Beim Abschluss einer Versicherung müssen Verbraucher teilweise Fragen zu ihrer Gesundheit beantworten.

Beim Abschluss einer Versicherung müssen Verbraucher teilweise Fragen zu ihrer Gesundheit beantworten.

Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn

Beim Abschluss einer Versicherung müssen Verbraucher teilweise Fragen zu ihrer Gesundheit beantworten.

Heute

Augen auf beim Plus zur Kassenleistung

„Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“, fand Arthur Schopenhauer. Kaum eine Feststellung des Philosophen wird so häufig zitiert wie diese. Weil Gesundheit offenbar einen so hohen Stellenwert einnimmt, bieten Versicherer Policen an, die über den Krankenkassenstandard hinausgehen sollen. Worauf hier zu achten ist, weiß Verbraucherschützer Roland Stecher.

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Spätestens, wenn Zähne schmerzen oder bröckeln, kommt bei der Behandlung schnell die Frage nach den Kosten auf. Wer sich einen hochwertigen Zahnersatz, wie Implantate, Brücken oder Kronen wünscht, muss da nicht selten mehrere hundert Euro investieren. „Nur wer derartige Leistungen wünscht, sollte den Abschluss einer Zusatz-Versicherung erwägen“, sagt Stecher, der bei der Verbraucherzentrale Bremen Ratsuchende zum Thema Versicherungen informiert. „Reicht eine normale Versorgung, etwa eine Metallkrone ohne Verblendung, lohnt sich der Preis für die Versicherung in der Regel nicht.“

Gesundheitsfragen

Bei Vertragsabschluss werden, so Stecher, Gesundheitsfragen beantwortet werden müssen. „Knackpunkt, um eine Versicherung überhaupt zu bekommen, ist dabei: Der Zahnarzt sollte noch keinen Zahn als behandlungsbedürftig eingestuft haben.“ Denn Behandlungen, die bereits notwendig seien, würden in der Regel nicht in den Vertrag einbezogen. Praktisch bedeutet das, dass eventuell fehlende Zähne vom Versicherungsschutz ausgeschlossen werden. Deswegen: „Die Gesundheitsfragen sollten unbedingt korrekt beantwortet werden. Sonst riskiert man den Versicherungsschutz“, betont Stecher. Dann wären im schlimmsten Fall Beiträge an die Versicherung bezahlt worden, aber ohne Leistungen zu bekommen.

Roland Stecher ist Verbraucherschützer.

Roland Stecher ist Verbraucherschützer.

Foto: Verbraucherzentrale

Vorsicht ist geboten

Einige Anbieter nutzen diese Situation und werben mit Verträgen, bei denen bislang unversicherte Patienten sich noch im Schadensfall versichern können. Hier rät Stecher eindringlich zur Vorsicht: „Bei solchen Versicherungen steht eher das Marketing im Vordergrund. Im Sinn einer Solidargemeinschaft widerspricht diese Form eigentlich dem Versicherungsgedanken.“

Versicherungsbedingungen genau lesen

Insofern sei es wichtig, die Versicherungsbedingungen genau zu lesen. „Bei der generellen Leistungsaussage, beispielsweise der Verdopplung des gesetzlichen Festzuschusses sind keine großen Leistungszusagen möglich“, erläutert der Versicherungs-Experte. „In vielen Fällen wird die Leistung der gesetzlichen Krankenkasse nur bei 20 bis 30 Prozent an den entstehenden Gesamtkosten gemessen, sodass trotz der zusätzlich abgeschlossenen Versicherung hohe Eigenanteile verbleiben.“ Und: „Es sind dann auch die Selbstbehalte zu prüfen, das heißt in den Anfangsjahren der Versicherung eine Summenbegrenzung.“

Ganz unterschiedlich sei im Fall der Fälle die Zahlungsbereitschaft der Versicherer. „Generell wird anhand der allgemeinen Versicherungsbedingungen genau geprüft, was abrechnen- und erstattbar ist“, sagt Stecher. „Vor dem Zahnarztbesuch kann es durchaus sinnvoll sein den Versicherungsschein beim Gespräch mitzunehmen und die gewünschten Behandlungen anhand des Versicherungsschutzes durchzusprechen.“

Zahnzusatzversicherung nicht für junge Menschen

Für junge Menschen sei eine Zahnzusatzversicherung eher nicht zu empfehlen, meint Stecher. Statistisch gesehen werde erst in einem Alter von Mitte 30 bis Anfang 40 Zahnersatz nötig. „Aber auch Ältere sollten vor einem Abschluss einer Versicherung sorgfältig abwägen, welche Leistungen ihnen die Zahnzusatzversicherung im Vergleich zum jeweiligen Preis bietet“, rät der Verbraucherschützer.

Grundsätzlich gilt: „Die gesetzlichen Krankassen übernehmen bei Zahnersatz nur einen Teil der Kosten. Aber Zahnzusatzversicherungen, die den zu zahlenden Eigenanteil zu einem großen Teil übernehmen, sind relativ teuer“, so Stechers Fazit. Sein Rat: „Eine Alternative kann eine monatliche Rücklagenbildung sein, damit Kapital vorhanden ist, wenn ein teures Zahnimplantat, eine Krone oder Brücke gebraucht wird.“

Privatklinik ja oder nein

Ebenfalls oft augenfällig beworben werden Krankenhaus-Zusatzversicherungen. „Durch eine Zusatzversicherung fürs Krankenhaus kann ein Kassenpatient nahezu die gleichen Leistungen absichern wie Privatpatienten“, erläutert Stecher. „Dazu zählen die Wahl der Klinik, Behandlung durch den Chefarzt und ein Ein- oder Zwei- statt eines Mehrbettzimmers.“ Allerdings übernähmen viele Versicherer keine Behandlungskosten in einer Privatklinik, wenn kein Vertragsverhältnis mit der gesetzlichen Kasse des Patienten bestehe. „Dies sollten Patienten unbedingt abklären, bevor sie sich in eine Privatklinik begeben.“

Aufs Kleingedruckte achten

Und: Vor dem Abschluss einer Krankenhauszusatzversicherung sei auch zu prüfen, bis zu welcher Höhe ärztliche Honorare erstattet würden. „In der Regel werden die Kosten bis zum 3,5-fachen Satz der Gebührenordnung für Ärzte übernommen. Sind die Sätze im Krankenhaus höher, müssen Versicherte die Mehrkosten aus eigener Tasche bezahlen.“ Einige Versicherer übernähmen allerdings auch Chefarzthonorare ohne Begrenzung.

„Wem es bei der Unterbringung ausschließlich auf ein Einzelzimmer ankommt, sollte prüfen, ob es nicht kostengünstiger ist, den Aufpreis für das Zimmer selbst zu bezahlen, statt eine teure Zusatzversicherung abzuschließen“, rät Stecher.

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