufgaben für die Sommerpause

Daher hat Mai seinem Schützling einige Hausaufgaben für die Sommerpause aufgegeben. „Michael hat mir gesagt, dass ich offensiv vielseitiger werden und meinen Wurf verbessern muss. Außerdem soll ich mehr Vertrauen im Post entwickeln“, erzählt Pölking von seinen Saisonabschlussgesprächen mit dem Eisbären-Coach.

Auch ein bisschen mehr Muskelmasse könnte dem Brettspieler nicht schaden - von kräftigeren Gegenspielern wie dem Quakenbrücker Robert Oehle wurde er ziemlich durch die Zone geschoben: „Ich muss an meiner Physis arbeiten, ohne dabei meine Athletik zu verlieren.“ Pölking kennt seine Defizte und will sie abstellen, lässt sich davon aber auch nicht verrückt machen: „Wäre ich das komplette Paket, würde ich in der NBA spielen.“

Ein gutes erstes Jahr

Insgesamt bewertet Pölking sein erstes Jahr in Bremerhaven als „gute Erfahrung“, wozu auch der sportliche Erfolg und die gute Teamchemie beigetragen haben: „Wir waren auch abseits des Feldes eng miteinander, sind zusammen essen gegangen und haben Spieleabende veranstaltet.“ Der Kontakt zu den Mitspielern sei auch nach dem Saisonabbruch in Folge der Coronavirus-Pandemie nicht abgerissen - mit Anthony Canty hat sich Pölking kürzlich noch in Berlin getroffen.

Auch der Draht zu Sid-Marlon Theis ist sehr eng: „Wir sind gute Freunde geworden.“ Power Forward Theis ist neben Pölking der einzige Eisbären-Profi, der ebenfalls noch einen Vertrag für die kommende Saison hat - allerdings ist der gebürtige Hamburger nur im Aufstiegsfall an die Bremerhavener gebunden.

Training mit dem Ball wieder aufgenommen

Nachdem Pölking wegen der Kontaktbeschränkungen wochenlang nur im Kraft- und Ausdauerbereich arbeiten konnte, trainiert er seit kurzem auch wieder mit Ball: „Ich konnte eine Hallenzeit arrangieren und arbeite mit einem Individualtrainer.“

Das war vorher nicht möglich gewesen - Pölking ist in Berlin sogar einmal von der Polizei von einem Freiplatz geworfen worden, obwohl er dort allein seine Bälle geworfen hatte. Trotz dieser Unannehmlichkeiten steht der Center hinter den Einschränkungen wegen Corona, die er immer wieder auch mit der Mutter seiner Freundin, einer Ärztin, diskutiert: „Aus Liebe zu meinen Mitmenschen bin ich weiterhin vorsichtig.“