Mit einem schlichten schwarzen Cover, in dem das Bandlogo und der Plattentitel auf der ursprünglichen LP nur per Stanzung leicht hervorgehoben war, meldete sich AC/DC fünf Monate nach dem Tod von Sänger Bon Scott wieder zurück.

Mit einem schlichten schwarzen Cover, in dem das Bandlogo und der Plattentitel auf der ursprünglichen LP nur per Stanzung leicht hervorgehoben war, meldete sich AC/DC fünf Monate nach dem Tod von Sänger Bon Scott wieder zurück.

Foto: Moje

Mit einem schlichten schwarzen Cover, in dem das Bandlogo und der Plattentitel auf der ursprünglichen LP nur per Stanzung leicht hervorgehoben war, meldete sich AC/DC fünf Monate nach dem Tod von Sänger Bon Scott wieder zurück.

Erleben

Die Wiederauferstehung von AC/DC

Nur fünf Monate nach dem Tod von Sänger Bon Scott meldete sich die Hardrockband AC/DC mit einem Donnerschlag zurück. Das vor 40 Jahren, am 25. Juli 1980, veröffentlichte siebte Studioalbum „Back in Black“ verkaufte sich bis heute 50 Millionen Mal. Nur Michael Jacksons „Thriller“ (60 Millionen) ging häufiger über den Ladentisch als das dramatische Comeback der Australier.

Von Oliver Moje

Kreis-Icon-Nordstern

Die Nachricht von Bon Scotts Tod traf eine Band, die gerade auf dem Gipfel angekommen war. Das sechste Studioalbum „Highway to Hell“ war 1979 AC/DCs weltweiter Durchbruch gewesen. Dem zuvor als Pop-Produzent erfolgreichen Robert John „Mutt“ Lange war auf dieser Scheibe das Kunststück gelungen, den Sound der Gruppe radiotauglich zu machen, ohne die raue Rock’n’Roll-Aggressivität der Band dafür zu opfern.

Erste Headliner-Tournee durch die USA

Neben dem Titelsong sorgten die weiteren Singles „Girls Got Rhythm“ und „Touch Too Much“ für jede Menge Airplay bei den wichtigen amerikanischen Radiostationen - und damit für zahlreiche neue Fans. Erstmals absolvierte AC/DC 1979 eine Headliner-Tour durch die USA und auch die anschließenden Europa-Termine gerieten zum Triumphzug der 1973 in Sydney gegründeten Band.

Brian Johnson musste als Nachfolger des charismatischen AC/DC-Frontmanns Bon Scott 1980 in große Fußstapfen treten. Doch der ehemalige Geordie-Sänger wurde nach seiner Glanzleistung auf "Back in Black" schnell ein Liebling der Fans.

Brian Johnson musste als Nachfolger des charismatischen AC/DC-Frontmanns Bon Scott 1980 in große Fußstapfen treten. Doch der ehemalige Geordie-Sänger wurde nach seiner Glanzleistung auf "Back in Black" schnell ein Liebling der Fans.

Foto: Carrett/dpa

Entsprechend enthusiastisch machten sich Angus und Malcolm Young ans Songschreiben für die neue Platte. Zu Beginn des Jahres 1980 war vor allem Sänger Bon Scott überzeugt, dass das neue Album das beste werden würde, was die Band je veröffentlicht hatte. „Er sprach nur davon, wie fantastisch die nächste Platte werden würde“, erinnert sich der damalige Bandfotograf Robert Ellis. „Er redete ununterbrochen von dem neuen Album, sagte, dass AC/DC sich selbst übertreffen würden, und er war so aufgedreht und begeistert, dass man ihm einfach glauben musste.“

Sänger stirbt an Alkoholvergiftung

Dann folgte aber jener schicksalhafte 19. Februar 1980: Die Band hielt sich in London auf, um am neuen Album zu arbeiten. Bon Scott traf sich abends mit Freunden in einem Club in Camden. Nach diversen Drinks verließ er die „Music Machine“ gegen 3 Uhr im Auto von Alistair Kinnear. Dieser fuhr ihn nach Hause, schaffte es dort aber nicht, den schlafenden Sänger aus dem Auto zu bekommen.

So fuhr er weiter zu seiner eigenen Wohnung, konnte Scott aber auch dort nicht aufwecken. So brachte er den Beifahrersitz in Liegeposition, deckte den Sänger zu und ging selbst ins Bett. Als Kinnear dann am frühen Abend erwachte und nach Bon Scott sah, lag dieser immer noch reglos im Wagen. Im Krankenhaus konnte man nur noch dessen Tod feststellen, vermutlich an einer Alkoholvergiftung. Bon Scott wurde 33 Jahre alt.

Dessen Bandkollegen mochten es zunächst nicht glauben, hofften auf eine Verwechslung. Erst als AC/DC-Manager Peter Mensch ins Krankenhaus fuhr, um die Leiche zu identifizieren, herrschte traurige Gewissheit. Malcolm Young informierte Bon Scotts Eltern in Australien. „Wir waren alle völlig deprimiert und schlichen einfach nur noch still herum. Da war einfach nichts mehr - nichts“, erinnerte sich der 2017 verstorbene Rhythmusgitarrist 2005 im Magazin Classic Rock an die ersten Tage nach dem Tod des Sängers.

Das Grab von Bon Scott auf dem Fremantle-Friedhof im australischen Perth.

Das Grab von Bon Scott auf dem Fremantle-Friedhof im australischen Perth.

Foto: Stanley/dpa

Vater fordert Band zum Weitermachen auf

Dessen sterbliche Überreste wurden nach Australien überführt und während der Trauerfeierlichkeiten war es dessen Vater, der Leadgitarrist Angus Young zur Seite nahm und ihm sagte, dass sie sich einen neuen Sänger suchen sollen: „Ihr müsst mit AC/DC weitermachen. Ihr seid junge Kerle und steht an der Schwelle zum ganz großen Erfolg. Ihr könnt es euch jetzt nicht leisten, so einfach aufzuhören.“

Angus und Malcolm Young waren alles andere als zuversichtlich, einen geeigneten Nachfolger zu finden, setzten aber die Arbeit an den neuen Songs fort. „Ich schätze mal, wir zogen uns einfach in die Musik zurück. Aber es war uns klar, dass Arbeit viel besser ist, als einfach so herumzusitzen und immer noch an Bon zu denken“, erklärte Angus Young.

Suche wird forciert

Als die meisten Songs fertig waren, musste die Suche nach einem Sänger forciert werden. Den Durchbruch brachte schließlich eine Kassette der Band Geordie, die an das AC/DC-Management geschickt wurde. Dort sang mit Brian Johnson ein damals 32-Jähriger aus Newcastle, der sich sogar schon einmal mit Bon Scott eine Bühne geteilt hatte.

Scott war mit seiner Band Fraternity einmal als Vorband von Geordie aufgetreten. Er hatte Johnson, dessen Band Anfang der 1970er Jahre drei mäßig erfolgreiche Platten veröffentlicht hatte, sogar einmal Angus Young gegenüber positiv erwähnt: „Falls mir jemals etwas zustößt, ist das euer Mann“, soll er laut Phil Carson gesagt haben, dem damaligen A&R-Manager von Atlantic Records.

Malcolm Young, Brian Johnson, Angus Young, Phil Rudd und Cliff Williams (hier ein Foto von 2003) nahmen 1980 zwei Monate nach dem Tod von Sänger Bon Scott "Back in Black", das zweiterfolgreichste Album der Rockgeschichte, auf.

Malcolm Young, Brian Johnson, Angus Young, Phil Rudd und Cliff Williams (hier ein Foto von 2003) nahmen 1980 zwei Monate nach dem Tod von Sänger Bon Scott "Back in Black", das zweiterfolgreichste Album der Rockgeschichte, auf.

Foto: Mok/dpa

Nach dem Vorsingen gleich auf die Bahamas

Am 29. März 1980 kam Brian Johnson zum Vorsingen nach London, im April flog er bereits mit AC/DC auf die Bahamas, um in den Compass Point Studios den „Highway to Hell“-Nachfolger aufzunehmen. „Er sang toll. Die Probe mit Johnson brachte uns wieder ein wenig zum Lächeln - das erste Mal nach Bons Tod“, erinnerte sich Malcolm Young.

„Er passte mehr oder weniger sofort zu uns“, fand auch sein jüngerer Bruder - eine Ansicht, die Millionen alte und neue Fans teilten, was Brian Johnson auf der folgenden Welttournee selbst erfahren durfte: „Als wir einen Gig in Holland gaben, kam ein Junge mit einer Tätowierung von Bon auf seinem Arm zu mir und sagte: ,Er war mein Idol, aber jetzt ist er tot. Ich wünsche dir alles Glück der Welt!‘ Ich stand nur da und zitterte.“

Album als Hommage an Bon Scott

Das Album selbst war eine Hommage an Bon Scott, einen lebensfrohen, bodenständigen Rock‘n-Roll-Sänger, der nicht nur in seinen oft sehr humorvollen Texten dem Alkohol und den Frauen sehr zugetan war. Das Originalcover der LP war schlicht schwarz, das AC/DC-Logo und der Titel waren nur leicht ausgestanzt. Hinzu kam das Intro mit den einleitenden Glockenschlägen zu „Hells Bells“, dem Übersong der Platte, der auch heute noch Besuchern in Fußballstadien und anderen Sportarenen rund um den Globus Gänsehautmomente verschafft. Danach geht es musikalisch ohne Schwächen Schlag auf Schlag weiter.

Die glasklare Produktion setzt auch heute noch Maßstäbe, wie ein gutes Hardrockalbum zu klingen hat. Hymnen wie „Shoot to Thrill“, „Back in Black“ oder „You Shook Me All Night Long“ taten ein übriges dafür, dass das AC/DC-Debüt von Brian Johnson das erfolgreichste Album der mittlerweile 47-jährigen Bandgeschichte wurde.

Seinen Vorgänger hätte es sicher gefreut: „Ich weiß, dass Bon immer noch da ist und das Ganze beobachtet“, sagte der neue Sänger einmal in einem Interview. „Ich weiß, dass er mit der neuen Gruppierung zufrieden ist und damit, was sie macht. Er wollte nicht, dass die Band auseinandergeht oder trauert. Er wollte, dass wir auf seinem Geist aufbauen.“

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