Ein Mann im Trainingsanzug.

Remzo Memic soll beim TSV Wulsdorf eine A-Jugend aufbauen.

Foto: Heinisch/FuPa

Remzo Memic soll beim TSV Wulsdorf eine A-Jugend aufbauen.

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Remzo Memic wird zum Impulsgeber für die Jugendarbeit des TSV Wulsdorf

Der Fußball war der Grund, warum Remzo Memic vor 35 Jahren nach Bremerhaven gekommen ist. Als ehemaliger Zweitligaspieler in seiner jugoslawischen Heimat heuerte der Bosnier beim OSC Bremerhaven an, der damals noch in der Oberliga Nord, der dritthöchsten Liga, kickte. Im Seestadt-Fußball werden mittlerweile kleinere Brötchen gebacken, doch Memic mischt immer noch höchst aktiv mit. Der 57-Jährige hat gerade als hauptamtlicher Trainer bei der Turn- und Sportvereinigung (TSV) Wulsdorf angefangen.

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„Mir macht es Spaß, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten und mein Wissen weiterzugeben“, freut sich der A-Lizenzinhaber, der als Chef- und Assistenztrainer auf Stationen bei Clubs wie dem FC Oberneuland, dem FC Bremerhaven und Eintracht Cuxhaven zurückblicken kann.

Mann spielt Fußball

Seit 35 Jahren ist Bremerhaven für Remzo Memic Heimat. Der Bosnier kam Mitte der 80er Jahre wegen des Fußballs in die Seestadt.

Foto: Lothar Scheschonka

In Wulsdorf soll sich Memic hauptsächlich darum kümmern, eine A-Jugend aufzubauen – die fehlt den „Löwen“ nämlich, die ansonsten alle Altersklassen besetzt haben. Und das hat unangenehme Folgen für die TSV, denn Spieler, für die es nach der B-Jugend keine Mannschaft mehr gibt, werden sich notgedrungen anderen Vereinen zuwenden oder mit dem Fußballspielen sogar ganz aufhören.

Sozialen Bereich stärken

Das zu verhindern, wird Memics Aufgabe sein. Der 57-Jährige finde es gut, dass die Jugendarbeit in Wulsdorf einen ebenso hohen Stellenwert genießt wie die ersten Herren, die unter Trainerin Nicole Klockmann gerade den Aufstieg in die Bezirksliga Bremen geschafft hat. „Kinder auszubilden, kostet nicht so viel Geld. Aber es lohnt sich für die Vereine“, ist Memic überzeugt.

Dabei gehe es bei einem Verein wie der TSV gar nicht darum, irgendwelchen Profi-Träumen nachzujagen: „Der soziale Bereich ist mindestens so wichtig wie der fußballerische.“ Daher wird Memic – sobald es die Corona-Pandemie wieder zulässt – auch verstärkt Kontakt zu den drei Schulen und vier Tagesstätten im Stadtteil suchen, um Kooperationen einzugehen.

Ein weiterer Schwerpunkt von Memics Tätigkeit wird sein, den Wulsdorfer Trainerstab zu unterstützen. „Remzo soll zum Beispiel Förder- und Torwarttraining anbieten und auch mal einspringen, wenn ein Trainer ausfällt. Er ist Trainer durch und durch. Das kann er bei uns richtig ausleben“, berichtet Lutz Stürcken.

Remzo wird gut von den Trainern angenommen. Er macht das auf vernünftige Art, nicht als Besserwisser, sondern unterstützend.
Lutz Stürcken, Vorsitzender der Wulsdorfer Fußball-Abteilung

Der Vorsitzende der Wulsdorfer Fußball-Abteilung ist sehr zufrieden mit dem neuen Mitarbeiter, der seit dem 1. Mai für die TSV tätig ist: „Das läuft gut an, Remzo wird gut von den Trainern angenommen. Er macht das auf vernünftige Art, nicht als Besserwisser, sondern unterstützend.“ An Engagement für die neue Aufgabe lässt es Memic jedenfalls nicht fehlen: „Ich bin schon bei allen Mannschaften gewesen und habe mir das Training angesehen.“

Projekt läuft zwei Jahre

Doch wie können es sich die Wulsdorfer leisten, einen hauptamtlichen Trainer im Amateurfußball zu beschäftigen? „Damit sind wir die ersten in Bremerhaven“, betont Stürcken. Gemeinsam mit dem Vereinsvorstand hat der Abteilungsleiter nach Förderprogrammen gesucht, von denen der zuvor arbeitslose Memic profitieren konnte. „Das war im Prinzip Remzos Idee. Er hat gesagt, dass er zu uns kommt, wenn er bei uns arbeiten kann“, erklärt Stürcken.

Nach zahlreichen Gesprächen mit der Agentur für Arbeit, die 80 Prozent der Stelle finanziert, und dem Beschäftigungsträger Faden, der 20 Prozent übernimmt, habe man ein auf zwei Jahre angelegtes Projekt auf die Beine gestellt. „Das hört sich einfacher an, als es gewesen ist. Das war mit vielen Laufereien und mit vielen Formularen verbunden.

Immerhin sind wir jetzt als Verein in der Arbeitgeberrolle. Aber ohne die Förderung hätten wir das nicht hinbekommen“, erzählt Stürcken.

Die höhere Trainingsqualität soll neben dem neuen Kunstrasenplatz, auf dem seit Dezember vergangenen Jahres gekickt wird, ein Pfund sein, mit dem die Wulsdorfer für sich werben können. Wobei Memic noch viele weitere Ideen hat, die er umsetzen möchte – bei der TSV stoße er damit auf offene Ohren.

„Der Vorstand hört mir zu und sagt: Gute Idee, nicht so gute Idee. Es kommt aber nicht: Das haben wir schon immer so gemacht. Das habe ich bei anderen Vereinen auch schon anders erlebt“, sagt der Bosnier. Denn eins weiß er aus Erfahrung: „Fußball in Bremerhaven ist weit weg von dem, wie es sein könnte.“

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