Ein Mann hinter einem Tresen.

Christian Hüsken leistet ehrenamtliche Arbeit. Manchmal unterstützt er auch an der Rezeption der Seemannsmission.

Foto: Lammers

Christian Hüsken leistet ehrenamtliche Arbeit. Manchmal unterstützt er auch an der Rezeption der Seemannsmission.

Heute

1000 Stunden soziale Arbeit für einen früheren Renteneintritt

Raus aus dem gewohnten Umfeld, Neues erleben, unbekannte Aufgaben meistern – unzähligen jungen Menschen kommt der Bundesfreiwilligendienst (Bufti) da gerade recht. Was vor dem Eintritt ins Berufsleben fasziniert, hat auch an dessen Ende seinen Reiz. Bei dem Projekt „Engagierter Ruhestand“ können angehende Ruheständler genau das erleben. Christian Hüsken ist einer von ihnen.

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Vom Süden an die Küste, um ehrenamtlich Gutes zu tun: Mit Rat und Tat zur Seite steht er ihnen, den Männern und Frauen, die aus aller Herren Länder nach Bremerhaven kommen. In der Seemannsmission tauschen sie für einen kurzen Zeitraum den schwankenden Schiffsboden gegen das Festland. Wohnen für die begrenzte Zeit in dem Hotel der Institution in der Schifferstraße oder nutzen den Seemannsclub „Welcome“ im Hafen, um ein wenig Zerstreuung zu erfahren, Billard zu spielen, mit der Familie zu chatten, Kleinigkeiten einzukaufen.


1000 Stunden ehrenamtliche Arbeit

Christian Hüsken begleitet sie dabei. Auf ihren Wegen zu Geschäften, bei ihrem Aufenthalt im „Welcome“. Manchmal reicht er ihnen Zimmerschlüssel unter der großen Plexiglasscheibe der Rezeption des Hotels hindurch. So wie an diesem schon recht herbstlich anmutenden Morgen.

Wie die Seeleute hat das Schicksal auch Hüsken nur für einen sehr begrenzten Zeitraum nach Bremerhaven gespült. Dort wo er herkommt, sind die Sommer wärmer und die Winter kälter. Südlich von München, in Weilheim, lebt der 58-Jährige. Norddeutsches Schietwetter hin oder her – die Möglichkeit, im Rahmen des engagierten Ruhestandes noch einmal einen völligen Szenenwechsel auszuprobieren und dabei auch noch Gutes zu tun, schien Hüsken reizvoll.

Für Mitarbeiter der ehemaligen Firmen der Deutschen Post

Deswegen nahm er das Angebot seines Arbeitgebers gerne an. Das gilt für Mitarbeiter der ehemaligen Firmen der Deutschen Post. Mitarbeiter, die das 55. Lebensjahr überschritten haben, können mitmachen. Praktisch bedeutet das: 1000 Stunden ehrenamtlich arbeiten und früher in Ruhestand gehen. „Ich habe mich auf den Internetseiten des Bundesfreiwilligendienstes umgesehen und überlegt, welches soziale Engagement mich besonders reizen würde“, beschreibt Hüsken sein Vorgehen.

Der studierte Ingenieur war jahrelang im Management des Telekommunikationsunternehmens Telekom beschäftigt. Und aktuell also in der Seemannsmission Bremerhaven. „Das wäre doch mal eine tolle Sache“, habe er sich gedacht, als er auf diese Möglichkeit aufmerksam wurde. Die Region anders als ein Tourist wahrzunehmen. Beim Seemannsclub „Welcome“ mitten im Hafenbereich dabei zu sein. Und außerdem bei den Bordbesuchsdiensten viele verschiedene Schiffe von innen zu erleben.

Internationalität hautnah

Auch, wenn seine Aufgaben eher praktischer Natur sind, erfährt Hüsken Internationalität hautnah. Und erlebt bei diversen Begegnungen so manches Unerwartete. „Kürzlich habe ich eine junge Philippinin in die Innenstadt gefahren. Sie erzählte mir, dass sie die Dritte Offizierin an Bord sei. Als ich sie fragte, was sie dort täte, sagte sie ‚I am driving that ship‘. Da war ich baff. Eine kleine zierliche Frau, die ein so großes Schiff manövriert, konnte ich mir bis dahin nicht vorstellen“, berichtet Hüsken und lächelt.

Beitrag für die Gesellschaft leisten

Als weitere Stationen seines engagierten Ruhestandes hat Hüsken bereits in einer Niederlassung der Tafel in seiner Heimat und in einem Altersheim gearbeitet. „Ich möchte gerne einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Das war mir schon in meiner Jugend wichtig. Das Berufsleben hat mich dann später aber zeitlich stark beansprucht. Da war wenig Raum für ehrenamtliche Tätigkeiten“, erzählt Hüsken, der in seiner freien Zeit Bremerhaven und das Umland mit dem Fahrrad erkundet.

Wertvolle Lebenserfahrung

Das Projekt „Engagierter Ruhestand“ sei eine fantastische Möglichkeit, Leute an das Ehrenamt heranzuführen, findet Thomas Reinold, Diakon bei der Seemanns-Mission in Bremerhaven. Die Arbeit dort funktioniere nur über die Mithilfe Ehrenamtlicher. Und gerade Leute wie Hüsken seien hier eine ganz großartige Ergänzung: „Christian Hüsken ist jemand, der sehr verantwortungsvoll auftritt, den man überall einsetzen kann. Nicht zuletzt auch wegen seiner Lebenserfahrung.“

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