Trainerduo Martin Jiranek (links) und Thomas Popiesch signieren die Playoff-Hefte, die zu etwas Besonderem werden könnten.

Trainerduo Martin Jiranek (links) und Thomas Popiesch signieren die Playoff-Hefte, die zu etwas Besonderem werden könnten.

Foto: Arnd Hartmann

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Popiesch: „Es ist eigenartig, so auseinanderzugehen“

Thomas Popiesch hatte sich schon auf lange Arbeitstage eingestellt. Die eigenen Spieler sportlich und mental auf die Playoffs vorbereiten, den Gegner analysieren, Reisen, Training und Regeneration planen. Doch jetzt ist da nichts, die Playoffs in der Deutschen Eishockey-Liga sind wegen des Coronavirus‘ abgesagt, die Spieler sind weg und der Trainer der Fischtown Pinguins ist quasi beschäftigungslos. „Es ist eigenartig, so auseinanderzugehen“, sagt der 54-Jährige.

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Popiesch und sein Co-Trainer Martin Jiranek führten am Mittwoch Abschlussgespräche und verabschiedeten sich von den Spielern, statt sie für die kommenden Partien in den Playoffs „heiß“ zu machen.

„Ich habe Null damit gerechnet. Ich hätte gedacht, dass sie eine Lösung oder Übergangslösung finden. Aber dass sie wirklich komplett absagen, kam für mich sehr überraschend. Wir hatten die ganzen nächsten 14 Tage schon durchgeplant und auf einmal ist alles vorbei“, sagt Popiesch. Die Pinguins-Spieler haben ihre Sachen gepackt, die meisten sind schon in ihre Heimat abgereist.

Gesundheit geht vor

Die Gesundheit gehe natürlich vor, so der Pinguins-Trainer. Trotzdem hörte man bei ihm die Enttäuschung darüber raus, dass die Pinguins ihre beste DEL-Hauptrunde nun nicht in den Playoffs veredeln können. „Natürlich trauert man so einer Chance nach“, sagt er. „Aber man kann es nicht ändern, sondern muss jetzt schon wieder nach vorne schauen. Man muss positiv bleiben.“

Pinguins-Trainer Thomas Popiesch jubelte nach dem letzen Heimspiel der Saison zusammen mit Spielern und Fans.

Pinguins-Trainer Thomas Popiesch jubelte nach dem letzen Heimspiel der Saison zusammen mit Spielern und Fans.

Foto: Adebahr

Das habe er auch seinen Spielern zu vermitteln versucht. „Wir haben die Saison Revue passieren lassen und die ist nicht so ausgegangen wie wir wollten. Aber jetzt sagt der eine oder andere schon: ‚Nächste Saison starten wir wieder durch, jetzt erst recht.‘“. Das Trainerduo habe den Spielern mitgegeben, dass jetzt schon wieder die Vorbereitung auf die nächste Saison beginnt – auch mental.

Abschlussgespräche kein Problem

Dass die Abschlussgespräche nun so plötzlich geführt werden mussten und er keine Zeit hatte, sich vorzubereiten, sei kein Problem gewesen. „Ich muss mich auf ein Gespräch nicht immer wirklich vorbereiten. Man will den Spielern eine kurze Einschätzung geben, wie die Saison gelaufen ist. Diese Einschätzung ist aber ja schon länger im Kopf. Von einem auf den anderen Tag ändert sich da nichts“, berichtet Popiesch. Das Trainerduo habe sich bei den Spielern bedankt und ihnen Tipps gegeben, was sie vielleicht besser machen können.

Auch für Popiesch bricht jetzt eine extrem lange Sommerpause an. „Ich habe noch keine Ahnung, wie die nächsten Tage jetzt aussehen werden“, sagt er. Denn auch das Scouting, sonst eine seiner Hauptbeschäftigungen nach Saisonende, falle ja weg, weil europaweit fast alle Ligen wegen des Coronavirus ruhen und Reisen quer durch den Kontinent zur Spielerbeobachtung derzeit sowieso nicht sinnvoll wären. Aber ein naheliegendes Reiseziel bleibt für Popiesch: „Vielleicht fahre ich zwischendurch ein paar Tage nach Krefeld“, sagt er. Ehefrau Andrea und Tochter Anna, die dort wohnen, dürfte es freuen.