Rodrigo Rocha, der größte Fan des SV Werder Bremen in Brasilien, ist knapp 10.000 Kilometer gereist, um seinem Lieblingsverein ganz nahe zu sein. Das Coronavirus macht die Erfüllung seines Traums zunichte.

Rodrigo Rocha, der größte Fan des SV Werder Bremen in Brasilien, ist knapp 10.000 Kilometer gereist, um seinem Lieblingsverein ganz nahe zu sein. Das Coronavirus macht die Erfüllung seines Traums zunichte.

Foto: Gumz

Rodrigo Rocha, der größte Fan des SV Werder Bremen in Brasilien, ist knapp 10.000 Kilometer gereist, um seinem Lieblingsverein ganz nahe zu sein. Das Coronavirus macht die Erfüllung seines Traums zunichte.

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Werder-Fan reist um die halbe Welt - dann kommt die Absage

Rodrigo Rocha ist der vielleicht größte Fan von Werder Bremen in Brasilien. Jetzt ist er zum ersten Mal nach Bremen gereist, um endlich seine Lieblingsmannschaft spielen zu sehen. Doch das Coronavirus lässt große Träume platzen.

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Rodrigo Rocha stand einfach nur da, bestimmt fünf Minuten lang, und schaute selig in die Ferne. Es war fast Mitternacht, aber von Müdigkeit war beim 31-Jährigen keine Spur. Denn er hatte das Ziel erreicht, für das er fast 10.000 Kilometer gereist war, einen Sehnsuchtsort, den er nur von Fotos, aus dem Fernsehen und aus seiner Fantasie kannte. Rocha, das einzige Mitglied des SV Werder Bremen in Brasilien, war am Weserstadion angekommen.

Es war schon spät am Abend, als Rodrigo Rocha mit dem Zug in Bremen eintraf. Doch auf seinen ersten Besuch des Weserstadions konnte er nicht bis zum nächsten Morgen warten. Rocha hatte eine Unterkunft in der Nähe der Arena gebucht, lud dort seine Frau und seine zwei Kinder ab und machte sich mit Google-Maps auf dem Handy in der Hand auf den Weg.

Weihnachten und Ostern an einem Tag

Wien, Prag und Berlin hatte er auf seiner dreiwöchigen Europa-Reise schon besucht, aber nichts hatte für ihn annähernd die Bedeutung wie der erste Besuch des Weserstadions. Für Rocha war es, als fielen Weihnachten und Ostern auf einen Tag.

Das ist bitter: Die Tores des Weser-Stadions bleiben zu, Rodrigo Rocha kann nicht hinein.

Das ist bitter: Die Tores des Weser-Stadions bleiben zu, Rodrigo Rocha kann nicht hinein.

Foto: Gumz

„Ich war so glücklich in dem Moment, den Osterdeich entlanglaufen und aufs Weserstadion schauen zu können. Es war unbeschreiblich“, erzählt Rocha. Was ihm im Moments des Glücks aber nicht klar war: Viel näher würde er das Weserstadion nicht mehr kennenlernen. Denn das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen, für das er Tickets hatte, sollte zuerst als Geisterspiel ohne Zuschauer ausgetragen werden und wurde dann ganz abgesagt. Auch die geplante Führung durch Stadion und Wuseum fällt aus. Grund ist die Ausbreitung des Coronavirus‘.

Bittere Nachricht aufm dem Handy

„Ich habe den ganzen Trip so geplant, dass ich mir Werder-Spiele anschauen kann. Das war der Hauptgrund“, sagt der Mann aus Petropolis in der Nähe von Rio de Janeiro, der bereits einige Tage vor seiner Ankunft in Bremen die bittere Nachricht gelesen hatte, dass sich Werder wegen des Coronavirus von den Fans abschottet, hauptsächlich geheim trainieren lässt und Selfie- sowie Autogrammwünsche ablehnt. Nichts mehr wie Weihnachten und Ostern an einem Tag, eher wie Darmspiegelung und Wurzelbehandlung.

Rodrigo Rocha will nicht sagen, dass das Coronavirus seine Reise ruiniert habe. Dafür sei er ein viel zu positiver Mensch und viel zu dankbar, dass er überhaupt die Möglichkeit hat, mit seiner Familie nach Deutschland zu kommen. Außerdem hat er immerhin das Auswärtsspiel von Werder Bremen gegen Hertha BSC im Berliner Olympiastadion mitnehmen können. Und na klar, Verständnis für die Absagen wegen der Corona-Krise hat er sowieso. Trotzdem ist er gehörig geknickt: „Ich kann gar nicht sagen, wie traurig ich bin.“

Über 100 Werder-Trikots

Der Brasilianer gehört zu den leidenschaftlichsten Werder-Fans überhaupt. Er hat eine stattliche Sammlung von mehr als 100 Trikots, trägt „SVW“, die grün-weiße Raute und Tim Wiese als Tattoo auf seiner Haut. Vor einigen Jahren, als Werder begann, um den Klassenerhalt statt um den Europapokal zu kämpfen, wurde er Mitglied – einfach, um den Verein in der schwierigen Zeit zu unterstützen.

Jetzt, im Jahr 2020, in dem Werder Bremen vor dem Abstieg in die Zweitklassigkeit steht, reiste Rocha sogar erstmals in die Hansestadt. 10000 Kilometer, nur um endlich seinen Verein zu sehen. Und dann macht ihm das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung.

Wiederkommen ist kaum möglich

Einfach nochmal wiederzukommen, ist für Rocha kaum möglich: „Für uns Brasilianer ist das eine extrem teure Reise, die kann ich mir nicht jedes Jahr leisten.“ Jetzt versucht er, aus dem restlichen Trip das Beste zu machen. „Ich denke positiv und hoffe, dass immer noch irgendetwas Gutes passieren kann.“

Und er freut sich über das bisher Erlebte. „Ich werde die Reise in guter Erinnerung behalten“, sagt Rocha: wegen der Treffen mit anderen Werder-Fans, die er bisher nur über das Internet kannte, mit Werders eSportlern „MegaBit“ und „DrErhano“, wegen dreier neuer Trikots für seine Sammlung – und wegen der ersten Blicke aufs Weserstadion.

Dieser Text stammt von unserem Kooperationspartner www.deichstube.de.

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