Die Fußball-Europameisterschaft hat wie in den vergangenen Jahren das Geschäft mit Fernsehgeräten angekurbelt.

Die Fußball-Europameisterschaft hat wie in den vergangenen Jahren das Geschäft mit Fernsehgeräten angekurbelt.

Foto: Berg/dpa

Die Fußball-Europameisterschaft hat wie in den vergangenen Jahren das Geschäft mit Fernsehgeräten angekurbelt.

Heute

Auch der Handel fiebert mit bei der Fußball-EM

Mit der Fußball-Europameisterschaft (EM) verbinden sich viele Hoffnungen – nicht nur sportliche. Auch die Wirtschaft hat sich im Vorfeld stärkere Umsätze gewünscht. Zumindest für die Elektronikhändler hat sich das erfüllt, auch wenn die Einschaltquoten nach Angaben von ARD und ZDF deutlich hinter denen der EM 2016 und der WM 2018 zurückliegen.

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41 Prozent der deutschen Elektronikhändler haben laut einer Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) mit höheren Umsätzen gerechnet. Allerdings haben sich Hersteller und Händler im Vorfeld der coronabedingt auf dieses Jahr verschobenen EM mit Werbemaßnahmen sehr zurückgehalten, wie Jan König, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nordwest, sagt: „Denn wirklich planbar war ein solches Event auch in diesem Jahr nicht.“ Einen hohen Umsatzzuwachs wie bei großen Sportevents der vergangenen Jahre habe man deshalb nicht erwartet.

Trend zu großen Geräten

Doch zumindest die beiden großen Elektronikanbieter in der Region – Media-Markt in Spaden und Expert Bening mit seinen Filialen im Cuxland und Bremerhaven – verzeichnen eine gestiegene Nachfrage. „Ja, wir sehen Effekte beim Verkauf von TV-Geräten grundsätzlich im Zusammenhang mit solchen Fußball-Großevents wie EM oder WM – also auch in diesem Jahr und trotz Pandemie“, betont Björn Trüper, Leiter Marketing bei Expert Bening. Erkennbar sei auch der Trend zu größeren Bildschirmgrößen und zu „besonders brillanten Techniken wie OLED“.

Das bestätigt auch Janin Henking, Geschäftsführerin von Media-Markt in Spaden. „Anlässlich der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft sind insbesondere Produkte aus dem Bereich Unterhaltungselektronik ein großes Thema für unsere Kunden.“ Sie hat ein zunehmendes Interesse vor allem an großformatigen TV-Geräten beobachtet. Und auch Beamer seien für viele Kunden eine echte Alternative geworden, um die Spiele zu verfolgen. „Gerade, wenn diese in diesem Jahr coronabedingt nicht öffentlich in größerer Runde angeschaut werden können“, sagt Henking.

Nachfrage hängt von der Leistung der deutschen Mannschaft ab

Doch es gibt eine Hürde, wie Trüper erläutert: „Die Intensität der Nachfrage hängt wesentlich vom Erfolg der deutschen Nationalmannschaft ab.“ Zwar sei die Nachfrage kurz vor Beginn der EM am höchsten, aber die Nachfrage reiße nicht ab, solange die deutsche Mannschaft im Turnier sei. „Was unsere Umsatzsituation betrifft, sind wir nicht unzufrieden, und natürlich hoffen wir, dass unsere Mannschaft es bis ins Endspiel schafft.“ Diese Hoffnung hat sich aber nicht erfüllt – Deutschland schied im Achtelfinale gegen England aus.

Trotzdem dürften die Elektronikmärkte weiter auf zusätzlichen Umsatz hoffen. Media-Markt setzt auf Aktionen während des gesamten Zeitraums der EM. „Kunden können sich hierbei auf tolle Angebote quer durch das gesamte Sortiment freuen – im Markt und auch online“, kündigt Henking an.

Doch auch die Lebensmittel-Einzelhändler möchten von der EM profitieren. Laut der HDE-Umfrage hofft jeder Dritte von ihnen darauf. Doch der Erfolg ist bisher verhalten, wie Jan König vom Handelsverband sagt. Da die Stadien nur begrenzt Zuschauer einlassen dürften und auch Public Viewing nicht wie bisher stattfände, fehlten zum Teil Gemeinschaftsevents und die richtige Begeisterung für das Turnier. „Insofern fällt der Einfluss der EM auf den Umsatz mit Süßigkeiten oder Getränken nicht so hoch aus, wie wir das aus der Vergangenheit kennen“, meint König.

„Umsatz hängt von Erfolg der deutschen Elf ab“

Doch wie es genau im Lebensmittel-Einzelhandel aussehe, könne man derzeit noch nicht sagen. „Die weitere Entwicklung hierzulande hängt auch davon ab, wie weit es die deutsche Mannschaft im Turnier noch schafft“, bestätigt er die Einschätzung der Elektronikhändler. Doch inzwischen steht ja fest: Deutschland ist ausgeschieden. Trotzdem besteht aber die Hoffnung, dass die EM weiter für Zuschauer sorgt – und für Umsätze im Lebensmittel-Einzelhandel.

Eine messbare Auswirkung können aber immerhin schon die regionalen Wasserversorger präsentieren. Auf das Lebensmittel Nummer eins, wie Marcus Mende, Geschäftsführer des Wasserverbands Wesermünde, sagt: „Gerade bei Fußballspielen der deutschen Nationalmannschaft ist der sogenannte Halbzeiteffekt deutlich abzulesen.“ Allerdings wird dieses Wasser nicht getrunken. Geschätzt gehe jeder Zweite vor Beginn der Halbzeit auf Toilette, weiß Mende und nennt als Beispiel das letzte Vorrundenspiel der deutschen Elf gegen Ungarn: „In unserem Wasserwerk Häsebusch in Bramstedt stieg beispielsweise die Abgabemenge pro Stunde von unter 300 Kubikmeter auf 420 Kubikmeter an. Innerhalb weniger Minuten werden somit 120.000 Liter in diesem Bereich zusätzlich über das Leitungsnetz abgegeben.“ Doch dafür seien die technische Anlage und das Leitungsnetz ausgelegt.

Wasserverbrauch in Halbzeitpausen deutlich erhöht

Das betont auch Matthias Rinas, Geschäftsführer des wasser- und Abwasserverbands Wesermünde-Nord: „Wir verzeichnen bei den Fußball-EM-Spielen, gerade mit deutscher Beteiligung, zu den Halbzeitpausen sowie nach Spielende deutlich messbare Anstiege bei den Wasserverbräuchen. Diese sind zwar als signifikant zu bezeichnen, bringen uns jedoch nicht ins Schwitzen, da die von uns insgesamt leistbare Menge deutlich höher ist.“

Das bestätigt auch Alexander Jewtuschenko, Sprecher des Versorgers SWB. „Man sieht an den Zahlen, wie die Verbräuche in der Halbzeitpause hin steil anstiegen. Und man sieht auch: Je weiter im Turnier die Mannschaft kommt, desto mehr Menschen schauen offenbar zu.“ So stieg der Wasserverbrauch beim Spiel der deutschen Elf gegen Ungarn zur Halbzeit um 432.000 Liter, beim Spiel gegen England sogar um 900.000 Liter.

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