Zwei Theaterschauspieler auf der Bühne.

Hannes Riep und Verena Hoechst spielen in der neuesten Produktion der Niederdeutschen Bühne Waterkant.

Foto: Andrea Lammers

Hannes Riep und Verena Hoechst spielen in der neuesten Produktion der Niederdeutschen Bühne Waterkant.

Heute

Auf der Bühne spielend
das Plattdeutsche erlernen

„Nu komt se doch. Mak sich dat komod“, sagt Hannes Riep. Schnell entspinnt sich ein Dialog mit seiner Schauspielerkollegin Verena Hoechst. Auf Plattdeutsch. Wer ihnen zuhört, zweifelt keine Sekunde daran, dass sie zeitlebens so kommunizieren. Weit gefehlt. Kürzlich noch waren beide raus, sobald es über Begriffe wie Dösbaddel hinausging. Jetzt bestreiten sie ein Zwei-Personen-Stück der Niederdeutschen Bühne Waterkant.

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Und ihr plattdeutscher Wortschatz ist seit Probenbeginn für das Stück „Bi me to huus klock fief“ beachtlich gewachsen. Dennoch: „Dösbaddel“ ist nach wie vor das Lieblingswort des 22-jährigen Riep. Bühnenpartnerin Verena Hoest fügt dem Diskurs noch fix den Begriff Schietbüddel hinzu: „Zwei Worte, die zeigen, dass man im Plattdeutschen freche Dinge liebevoll ausdrücken kann“, nennt die junge Frau einen Grund, warum sie die Mundart so mag. „Platt ist direkt, aber nicht böse.“ Ein sprachliches Kontergewicht für in den sozialen Medien immer aggressiver geführte Kommunikation? „Ich glaube schon, dass auf Platt geführte Diskussionen friedlicher sind“, vermutet die 28-Jährige.

Ihr Großvater habe Platt sprechen können, es aber fast nie angewendet, weil die Großmutter es nicht beherrscht habe. „Wenn ich aber mal Platt im Radio oder so gehört habe, habe ich es schon verstanden.“ Im Gegensatz zum Verstehen müsse das Sprechen richtig erlernt werden.

Bereits in der fünften Produktion

Da war die junge Erzieherin mit dem Faible für das Theaterspielen bei der Niederdeutschen Bühne Waterkant genau an der richtigen Adresse. Hier steht sie nun bereits in der fünften Produktion auf der Bühne und bekommt von anderen Mitgliedern der Niederdeutschen Bühne auch noch die plattdeutsche Sprache gelehrt. Die helfen bei der Aussprache und greifen ein, wenn die Betonung mal nicht stimmt.

Einer von ihnen ist Hans-Dieter Wiemken. Er ist von Kind auf mit dem Plattdeutschen vertraut. Mit Ehefrau Gitta spricht er auch zu Hause hin und wieder Platt. Auch dort trifft sich das Ehepaar zuweilen mit Riep und Hoest zum Üben. „Platt ist unsere Heimatsprache. Ich finde es wichtig, dass sie gesprochen wird“, so Wiemken. Und das Üben mit den beiden jungen Leute mache ihm viel Spaß.

Zwei Theaterschauspieler auf der Bühne.

Hannes Riep und Verena Hoechst: Jeder verkörpert fünf Rollen in dem Zwei-Mann-Stück.

Foto: Lammers

Aktives Sprachtraining in den Proben

Riep hat beim Erlernen des Plattdeutschen für das aktuelle Stück aber vor allem auch auf das autodidaktische Vorgehen gesetzt: „Ich habe den Text zuerst zum besseren Verständnis auf Hochdeutsch und dann auf Plattdeutsch nachgelesen“, beschreibt er das Vorgehen. Ohne das aktive Sprachtraining in den Proben sei eine korrekte Aussprache jedoch nicht möglich. „Mir macht es viel Freude, Platt zu sprechen“, sagt der Student der Biotechnologie an der Hochschule Bremerhaven. Dort, wo er herkomme, aus Schwarzenbek in der Nähe von Hamburg, sprächen die Menschen ein anderes Platt. „Einer meiner Professoren hatte uns von der Möglichkeit berichtet, bei der Niederdeutschen Bühne mitzumachen. Das gefiel mir sofort, weil ich den lokalen Kulturkreis besser kennenlernen möchte.“

Dass das lokale Kulturgut in Form der plattdeutschen Sprache weitergelebt werde, ist den beiden jungen Leuten sehr wichtig. „Ich finde sogar, man sollte Platt generell in den Schulen lehren. Kölsch beispielsweise wird ja auch sehr lebendig gelebt. Warum sollte das mit Platt nicht auch funktionieren?“, findet Verena Hoechst.

Fünf Rollen für jeden

Neben der sprachlichen stellt die neue Theaterproduktion unter der Regie von Guido Fuchs die beiden Darsteller vor eine weitere Herausforderung: In dem Zwei-Mann-Stück verkörpert jeder fünf Rollen. Da heißt es, sportlich zu sein, wenn es um den Kostümwechsel geht. Und auch der Inhalt von „Bi mi to Huus, klock fief?“ hat es in sich. Das Stück schildert die Abenteuer der beiden Singles Celine und Jan-Marc auf der Suche nach einem Partner. Eigentlich müssten sie gar nicht in die Ferne schweifen, denn sie wohnen im selben Hochhaus. Doch bis Celine und Jan-Marc sich am Ende eher zufällig finden, erleben sie aufregende Situationen. Sowohl Jan-Marc als auch Celine erproben nacheinander sechs verschiedene Frauen beziehungsweise Männer, ohne dabei den jeweils richtigen Partner zu finden.

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