Dörte Behrmann (links) und Kira Grüning im Podcast-Studio.

Kira Grüning (links) und Dörte Behrmann im Podcast-Studio.

Foto: van Veenendaal

Kira Grüning (links) und Dörte Behrmann im Podcast-Studio.

Heute

Bremerhaven: Hier gibt es Maritimes für die Ohren

Sie geraten in Seenot, werden schon mal in Panama ins Gefängnis gesteckt, räuchern Aale oder entdecken blinde Passagiere an Bord: Seeleute und Hafenarbeiter können so einiges berichten, wenn man sie denn mal erzählen lässt. Genau dies ermöglicht der Podcast „Schauermanns Geschichten“, der seit Oktober gehört werden kann.

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Schauermann, das ist eine alte Bezeichnung für Hafenarbeiter. Um sie geht es in den Hörbeiträgen, die man sich zu jeder Zeit im Internet anhören kann – zum Beispiel bei Spotify sowie den Podcast-Apps von Apple, Google und Podimo.

Aufgenommen werden die Berichte im Rahmen eines Gesprächs mit Kira Grüning. Sie arbeitet bei der Tourismusgesellschaft Erlebnis Bremerhaven als Projektkoordinatorin, und ist für „Schauermanns Geschichten“ zuständig. Das Studio befindet sich im „Maschinenraum“ – ein Geschäft, das die Touristiker im Columbus Center angemietet haben. Einer der hinteren Räume ist für die Podcast-Produktion reserviert. Zehn Folgen sind bereits online.

Mit dem Börteboot in Schwierigkeiten

Was die Interviewgäste berichten, ist manchmal spannend wie ein Krimi. So wie die Geschichte von Oliver Seibel, der in Bremerhaven für sein Wassertaxi bekannt ist. In der Folge „Die Glückliche in Seenot“ schildert er, wie er mit seinem Börteboot „Lottjen“ vor einigen Jahren in der Elbmündung so richtig in Schwierigkeiten geraten ist. Nicht nur bei dieser Geschichte lernt der Zuhörer übrigens ganz nebenbei auch ein paar Begriffe aus der Welt der Seefahrt.
So beschreibt Seibel, wie er damals bei Windstärke sieben und sogenannter Hacksee durchs Wasser fuhr. Das heißt, der Strom drückte das Boot von hinten und der Wind kam von vorne. Das Boot „krachte in die Welle“ und dann löste sich auch noch das Kalfaterband – eine Dichtschnur – aus den Fugen der Planken. Sie wickelte sich um die Pumpen, immer mehr Wasser sammelte sich im Boot. In dem Podcast erfährt der Zuhörer, wie ihm ein Freund, der zunächst gar nicht an Bord war, und ein Tanker aus der Misere halfen.

In einer anderen Folge berichtet Hans-Joachim Fiedler vom gleichnamigen Fischmarkt, wie sein Vater den Grundstein für das Familienunternehmen gelegt hat. In einer weiteren Episode gibt Thomas Reinold, Diakon bei der Seemannsmission, einen Einblick in seine Arbeit. Und in der nächsten Sendung spricht Nils, ein leitender Ingenieur auf einem Containerschiff darüber, wie es ist, blinde Passagiere an Bord zu finden. Alle zwei Wochen kommt ein neuer Podcast-Teil dazu. Bald ist Sebastian Gregorius von der Fischereihafen-Betriebsgesellschaft zu Gast.

Die Idee für das Format sei bereits im Rahmen des Tourismuskonzepts 2018 geboren worden, berichten Grüning und Dörte Behrmann, Pressereferentin der Erlebnis Bremerhaven. Doch zunächst haben die beiden sich auf einen anderen Podcast konzentriert: Er heißt „Bremerhaven funkt“, soll Lust auf die Seestadt machen und ist seit Anfang 2020 am Start.

Grüning und Behrmann kämpfen sich durch den Technik-Dschungel

Für Grüning und Behrmann, die diesen Podcast gemeinsam bestreiten, war das Herstellen von Audiodateien zunächst Neuland. „Wir mussten uns natürlich erst einmal durch den Technik-Dschungel kämpfen“, blicken beide zurück. Und dann ist da ja noch das Sprechen am Mikrofon – auch nicht jedermanns Sache. „Das war schon ziemlich aufregend und lief vermutlich auch etwas unkoordiniert“, räumt Behrmann schmunzelnd ein.

Auch für die Gesprächsgäste sei das Ganze meist etwas herausfordernd. „Es muss aber niemand Angst haben“, betont Grüning. „Das Schöne ist, dass man alles schneiden kann“, meint sie. Versprecher und „Ähs“ entferne sie zum großen Teil. Am Ende solle jede Episode eine runde Sache sein, mit der sich alle Beteiligten wohlfühlen.

Alle, die eine Geschichte zu erzählen haben, oder jemanden kennen, der Spannendes berichten könnte, seien herzlich eingeladen, sich zu melden.

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