Christina (links) und Nina Morgenroth (rechts) leiten gemeinsam mit ihrer Freundin Bianca die „Moppelmöwen“.

Christina (links) und Nina Morgenroth (rechts) leiten gemeinsam mit ihrer Freundin Bianca die „Moppelmöwen“.

Foto: van Veenendal

Christina (links) und Nina Morgenroth (rechts) leiten gemeinsam mit ihrer Freundin Bianca die „Moppelmöwen“.

Heute

Bremerhaven: „Moppelmöwen“ halten im schweren Alltag zusammen

Wenn Nina Morgenroth und Christina* in ein Café gehen, achten sie auf Dinge, die andere Gäste vielleicht übersehen: Sind die Stühle stabil? Haben sie störende Armlehnen? Sind die Toiletten geräumig genug? Und gibt es dort womöglich Hänge-WCs? Für stark übergewichtige Menschen können diese Sachen problematisch werden. Das wissen die beiden Frauen aus eigener Erfahrung. Vor rund einem halben Jahr haben sie mit ihrer gemeinsamen Freundin Bianca* die anonyme Adipositas-Selbsthilfegruppe „Moppelmöwen“ gegründet.

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Es sind nicht nur die räumlichen Gegebenheiten, die für Übergewichtige eine Hürde im Alltag darstellen können. Auch manche Blicke oder Bemerkungen der Mitmenschen führen bei einigen Betroffenen zum stetigen Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben. „Ab einem gewissen Gewicht hat man öfter unschöne Erlebnisse“, berichtet Nina Morgenroth. Sie selbst könne sich zum Beispiel gut daran erinnern, wie sie sich einmal in einem Brautmodengeschäft nach einem Hochzeitskleid erkundigt habe. „Die Verkäuferin guckte mich nur an und sagte, dass man in meiner Größe auf jeden Fall nichts habe. Das müsse extra angefertigt werden, und deshalb müsste ich es dann auch auf jeden Fall nehmen“, erzählt die 45-Jährige. Dabei habe sie eigentlich nur für eine Freundin mit Größe 38 gefragt. „Und wie man angeschaut wird, wenn man sich mal etwas mehr zu essen bestellt, kann sich wohl jeder vorstellen“, meint Christina.

„Nicht wenige Übergewichtige isolieren sich dann. Sie gehen manchmal noch nicht einmal mehr zum Arzt, weil sie sich irgendwann einreden, dass jeder sie anstarrt“, sagt Nina Morgenroth.

Übrigens sei nicht immer ein übermäßiges Essen Grund für die Körperfülle. „Es können unter anderem auch bestimmte Medikamente, eine Stoffwechselerkrankung oder psychische Probleme dahinterstecken“, erläutert die Bremerhavenerin. „Ich zum Beispiel war schon als Kind pummelig, weil ich wegen einer Hüfterkrankung über Jahre Cortison nehmen musste.“

Waage zeigt nur noch „Error“

Mit 18 Jahren habe sie 100 Kilogramm gewogen. Irgendwann zeigte die Waage, die bis 180 Kilo erfassen konnte, nur noch „Error“ an. „Ich gehe davon aus, dass ich zu dem Zeitpunkt weit über 200 Kilo drauf hatte.“ Wobei sie auch mal schnell 30, 40 Kilo abnehmen – und auch wieder zunehmen – konnte.

Schön öfter hatte sie mit dem Gedanken einer Magenverkleinerung gespielt. Die letztendliche Initialzündung seien die Hochzeitspläne mit ihrem Ehemann gewesen. „Mein Partner hat es in keiner Weise von mir verlangt. Aber ich wollte ein langes, gesundes Leben mit ihm teilen“, schildert sie. 2018 wurde ihr bei einer Operation dann der Magen verkleinert. Danach habe sie sich erst einmal an die kleineren Nahrungsmengen gewöhnen müssen. „Mittlerweile schaffe ich im Restaurant aber ohne Probleme eine Kinderportion“, verrät sie schmunzelnd.

Bei den Zusammenkünften der „Moppelmöwen“ soll es jedoch definitiv nicht nur um das Thema Magen-OP gehen. Mittlerweile haben sich sogar zwei Schwerpunktgruppen herausgebildet: Eine befasst sich mit den Operationen, eine mit allen anderen Belangen. „Wir berichten von unseren Erfahrungen, damit die Leute sehen, dass sie nicht alleine sind“, meint Morgenroth.

Treffen einmal im Monat

Die Gruppe trifft sich an jedem dritten Montag im Monat ab 19 Uhr in der Dürerstraße 27 – eigentlich. Denn wegen Corona habe man erst etwa drei Mal real zusammenkommen können. Die meisten Begegnungen hätten bislang online stattgefunden, erzählen Nina Morgenroth und Christina.

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