Sechs Personen zeigen Teller mit kleinen Mahlzeiten vor.

Guten Appetit: Thorsten Brockmann (von links), Luise Langen, Leandra Hanke, Jürgen Rabbel, Susanne Schwan und Maike Wessolowski testen internationale Köstlichkeiten.

Foto: Scheschonka

Guten Appetit: Thorsten Brockmann (von links), Luise Langen, Leandra Hanke, Jürgen Rabbel, Susanne Schwan und Maike Wessolowski testen internationale Köstlichkeiten.

Erleben Maritime Tage in Bremerhaven

So lecker ist Streetfood bei den Maritimen Tagen

In Bremerhaven essen mit Blick auf die Weser und das stolze polnische Segelschulschiff „Dar Mlodziezy“. Und dann auch noch „Streetfood“, also „auf die Faust“ aus verschiedenen Kulturen – das passt zum Flair eines internationalen Hafenfestes. Die Redaktion hat die Mittagspause in die Freiluft-Kombüse verlegt und die vornehmlich herzhaften Leckereien getestet.

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Janosch Holleczek überzeugt mit seinen besonderen Burgern.

Janosch Holleczek überzeugt mit seinen besonderen Burgern.

Foto: Lothar Scheschonka

Ärgerlich, wenn nach dem ersten Bissen immer alles aus dem Burger fällt? Nicht bei „Tigers Frygers“ aus Köln-Ehrenfeld, denn bei Janosch Holleczek (38) und Alexander Dell (21) wird der Burger aus selbst gemachtem Mehlteig frittiert und in der Mitte aufgeschnitten. Zu verschiedenen Füllungen – hier ist die Wahl auf Mexico-Style gefallen – gibt es wahlweise einen Burger-Pattie aus Rindfleisch oder einer vegetarischen Variante aus Kidneybohnen, Paprika und Sesam. Lässt sich super aus der Hand essen und hat mit Salsa, Zwiebeln und Rauke eine gute Würze und Frische trotz des Frittierens. Die Jungs wohnen während der Maritimen Tage in einer Monteurswohnung und bekommen vom Hafenfest nicht viel mit. „Toll, dass hier jetzt ein so großes Segelschiff liegt, das ist schon ein großartiger Anblick“, freut sich Janosch Holleczek. Während der Pandemie hat sich die Imbiss-Truppe mit Catering und dem Foodtruck in einem Kölner Park über Wasser gehalten, Bremerhaven ist das zweite Fest nach einem Festival in der rheinländischen Heimat. Den Jungs kann man folgen: tigersfrygers auf Instagram und Facebook. (wes)


Timm Gehrmann vor seinem Smoker fürs Barbecue.

Timm Gehrmann vor seinem Smoker fürs Barbecue.

Foto: Lothar Scheschonka

Timm Gehrmann (39) ist einer der beiden Barbecue-Brothers aus Düsseldorf, der Einsatz während der Maritimen Tage ist sein erster seit Ende 2019, und sein Herz schlägt fürs original amerikanische Südstaatenbarbecue. Den Smoker heizt Gehrmann mit Buchenholz ein, 24 Stunden gart die Rinderbrust im Rauch – so lange, dass sie am Ende zerfällt. Unverzichtbar dazu: die selbst gemachte Soße. Nach der langen Corona-Pause haben die BBQ-Brothers ihren größten Burger von der Karte gestrichen. „Ich musste schon ein wenig überlegen, wie es geht“, sagt Gehrmann, von Beruf eigentlich Lehrer. Für den nicht ganz so großen Hunger liegt auch ein Schweinefilet im Smoker. Sein „Peach Pork“ serviert Gehrmann als Sandwich mit Rucola und einer fruchtig-scharfen Pfirsich-Jalapeño-Soße, nicht unbedingt typisch fürs Barbecue, aber mit seiner ebenfalls leicht rauchigen Note eine Leckerei. Das Konzept für die Maritimen Tage gefällt dem Düsseldorfer: Bremerhaven sei da Vorbild für die Veranstaltungsbranche. (bro)


„Kikeriki“ heißt Kei Wongs Stand – perfekt für die Hähnchengerichte.

„Kikeriki“ heißt Kei Wongs Stand – perfekt für die Hähnchengerichte.

Foto: Lothar Scheschonka

Süß, herzhaft und knusprig – diese Kombination ist bei den südost-asiatischen Chicken-Wings vom Stand „Kikeriki“ ein echter Genuss. Hier gibt es ausschließlich Gerichte mit Geflügel. Das Hähnchenfleisch wird frittiert, karamellisiert und mit den verschiedensten Soßen angerichtet – darunter Honig-Soja- oder Erdnuss-Soße. Seit 2015 zieht der Kölner Unternehmer Kei Wong mit seinem Stand von Festival zu Festival. Trotz der langen Corona-Pause konnte er sich über Wasser halten und freut sich nun umso mehr, seine Geflügel-Gerichte in Bremerhaven verkaufen zu können. „Dieses Essen spiegelt ein bisschen mein Leben wider“, sagt der 34-Jährige. Der Grund: Die unterschiedlichsten Nationalitäten haben sich in den hausgemachten Soßen vereint. „Meine Mutter kommt aus Vietnam und hat mir schon als Kind Saigon-Chicken zubereitet. Und schon damals habe ich immer gesagt, dass ich dieses Essen irgendwann einmal verkaufen will“, erzählt er lachend. „Später habe ich dann bei einer deutschen Pflegefamilie gelebt, deshalb hat der Stand einen deutschen Namen bekommen. Außerdem stammt meine Frau aus Japan und ihre Tante aus Indonesien. Das alles vereint sich in den verschiedenen Geschmacksrichtungen der Soßen.“ Damit die Kunden auch vor dem Essen schon etwas Unterhaltung für ihre rund 5 Euro bekommen, macht Kei Wong aus der Zubereitung des Hähnchens eine kleine Show. Eines sollten Geflügel-Fans allerdings bedenken: Nach dem Essen braucht man mehr als nur eine Serviette. (lml)


„Israeli Food“ zubereitet von Carmen Palomares.

„Israeli Food“ zubereitet von Carmen Palomares.

Foto: Lothar Scheschonka

Carmen Palomares betreibt die Fusionsküche „Israeli Food“. „Made in heaven – handmade and fresh“, ist in farbenfrohen Buchstaben auf der Werbetafel ihres Wagens zu lesen. Genauso bunt sieht Manakish aus, wenn die 39-Jährige das typisch israelische Gericht auf dem Pappteller angerichtet hat. „Normalerweise wird es mit echtem Fleisch zubereitet“, verrät sie. „Wir servieren es mit selbst gemachtem Seitan (bestehend aus pflanzlichem Eiweiß, Gemüsebrühe und Gewürzen). Auf den Blätterteig-Fladen kommen dann noch Rucola und Tomaten und Feta sowie rote Currysoße und Kräuter. Ein wahrer Genuss. Und für 8 Euro ist man als normaler Esser hinterher auch satt. Am Streetfood-Wagen von Carmen Palomares – sie betreibt ihn mit ihrem Ehemann – stehen außerdem noch Smoked Potatoes (hausgemachte Kartoffelecken) oder Katachapuni (eine geröstete Veggie-Pita) auf der Speisekarte. Nach Deutschland gezogen ist Familie Palomares 2013, seit 2015 bieten sie ihre vegan-vegetarische israelische Küche auf Streetfood-Festivals an. „In den vergangenen Monaten war das ja leider nicht möglich“, erzählt Carmen Palomares. „Da hab ich zu Hause in Hanau unseren neuen Verkaufswagen gebaut.“ (bel)


Kianoush erkennt in Käse-Makkaroni den Trend.

Kianoush erkennt in Käse-Makkaroni den Trend.

Foto: Lothar Scheschonka

In eine schmandige Käsesoße eingetunkt, kleben die kurzen, hohlen Nudeln aneinander. In der weiß-gelben Pasta-Pampe stechen dunkelrote, getrocknete Tomatenstücke ins Auge, hier und da blitzt ein grünes Basilikumblatt hervor. Dieses Arrangement nennt sich „Mac’n’Cheese San Marino“ oder auch Käse-Makkaroni mit Basilikum, Tomaten, grünem Pesto und Baby-Mozzarella. Sorgfältig zusammengestellt von Kianoush, dem Betreiber des „Mac’n’Cheese“- Stands. Nudeln in Käsesoße seien angesagt, vor allem in der Streetfood-Welt in London und in den USA. „Wir haben uns dort inspirieren lassen, denn Käse-Makkaroni sind längst kein Kantinenessen mehr“, weiß der 33-Jährige aus Hamburg. Außerdem sei die deftige Mahlzeit ein „Instagram-Ding“, von dem Social-Media-Hype will auch Kianoush profitieren. Entweder mit oder ohne Topping, vegetarisch oder mit Fleisch lässt sich die deftige Nervennahrung verzehren. Für Experimentierfreudige empfiehlt Kianoush eine besonders ungewöhnliche Kombination, den „Mac’n’Cheese Chicago Wrap“. „Das sind Käse-Makkaroni, die mit Bacon und Barbecue-Soße in einen Wrap gewickelt sind“, erklärt er und ergänzt mit einem Lachen: „Nichts für den Alltag, aber für Menschen mit besonders viel Hunger“. (lhk)


Awa Kandji stammt aus Dakkar und betreibt den senegalesischen Streetfood-Stand.

Awa Kandji stammt aus Dakkar und betreibt den senegalesischen Streetfood-Stand.

Foto: Schwan

Getanzt hat er zu Hause im Senegal. Getanzt hat er am Düsseldorfer Tanzhaus. Und jetzt tanzt Awa Kandji (46) wieder einmal in Bremerhaven das Leben: An seinem sonnengelben Streetfood-Zelt ist reger Betrieb, Kelle für Kelle seines „Mafeh“ geht über den Tresen, auf nachhaltigen Bambustellern samt Bambusbesteck. Mafeh, erklärt der ausgebildete Ballett-Tänzer aus der Millionenstadt Dakar, „ist hier in Bremerhaven immer der Favorit“. Das würzig duftende Curry aus Erdnüssen, Zwiebeln, Süßkartoffeln, Möhren, allerlei Gemüse und einem Hauch Ingwer kocht seine Frau Moussa (46), wie alle senegalesischen Gerichte auch. Entweder nur mit Reis serviert oder auch mit gebratenem, nicht paniertem Hühnchen ein nussig-herb und süßlich-scharf akzentuierter leichter Snack als tragfähige Grundlage für kilometerlanges Bummeln entlang der Schiffe. Zum fünften Mal ist das Paar, das in Wuppertal lebt und 2010 dort die Firma Awa als mobiles Lokal gegründet hatte, in der Seestadt zu Gast und begeistert von der Stadt, den Menschen, der Resonanz auf seine Heimatküche: „Wir wollen sehr gern hier ein senegalesisches Restaurant eröffnen, wenn wir ein geeignetes Lokal finden.“ (sus)

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Jürgen Rabbel

Reporter

Jürgen Rabbel ist gebürtiger Bremerhavener und arbeitet als Reporter in der Lokalredaktion der NORDSEE-ZEITUNG. Er betreut den Süden der Stadt und kümmert sich um Geschichtliches.

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