Filialleiter Lars Müller im Video-Teamgespräch mit der Praktikantin Malin Held.

Filialleiter Lars Müller im Video-Teamgespräch mit der Praktikantin Malin Held.

Foto: Bohn

Filialleiter Lars Müller im Video-Teamgespräch mit der Praktikantin Malin Held.

Heute

Berufspraktikum von zu Hause aus

Ein Berufspraktikum gehört für Schüler dazu und soll der Berufsorientierung dienen. Doch Corona hat vielen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aus Angst vor einer Infektion sagten viele Betriebe ab. Doch die Deutsche Bank ging einen anderen Weg: Sie ermöglichte der 17-jährigen Malin Held ein Hybridpraktikum.

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Hybrid – das heißt in diesem Fall eine Mischung aus Anwesenheit in der Filiale und digitalen Lösungen. „Wir haben das zweiwöchige Praktikum auf 80 Prozent Homeoffice und 20 Prozent Präsenz in der Filiale ausgelegt“, erzählt Lars Müller, Filialdirektor der Deutschen Bank Bremerhaven. Diese Lösung ist nicht nur vor Ort ziemlich einmalig. „Ich weiß von keinem Unternehmen, das das auch so gemacht hat“, sagt Müller. Auch in der Deutschen Bank ist das Modell neu, sei quasi ein Pilotprojekt, meint Müller.

Relativ kurzfristige Lösung

Dabei sei diese Lösung relativ kurzfristig entstanden, berichtet der Filialdirektor. „Es wäre einfach schade gewesen, wenn wir das Praktikum hätten absagen müssen“, sagt Müller, der das Modell des Berufspraktikums für sehr wichtig hält. Zudem suche sich die Bank ihre Praktikanten genau aus – vom Bewerbungsschreiben bis zum persönlichen Gespräch. „Wir gucken, ob es passt. Da legen wir die gleichen Kriterien wie für unsere Auszubildenden an, inklusive der Schulnoten“, erläutert der Filialdirektor. Und bei Malin Held habe alles gepasst. Leider habe sich die Corona-Lage dann so ungünstig entwickelt, dass das Praktikum in Gefahr geriet. Denn da Banken zur kritischen Infrastruktur gehören, seien die Sicherheitsvorkehrungen besonders scharf, betont Müller.

„Allerdings sind wir in Sachen Digitalisierung schon vor Corona sehr weit gewesen – sowohl für Mitarbeiter als auch für Kunden. Darauf aufbauend haben der Ausbildungsbeauftragte und ich das Praktikum konzeptioniert“, erläutert er. Allerdings musste der Praktikumsplan flexibel gehalten werden, weil es auch Quarantänefälle in der Bank gab. „Wir sind dann quasi auf Sicht gefahren“, sagt Müller.

Jeden morgen Teamgespräch

Jeder Tag begann für Malin Held mit einem Teamgespräch mit Müller. Hierbei gab es dann auch immer einen Ausblick, was der weitere Plan vorsah. Danach ging es in den jeweiligen Abteilungen weiter – denn wie in einem normalen Praktikum auch, durchlief Malin Held alle Bereiche der Bank, lernte alles kennen. Der einzige Unterschied: Sie war nicht immer in der Filiale. Doch dafür gab es Videokonferenzen, bei denen bei Bedarf der Bildschirm geteilt wurde, um beispielsweise Präsentationen zu zeigen. Und auch an Kundengesprächen konnte die 17-jährige Schülerin des Lloyd Gymnasiums teilnehmen. „Wie jeder Praktikant und Auszubildende wurde sie natürlich gleich am ersten Tag über das Bankgeheimnis belehrt und musste eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben“, betont Müller.

Ein großer Teil des Praktikums bestand aber auch aus Aufgaben, die Malin Held lösen musste. Dabei bekam sie Arbeitsmaterial gestellt und konnte auch auf öffentlich zugängliche Bankinformationen und die Homepage zurückgreifen. Und am Ende des Praktikums stand eine Präsentation, die sie in der Bank vor wenigen Mitarbeitern hielt. Darin beschäftigte sie sich mit den finanziellen Lösungen für Berufseinsteiger und neuen Kanälen, um junge Leute zu erreichen – in ihrem Fall die Plattform TicToc.

Beide Seiten sind zufrieden

Die 17-jährige blickt begeistert auf die Zeit zurück: „Ich war sehr froh, dass ich mein Praktikum absolvieren konnte. Das konnten viele Mitschüler nicht“, erzählt sie. Zu Anfang sei sie zwar schon etwas skeptisch gewesen. Doch das sei schnell verflogen. Und auch die eigenverantwortliche Zeiteinteilung zu Hause habe sehr gut geklappt. Das habe schließlich auch ihre Eltern und ihre Lehrerin überzeugt. „Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, und ich habe viel gelernt“, zieht sie Bilanz. Positiv habe sich ausgewirkt, dass sie für ihr Praktikum das iPad einsetzen konnte, das sie von der Schule gestellt bekommen hat.

Und auch Filialdirektor Müller ist sehr zufrieden: „Das hat hervorragend geklappt. Daumen hoch“, sagt er. Malin Held werde neben einem guten Praktikumszeugnis auch eine Empfehlung bekommen. Die könne ihr bei späteren Bewerbungen bei der Deutschen Bank helfen. Doch dort sei man sowieso auf die junge Frau aufmerksam geworden, sagt Müller: „Die Ergebnisse ihrer Präsentation sind direkt an unsere Marketingabteilung in Frankfurt gegangen“, erzählt er.

Müller will Hybridpraktikum weiter anbieten

Und Müller hat die Erfahrungen mit dem Hybridpraktikum an die zuständige Stelle für die Ausbildung in der Deutschen Bank weitergegeben. „Vielleicht gibt es so etwas dann ja auch in anderen Filialen“, hofft er. In Bremerhaven soll diese Form des Praktikums jedenfalls weiter mit angeboten werden – nur außerhalb von Corona-Zeiten mit einem höheren Anteil von Präsenzpflicht in der Filiale. „Mindestens 50 Prozent“, sagt Müller.

Seine Erfahrungen hat er auch im Netzwerk Schule, Wirtschaft, Wissenschaft für die Region Unterweser geteilt. Dort arbeitet er in einem Arbeitskreis. „Ich kann nur jedem Unternehmen empfehlen, auch auf digitale Möglichkeiten zurückzugreifen – wo es geht. Das ist besser als ein Praktikum abzusagen“, ist er überzeugt.

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