Noch ein seltenes Bild im Fischereihafen: Ein Güterzug bringt Material-Nachschub für Stahlbau Nord.

Noch ein seltenes Bild im Fischereihafen: Ein Güterzug bringt Material-Nachschub für Stahlbau Nord.

Foto: Bremenports

Noch ein seltenes Bild im Fischereihafen: Ein Güterzug bringt Material-Nachschub für Stahlbau Nord.

Heute

Bald Güterzüge im Fischereihafen?

Im Bremerhavener Fischereihafen könnte es bald wieder Bahnverkehr geben. Ein entsprechender Masterplan, der von der Senatorin für Wissenschaft und Häfen in Auftrag gegeben wurde, sieht jedenfalls ein entsprechendes Potenzial für den Güterverkehr und schlägt Sanierungen an den bestehenden Gleisen vor.

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120 Güterzüge im Jahr könnten kurzfristig im Fischereihafen verkehren, langfristig sogar fast 600 im Jahr. Dieses Potenzial haben die Verfasser des Plans berechnet. Erarbeitet wurde der „Masterplan für das Industriestammgleis im Fischereihafen in Bremerhaven“ von der Hafengesellschaft Bremenports. Seit August 2018 ist diese nicht nur für die Hafeneisenbahn im Überseehafen zuständig, sondern auch für die Gleise im Fischereihafen.

In den vergangenen Jahren gab es außer den Fahrten der Museumseisenbahn zum Schaufenster Fischereihafen kaum noch Bahnverkehr. Seit 2018 ist die Anlage größtenteils gesperrt. Denn: „Die Eisenbahninfrastruktur befindet sich insgesamt in einem kritischen und überwiegend nicht betriebssicheren Zustand“, heißt es im Masterplan. Dabei war der Fischereihafen einst der größte Güterbahnhof Bremerhavens. Doch mit dem Niedergang der deutschen Hochseefischerei wurde dieser nicht mehr gebraucht, seit 1976 wurden die Bahnanlagen abschnittsweise demontiert. In den fünf Jahren vor der der Sperrung war der Bahngüterverkehr sehr stark schwankend – von jährlich drei bis 34 Zügen. Umgeschlagen wurden hauptsächlich Stahl und Windkraftkomponenten.

Hohe Nachfrage der Firmen

Doch nun habe sich die Lage grundlegend geändert, heißt es im Masterplan – aufgrund eines großen Interesses der ansässigen Unternehmen, „dessen Umfang den Bahnverkehr der vergangenen Jahre in dem Hafenareal deutlich übertrifft“. Dieses Interesse hat Bremenports durch eine Befragung der Unternehmen im Fischereihafen erkannt: „Die Unternehmen, die Interesse an Bahntransporten geäußert haben, weisen eine Branchenstruktur auf, für die Eisenbahngüterverkehr grundsätzlich attraktiv ist, schlagen bahnaffine Güter um oder liegen logistisch günstig direkt an oder in der Nähe der Bahnanlagen.“ Dabei reicht das Interesse durch alle Branchen: von Metall und Elektro über Holz, Keramik und Baustoffe bis hin zur Fischverarbeitung.

Entsprechend bezeichnet der Masterplan die Güter, die per Bahn transportiert werden könnten: Stückgut wie Holz und Fahrzeuge, Projektladung, Massengüter und Tiefkühlware. „Daneben gab es in der Vergangenheit Anfragen zum Bahnumschlag im Fischereihafen von Unternehmen, die keine Anrainer sind, beziehungsweise auch nicht von diesen beauftragt waren“, stellt der Masterplan fest.

Doch um den Güterverkehr zu ermöglichen, müsste das Land Bremen rund acht Millionen Euro investieren, hat Bremenports berechnet. Saniert werden müssten das Hauptgleis, Kopfgleise und Ausziehgleise. Dazu kommt die technische Ausstattung zweier Bahnübergänge an den Straßen Am Lunedeich und Deichhämme. Zudem empfiehlt der Masterplan die Erweiterung von Rangierkapazitäten, da das Hauptgleis im Fischereihafen vorwiegend eingleisig verläuft. Passiere das nicht, müssten die Waggons „bereits im Bahnhof Wulsdorf in der Reihenfolge der zu bedienenden Unternehmen vorsortiert sein“.

Außerdem sollte mittel- bis langfristig die heutige Ladestelle ausgebaut werden, insbesondere mit Blick auf die besonderen Bedürfnisse der fisch- und lebensmittelverarbeitenden Industrie. Der Masterplan empfiehlt auch, dass sich die ansässigen Unternehmen Privatgleisanschlüsse herstellen, die über eine Weiche mit dem öffentlichen Gleisnetz verbunden werden. Vorteil: Der jeweilige Betrieb würde über eine eigene Ladestelle verfügen, für die Zuschüssen im Rahmen der Gleisanschlussförderung des Bundes geben beantragt werden können.

Potenzial für Erweiterung

Auch den südlichen und westlichen Fischereihafen sowie das Gewerbegebiet auf dem Lune Delta hat der Masterplan im Blick. Diese eigneten sich grundlegend für „die Ansiedlung von Geschäftsbetrieben mit Nutzung von Eisenbahn und sehen darüber hinaus eine Bahnanbindung konzeptionell vor“.

Was nun konkret nach dem Masterplan kommen wird, steht aber noch nicht fest. „Der Plan ist Basis für zukünftige Investitionsvorhaben. Darüber muss die Politik noch entscheiden“, sagt Bremenports-Sprecher Holger Bruns. Dass das Land Bremen aber ein Interesse am Schienenverkehr im Fischereihafen haben dürfte, darauf wird auch im Masterplan hingewiesen: „Im aktuellen Koalitionsvertrag der bremischen Landesregierung ist vorgesehen, den Verkehrsträger Schiene im Land Bremen und in der Region dauerhaft zu stärken, indem Kapazitäten ausgebaut werden. Hier liegt das Augenmerk sowohl auf der Verbesserung der Infrastruktur in den Häfen als auch auf deren Hinterlandanbindung.“ Und auch der Bund strebe die Stärkung der Schiene an.

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