Auf seinen gewohnten Alltag als Fußball-Profi muss Clemens Schoppenhauer zurzeit verzichten. Beim Chemnitzer FC, für den der Loxstedter seit Sommer spielt, ist wegen der Corona-Krise Kurzarbeit angesagt.

Auf seinen gewohnten Alltag als Fußball-Profi muss Clemens Schoppenhauer zurzeit verzichten. Beim Chemnitzer FC, für den der Loxstedter seit Sommer spielt, ist wegen der Corona-Krise Kurzarbeit angesagt.

Foto: imago images / Christian Schroedter

Auf seinen gewohnten Alltag als Fußball-Profi muss Clemens Schoppenhauer zurzeit verzichten. Beim Chemnitzer FC, für den der Loxstedter seit Sommer spielt, ist wegen der Corona-Krise Kurzarbeit angesagt.

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Schoppenhauer muss sich zu Hause fit halten

Der aus Loxstedt stammende Clemens Schoppenhauer erlebt den durch Corona ausgelösten Stillstand beim Fußball-Drittligisten Chemnitzer FC.

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Der Stillstand des Trainings- und Spielbetriebs hat Clemens Schoppenhauer wie alle Profi-Fußballer kalt erwischt. „Es ist krass, was das für Auswirkungen hat. Das Leben ist auf den Kopf gestellt“, sagt der gebürtige Loxstedter über die Corona-Pandemie. Der Drittligaspieler des Chemnitzer FC versucht, das Beste aus der Situation zu machen, indem er sich so gut es geht fit hält und viel Zeit mit seiner Frau Michelle und dem zweijährigen Töchterchen Lenya verbringt: „Die Familie steht jetzt im Mittelpunkt.“

Weil die Saison in der 3. Liga mindestens bis zum 30. April ruht, muss Schoppenhauer zurzeit auf den normalen Alltag eines Profi-Kickers verzichten. Das letzte Mannschaftstraining hat beim Tabellen-13. vor gut einem Monat stattgefunden. Seitdem müssen die Spieler eigenverantwortlich dafür sorgen, dass sie in der erzwungenen Pause keinen Speck ansetzen. „Wir halten uns individuell mit Läufen fit. Stabilisationsübungen gehören ebenfalls zum Programm. Jeder hat auch einen Ball mit nach Hause genommen, um nicht ganz das Gefühl dafür zu verlieren“, erzählt der 28-jährige Innenverteidiger, der seine fußballerische Ausbildung bei Werder Bremen erhalten hat.

Mannschaftstraining nicht zu ersetzen

Über Fitnessuhren gibt der Athletiktrainer der Chemnitzer den Spielern Rückmeldung, wo sie fitnessmäßig stehen. Schoppenhauer ist in dieser Hinsicht kein „Bruder Leichtfuß“ und zieht nicht nur an das vorgegebene Programm durch, sondern macht auch eigene Übungen. „Ich versuche, viel mit dem eigenen Körpergewicht zu arbeiten und lege immer wieder mal Ausfallschritte und Kniebeugen ein“, betont der ehemalige Profi der Würzburger Kickers, der mit den Franken von der Regionalliga bis in die 2. Liga durchmarschiert ist.

Laufen und mit dem Ball im Garten zu jonglieren kann aus Sicht des Loxstedters aber auf Dauer nicht das Mannschaftstraining ersetzen: „Die vielen kleinen Bewegungen im Fußball kann man damit nicht ersetzen.“ Die gemeinsamen Übungseinheiten mit dem Team fehlen Schoppenhauer aber auch aus dem einfachen Grund, weil Fußball nun mal ein Mannschaftssport ist: „Das ganze Drumherum in der Kabine, das Rumflachsen mit den Kollegen. Ich vermisse das.“ Mit Sorge sieht Schoppenhauer auch, wie stark die Corona-Krise den Clubs finanziell zusetzt. Der Familienvater muss zurzeit mit 67 Prozent seines Gehalts auskommen: „Es ist zwar gesagt worden, dass die Kurzarbeit sofort beendet ist, sobald wir wieder auf dem Platz stehen, aber das ist ja noch ungewiss.“ In Chemnitz hofft man, den Trainingsbetrieb am 21. April wieder aufnehmen zu können. Dass die Rückkehr in den Alltag von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt wird, sieht der Abwehr-Hüne unter dem Stichwort „Wettbewerbsverzerrung“ kritisch: „Es ist schwer zu verstehen, wenn es für den einen heißt: Ihr müsst zu Hause bleiben. Und dann fängt ein Bundesligist an, in Kleingruppen zu trainieren.“

Planungen in den Hintergrund gerückt

Eine Absage der Saison mag sich Schoppenhauer gar nicht vorstellen, auch wenn die Chemnitzer damit als Aufsteiger den Klassenerhalt wohl sicher hätten. Die Alternative, im Mai mit Geisterspielen weiterzumachen, sei für die wirtschaftlich in Not geratenen Clubs wohl die bessere Alternative: „Ich denke schon, dass das geht, wenn es im Mai wieder losgehen kann. Man müsste dann zwar die Saison verlängern, aber bei noch elf ausstehenden Spielen würde man das mit englischen Wochen durchziehen können.“ Die Entscheidungsträger in den Gesundheitsbehörden und beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), der für die 3. Liga zuständig ist, beneidet der 28-Jährige jedenfalls nicht: „Ich bin gespannt, wie eine Lösung aussehen kann. Und ich bin froh, dass ich sie nicht finden muss.“

Angesichts der aktuellen Krise sind Schoppenhauers Zukunftsplanungen komplett in den Hintergrund gerückt. Obwohl sein Vertrag in Chemnitz noch bis 2021 läuft, ist eine Trennung im Sommer nicht ausgeschlossen – der Innenverteidiger stand in der Liga nur viermal in der Startelf. „Ich glaube, die Chancen sind eher gering, dass sich daran noch etwas ändert. Es ist ja noch ein Innenverteidiger verpflichtet worden, so dass ich jetzt die Nummer vier auf dieser Position bin. Dementsprechend muss man schauen, wie es im Sommer weitergeht. Es ist für beide Seiten unbefriedigend.“ Einen Plan B hat der Loxstedter noch nicht – die Corona-Pandemie hat ihn aber gelehrt, dass Fußball nicht alles ist: „Ich bin keine 21 mehr. Ich werde nicht meine Koffer packen, einfach irgendwo hingehen und meine Familie nur noch einmal in der Woche sehen. Als Familienvater trage ich jetzt auch Verantwortung. Und ich will meine Tochter aufwachsen sehen.“

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