Waltraud Maassen (rechts) und ihre Familie senden herzliche Weihnachtsgrüße in die alte Heimat.

Waltraud Maassen (rechts) und ihre Familie senden herzliche Weihnachtsgrüße in die alte Heimat.

Foto: privat

Waltraud Maassen (rechts) und ihre Familie senden herzliche Weihnachtsgrüße in die alte Heimat.

Leute Grußbrücke

Vogelgezwitscher beim Morgenkaffee

Auf eine liebgewonnene Tradition möchten wir auch in diesem Pandemie-Jahr nicht verzichten: die Grußbrücke. Alle Jahre wieder erscheint zum Fest der Liebe eine Sonderbeilage mit ihren Berichten in der NORDSEE-ZEITUNG – und auch auf NORDERLESEN könnt ihr sie entdecken. Waltraud Maassen schickt Grüße aus Wisconsin. Und Kerstin Stolle-Allen aus Illinois berichtet von ihrem Corona-Jahr im Garten.

Waltraud Maassen aus Wisconsin: Es war kein gutes Jahr

Wo ist das Jahr geblieben? Es war kein gutes Jahr, mit so vielen Corona-Fällen überall. Mein Mann ist im Heim: Er darf keinen Besuch empfangen, nur am Fenster. Es ist schlimm.

Wir wünschen allen ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes, neues Jahr. Meine Grüße gehen an meine Schwägerin Anita Thomas, Kinder; Harald Thomas und Familie, Bärbel Winter und Familie, Gerhard Thomas und Familie, Marion Kleppe und Familie, Torsten Thomas und Familie, Cousine Irmtraud Luther und Familie, Hans Gerken und Familie, Agnes und Erwin, meine Freundin Ursel Mayer, Gerda Klün und Familie, Harald Krispin und Klassenkameraden und Freunde. Prost Neujahr!

Waltraud Maassen
1275 N Front Street,
Buffalo City, Wisconsin

Kreis-Icon-Nordstern

Dank einiger selbst gebauter Futterstationen hat Kerstin Stolle-Allen nun viel „tierische“ Gesellschaft rund um ihr Haus.

Dank einiger selbst gebauter Futterstationen hat Kerstin Stolle-Allen nun viel „tierische“ Gesellschaft rund um ihr Haus.

Foto: privat

Kerstin Stolle-Allen aus Illinois: Wir alle haben dasselbe Trauma erlebt

Während ich hier sitze und überlege, was ich an die Grußbrücke schreiben soll, frage ich mich, ob die meisten Artikel dieses Jahr nicht fast den gleichen Inhalt haben werden. 2020 war so anders als die vorherigen Jahre, und wir alle haben dasselbe Trauma erlebt. Einige von uns haben so viel verloren: den Arbeitsplatz, das Einkommen, ihr Heim, ein Familienmitglied, dessen Leben von Covid-19 genommen wurde. Oder sie haben persönlich einen Kampf gegen das Virus durchgestanden.

Bisher sind Randy und ich ungeschoren davongekommen und haben die Situation nur an der Peripherie erlebt. Eine Schwester in Texas samt Familie hatte sich infiziert und allen waren zwei Wochen in Quarantäne. Mann, Kinder und Enkel haben es alle gut überstanden, aber meine Schwägerin leidet immer noch an den Nachwirkungen.

Auch in den USA gab‘s kein Toilettenpapier mehr

Unser Landkreis hier in Illinois ist einer der wenigen, in dem die Infektions- und Todesrate noch niedrig ist. Wir wohnen am Ortsrand von Newman und sind im Osten und Westen von Feldern umrahmt und haben je ein Nachbarhaus auf der Nord- und der Südseite. Da lebe ich mehr oder weniger in meiner eigenen kleinen Welt – meiner „Bubble“ – und hatte den Anfang der Pandemie gar nicht so registriert, bis Randy von unterwegs anrief und vorschlug, dass ich vielleicht mal zum Supermarkt fahre und „Klopapier“ hole, weil es überall in den Geschäften einen Ansturm darauf gäbe.

Nahm ich nicht ernst, denn wer braucht so viel Toilettenpapier??? Ja, und dann schlug es wie ein Blitz ein. Die Regale waren tatsächlich leer. Keine Papierprodukte, keine Reinigungs- und Desinfektionsmittel mehr zu haben – da war ich erst mal platt. Von dem Tag an verfolgte ich das Drama wochenlang fast täglich im Fernsehen. Weltweite Quarantäne, Schließungen, Ausgangsverbot, Versorgungsknappheit, Panik.


„Wie lange kann so eine Pandemie dauern?“

Wie hat es mich persönlich betroffen? Eigentlich war Anfang August Landgang geplant mit Sail und vielleicht Jahrmarkt und sonnigen Nachmittagen am Weserdeich. Flugverbot bestand noch nicht und Einreise nach Deutschland war auch noch erlaubt, als ich nach längerem Überlegen ein Ticket kaufte. Daraus wurde aber schnell ein Satz mit „X“ – war nix!

Am nächsten Tag machte Deutschland dicht. Und nun? Dank des DER-Reisebüros und den Fluglinien konnte ich den Flug verschieben. Stornieren wollte ich nicht, denn wie lange kann so eine Pandemie dauern; das war meine Denke. Und der Rest ist Geschichte.

In der Pandemie wird Garten zum Paradies

Um die Tage und Wochen sinnvoll zu verbringen, stürzte ich mich in Garten- und Handwerksarbeit und in der Pause machte ich intensive Beobachtungen in der Umgebung. Beim Morgenkaffee auf der Veranda hörte ich dem Vogelgezwitscher zu. Dabei kam mir die Idee, Futterstationen zu bauen und strategisch anzubringen, damit ich die Sänger nicht nur hören, sondern auch sehen kann. Mittlerweile kann ich sogar ein paar Arten an ihrem Gesang und Gefieder unterscheiden.

Spatzen, Goldfinken, Zaunkönig, Rote Spottdrossel, Cardinal und Blauammer wurden tägliche Besucher – auch zum Entzücken der Katzen. Der kleine Zaunkönig hat sich in diesem Jahr gleich zwei Weibchen hintereinander geangelt und jeweils eine Familie in der umgebauten Laterne großgezogen. Er saß immer zutraulich direkt am Küchenfenster und trällerte mir sein Lied, machte auch keine Anstalten, wegzufliegen.

Eichhörnchen, Vögel und Insekten fühlen sich wohl

Als die Sonnenblumen, Wildblumen, Zinnien und Gladiolen in Blüte kamen, herrschte auch reges Treiben im Garten. Schmetterlinge und Bienen ließen sich fleißig von der Farbenpracht beköstigen und machten den Anblick noch schöner. Der bedrohte Monarch, Viceroy, Painted Lady, Schwalbenschwanz und Zitronenfalter und ein paar Mottenarten ließen es sich schmecken.

Ein besonders mutiges Eichhörnchen schlich sich des Öfteren auf die Veranda, um sein Bäuchlein mit Nüssen, Sonnenblumenkernen und anderem Vogelfutter zu füllen und dabei seine Akrobatik zum Besten zu geben. Zurück zur Natur! Besser als Fernsehen.

Auch in den neuen Vogelhäuschen fühlen sich die tierischen Gartenbewohner wohl.

Auch in den neuen Vogelhäuschen fühlen sich die tierischen Gartenbewohner wohl.

Foto: privat

Das Geschäft für Baumärkte läuft gut

Fast täglich fiel mir etwas Neues ein, die Ideen stapelten sich in meinem Kopf und ich konnte gar nicht schnell genug arbeiten, um sie zu verwirklichen. Es mussten unbedingt ein paar Pflanzkübel her für die Veranda hinten und den Vordereingang. Was ich an Holz nicht in der Garage hatte, besorgte ich mir in unserem kleinen Baumarkt im Ort.

Wie die großen Baumärkte hat auch er dieses Jahr gute Geschäfte gemacht. Seine Bestellungen für neue Ladungen verdoppelten sich in kürzester Zeit, denn Arbeitslose und Kurzarbeiter räumten die Regale und den Hof fast leer – irgendwie muss man ja die viele freie Zeit herumbekommen. Der Eigentümer und ich kennen uns nun auch beim Vornamen.

Auf den bunten Sommer folgt ein stürmischer Herbst

Der Sommer ist nun vorbei und der Herbst hat sich mit häufigen Stürmen eingenistet. Vor kurzem gab es sogar noch Tornadowarnungen wegen der warmen Luft, die aus dem Süden heraufzieht. Da kommt die neu gebaute 45-Maschinen-Windfarm gerade recht. Ich kann zwar die Motoren nicht hören, aber als Zeugen ihrer Existenz erleuchten die roten Warnlampen den Nachthimmel wie eine blinkende Lichterkette.

Seit September gehen auch die Schüler schichtweise wieder zur Schule. Anstatt wie sonst den ganzen Tag geht eine Gruppe morgens und eine Gruppe nachmittags zum Unterricht, oder sie nehmen Unterricht per Computer zu Hause. Restaurants sind wieder – mit Einschränkungen – geöffnet und Geschäfte tun ihr Bestes, unter diesen Umständen die Bevölkerung zu versorgen. Allerdings scheint sich die schon angedrohte zweite Welle der Pandemie jetzt auszubreiten. Somit werden die Einschränkungen wohl wieder verschärft und die Unsicherheit wieder steigen.


Viele Jubiläen in der Familie verpasst

Seit dem Flug- und Einreiseverbot stehe ich mit den Konsulaten in Deutschland und dem Robert Koch-Institut in Verbindung und werde per E-Mail auf dem Laufenden gehalten. Ich habe immer noch einen Schimmer der Hoffnung, dass ich, zusammen mit den anderen Auswanderern, bald wieder mein Bremerhaven, und viel wichtiger, meine Familie und Freunde besuchen kann.

2020 war auch ein Jahr mit vielen Jubiläen in meiner Familie. 60., 70., 80., 90. Geburtstage und ein bemerkenswerter 70. Hochzeitstag. Alles habe ich verpasst und die Feiern fanden im kleinsten Rahmen statt, doch es zeigt, dass Familien zusammenhalten und bestehen. Diese Bande sind eben unzerbrechlich, auch während einer Pandemie.

An dieser Stelle möchte ich meiner gesamten Familie, den Stolles, einschließlich Hechts, Kutzners, Lehmanns, Meyers und Völkels ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen „leisen“ Rutsch in ein besseres Jahr wünschen. Besondere Grüße gehen ebenfalls an die Familie Onesseit/Looser, Gabus und Julia, Bettina, meine Brieffreundin Ursel Muessigbrodt mit Uwe, und ehemalige Schulfreunde und Arbeitskollegen – und Bremerhaven.

Haltet Euch tapfer, verliert nicht den Mut und passt auf Euch auf. Ein weiser Mensch hat mir gesagt: „Kannst nichts dran machen, da müssen wir durch und Geduld haben.“ Well said, Pa!

Ganz liebe Grüße aus Illinois

Kerstin Stolle-Allen

nach Oben