Wenn Kamilla Szewczyk sich nicht gerade um Straßenhunde aus Rumänien kümmert, arbeitet sie als Justizvollzugsbeamtin in Bremerhaven.

Wenn Kamilla Szewczyk sich nicht gerade um Straßenhunde aus Rumänien kümmert, arbeitet sie als Justizvollzugsbeamtin in Bremerhaven.

Foto: privat

Wenn Kamilla Szewczyk sich nicht gerade um Straßenhunde aus Rumänien kümmert, arbeitet sie als Justizvollzugsbeamtin in Bremerhaven.

Leute

Sie kämpft für ein besseres Leben der Straßenhunde

Bereits als kleines Mädchen wollte Kamilla Szewczyk Hunde retten. Denn schon früh wurde sie mit dem Elend von Straßen- und Kettenhunden konfrontiert. Und zwar in Polen, von wo die Familie der gebürtigen Bremerhavenerin ursprünglich stammt. Mittlerweile holt die 28-Jährige notleidende Vierbeiner aus Rumänien. Zuletzt betrieb sie zu diesem Zweck eine Auffangstation bei Bremervörde. Jetzt sucht sie ein neues Domizil – in Bremerhaven und umzu.

Kreis-Icon-Nordstern

Den Traum von einem Hundehof hat Kamilla Szewczyk seit ihrer Kindheit nie aufgegeben. Jede Polenreise sei für sie damals ein Albtraum gewesen. „Ich konnte an nichts anderes denken, als an die armen Hunde. Jede Nacht hörte ich ihr trauriges Jaulen und das hilflose Wimmern“, erinnert sie sich. Heutzutage sei die Lage dort nicht mehr so dramatisch. Deshalb konzentriere sie sich seit Jahren auf Rumänien.

2013 habe sie im Fernsehen eine Dokumentation über den dortigen Umgang mit Straßenhunden gesehen. Der Bericht habe sie nie mehr losgelassen. „Zu dem Zeitpunkt wurde gerade das Verbot, die Hunde zu töten, aufgehoben“, berichtet sie. Weil es pro eingefangenes Tier eine Prämie von 50 Euro gebe – was für die meisten Rumänen eine sehr große Summe darstelle – sei es für viele Leute lukrativ, die Vierbeiner abzuliefern, weiß die Justizvollzugsbeamtin.

Zwar dürften die Hunde in den städtischen Tierheimen erst nach 14 Tagen getötet werden. „Es ist aber sehr schwierig, einen Kontakt zu diesen Einrichtungen herzustellen und die Tiere dort herauszuholen“, berichtet sie. Die Tötung gelte dort leider als die günstigste Lösung für das Straßenhunde-Problem, bedauert sie. Damit nicht genug: Um Geld zu sparen, würden die Vierbeiner zudem nicht unbedingt nach deutschen Standards eingeschläfert. „Um Geld zu sparen, wird ihnen beispielsweise einfach Silikon gespritzt“, habe sie erfahren.

Andere Zustände als hier

Aus all diesen Gründen könne sie der Kritik am Auslandstierschutz wenig abgewinnen. Die Situation in Deutschland und in den hiesigen Heimen sei in keiner Weise mit dem Elend und dem ständig drohenden Tod der Tiere in Rumänien vergleichbar. Dennoch habe ihre Auffangstation in Ostendorf auch Hunden aus dem Umkreis offengestanden. In Anspruch genommen worden sei dieses Angebot allerdings selten.

Alle Vierbeiner, die über ihre Auffangstation ein neues Zuhause gefunden haben, stammen demnach oftmals aus Osteuropa. Rund 25 Vierbeiner hätten seit 2018 im Schnitt zeitgleich eine Herberge bei ihr gefunden. In wechselnder Besetzung versteht sich. Denn während einige Fellnasen neue Besitzer gefunden hätten, seien neue Tiere aus Rumänien dazugekommen.

Viele der Vierbeiner holt sie selbst nach Deutschland. Ein- bis zweimal pro Jahr ist Kamilla Szewczyk hierzu in der Vergangenheit mit ihrem Transporter nach Rumänien gefahren. Rund 21 bis 28 Stunden dauere eine Tour, erzählt sie.

Damit alles seine Ordnung hat, habe sie sich hierfür eigens eine Zulassung als Transportunternehmen besorgt – inklusive der Befähigung Hunde transportieren zu dürfen. Darüber hinaus hat sie bei der IHK Potsdam den Sachkundenachweis für das Halten von Tieren in Tierheimen und tierheimähnlichen Einrichtungen erworben. Als weiteren Schwerpunkt hat sie dabei den Auslandstierschutz gewählt.

Auklärungsarbeit

Abgesichert mit all diesen Zertifikaten kann sie sich in Rumänien ihrer Hauptaufgabe widmen. Vor Ort hält sie Ausschau nach Vierbeinern in Not. „Sind sie im Rudel unterwegs oder sehen ganz okay aus, lasse ich sie dort“, berichtet sie. Sie lese unter anderem nur verletzte Tiere auf, oder welche, die sich alleine durchschlagen müssen und daher wenig Chancen auf der Straße haben.

Ihre Schützlinge bringt sie dann in die „Smeura“, ein von einem deutschen Verein geführtes Tierheim 120 Kilometer westlich von Bukarest, in dem rund 6000 Hunde leben und keine Tötung befürchten müssen. Die Einrichtung vermittelt die Hunde nicht nur, sondern betreibt Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung und führt Kastrationskampagnen durch.

Vor der Corona-Pandemie ist Kamilla Szewczyk ein- bis zweimal pro Jahr mit ihrem Transporter nach Rumänien gefahren, um notleidenden Straßenhunden zu helfen.

Vor der Corona-Pandemie ist Kamilla Szewczyk ein- bis zweimal pro Jahr mit ihrem Transporter nach Rumänien gefahren, um notleidenden Straßenhunden zu helfen.

Foto: privat

Dort werden auch die von Kamilla Szewczyk aufgesammelten Vierbeiner gechippt, kastriert und geimpft. Im Gegenzug nimmt die junge Frau andere Hunde aus dem Tierheim mit in Richtung Niedersachsen.

Zurzeit lebt allerdings kein einziger Vermittlungshund bei Kamilla Szewczyk. Erstens konnten alle Tiere in gute Hände abgegeben werden. Zweitens durften wegen der Corona-Pandemie keine neuen Vierbeiner aus Rumänien geholt werden.

Das Pendeln kostet zu viel Zeit und Geld

Dieser Umstand soll nun genutzt werden. „Ich komme nicht nur aus Bremerhaven, ich arbeite dort auch. Bisher bin ich immer gependelt. Das kostet viel Zeit und Geld“, berichtet sie. Deshalb will sie die Auffangstation künftig in der Seestadt oder im benachbarten Umland neu aufziehen. „Ich habe mir gedacht: jetzt oder nie!“, meint sie.

Hierfür sucht die Tierschützerin nun ein entsprechendes Gebäude oder Gelände. „Es sollte sich in Alleinlage befinden. Ein Gewerbegebiet wäre auch okay“, skizziert sie die Anforderungen. Es müsse noch nicht einmal unbedingt ein Gebäude auf dem Grundstück vorhanden sein. Das könne sie notfalls errichten lassen – vorausgesetzt, das Areal, das mindestens 8000 Quadratmeter umfassen sollte, könne erschlossen werden.

Gnadenhof für Großtiere

Bei ihrem Vorhaben könne sie sich auch gut eine Kooperation mit den Kommunen vorstellen. Künftig möchte die Veganerin zudem nicht nur Hunden helfen, sondern im Stil eines Gnadenhofs auch Großtiere wie Kühe, Schweine, Pferde und Esel aufnehmen.

Abgesehen von einer neuen Unterkunft benötigt Kamilla Szewczyk vor allem eines: Zäune. „Am besten Doppelstabmatten. Maschendraht alleine reicht nicht“, weiß sie aus Erfahrung. Auch für das Aufstellen benötige sie Unterstützung.

nach Oben