Akteure der Schiffahrts-Compagnie Bremerhaven auf der "Quarantäne" (v. l.): Reinhard Dins, Vizevorsitzender Heino Tietjen, Ingrid Grübner und Vorsitzender Rüdiger Pallentin.

Akteure der Schiffahrts-Compagnie Bremerhaven auf der "Quarantäne" (v. l.): Reinhard Dins, Vizevorsitzender Heino Tietjen, Ingrid Grübner und Vorsitzender Rüdiger Pallentin.

Foto: Heske

Akteure der Schiffahrts-Compagnie Bremerhaven auf der "Quarantäne" (v. l.): Reinhard Dins, Vizevorsitzender Heino Tietjen, Ingrid Grübner und Vorsitzender Rüdiger Pallentin.

Heute

Corona leert Kasse der „Wal“-Crew

„Quarantäne“ heißt die historische Hafenarztbarkasse, die ihren Liegeplatz im Neuen Hafen hat. Ihr Name besitzt angesichts der Pandemie aktuelle Brisanz. Die Corona-Folgen sind jedoch nicht allein medizinische. Finanziell haben die Lockdowns auch den Trägerverein Schiffahrts-Compagnie Bremerhaven (SGB) getroffen. Dabei benötigt der Verein vor allem für seinen Dampfeisbrecher „Wal“ bald eine Stange Geld.

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Ein Kern von 25 bis 30 ehrenamtlich Aktiven hält die „Wal“ und die „Quarantäne“ als fahrende Kulturdenkmäler in Betrieb. Allerdings kommt die SGB bei größeren Reparaturen nicht ohne Werftaufenthalte aus. „Wir sind sehr betroffen von Corona, denn wir benötigen die Einnahmen aus Gästefahrten, um die Instandhaltung der Schiffe zu finanzieren“, berichtet Heino Tietjen, Vize-Vorsitzender der SGB. Die Einnahmeausfälle durch die Pandemie beziffert er auf rund 200.000 Euro – bisher. Neben ausgefallenen Törns schlägt auch die coronabedingte Einschränkung der Fahrgastzahlen ins Kontor.

Notwendige Investitionen

Der Zeitpunkt der Einnahmeausfälle ist besonders unglücklich, weil der Verein in nicht allzu ferner Zukunft erheblich in den Dampfeisbrecher investieren muss, wenn das 1938 gebaute Schiff in Fahrt bleiben soll. Probleme bereitet die mehr als 60 Jahre alte, mit Heizöl befeuerte Kesselanlage. „Notwendig ist mindestens eine neue Berohrung des Dampfkessels“, sagt der SGB-Vorsitzende Rüdiger Pallentin. Die würde schon mit mehreren Hunderttausend Euro zu Buche schlagen. Falls der gesamte Kessel erneuert werden muss, wäre wohl ein Millionenbetrag fällig. Trotz der Unterstützung durch die Stadt und durch Sponsoren könne die SGB Investitionen in dieser Höhe nicht stemmen.

Die „Wal“ an ihrem Liegeplatz im Neuen Hafen. Der Dampfeisbrecher wird bei den Maritimen Tagen vertreten sein.

Die „Wal“ an ihrem Liegeplatz im Neuen Hafen. Der Dampfeisbrecher wird bei den Maritimen Tagen vertreten sein.

Foto: Hartmann

„Wir wollen aber ein aktives Schiff bleiben“, sagt Pallentin. „Der Dampfeisbrecher ist ein maritimes Kulturgut, das wir in Bremerhaven erhalten sollten“, ergänzt Tietjen. Gerade wegen seiner historischen Dreifach-Expansionsdampfmaschine hatte man das Schiff 1990 in die Seestadt geholt. Der SGB-Vorstand verweist auch auf die touristische Bedeutung der Traditionsschiffe. „Ohne die wäre der Neue Hafen ziemlich leer“, gibt Pallentin zu bedenken. Außerdem sei der Dampfeisbrecher durch Besuche in anderen Häfen ein Repräsentant der Seestadt.

Anfang September habe der SGB-Vorstand einen Gesprächstermin mit Oberbürgermeister Melf Grantz, um über die Situation zu sprechen. Außerdem versuchen die Traditionsschiffer, weitere Förderquellen anzuzapfen. Zudem denkt die SGB auch über die Gründung einer Stiftung zum Erhalt aller Traditionsschiffe in Bremerhaven nach. „Das könnte das Sammeln von Spenden vereinfachen“, meint Tietjen.

Weitreichende Konsequenzen

Gleichzeitig hofft der SGB-Vorstand, dass eine Neufassung der Vorschriften für Traditionsschiffe durch das Bundesverkehrsministerium endlich konkrete Form annimmt. Die Konsequenzen für den Betrieb historischer Schiffe könnten weitreichende sein. Eventuell müssen die Betreiber in zusätzliche Sicherheitseinrichtungen investieren und Stabilitätsunterlagen nachreichen. Außerdem kann es sein, dass die Fahrtrouten beschränkt werden, wenn Maximalentfernungen vom nächsten sicheren Hafen festgelegt werden sollten. „Wir haben großes Verständnis für Sicherheitsfragen“, betont Pallentin. Allerdings diskutiere eine Arbeitsgruppe die neuen Vorschriften seit mittlerweile zwei bis drei Jahren. „Wir benötigen aber Planungssicherheit.“

Am heutigen Sonntag soll die „Wal“ in den Neuen Hafen zurückkehren – von einer Gästefahrt nach Helgoland. Für den kommenden Donnerstag, 12. August, ist während der Maritimen Tage eine Ausfahrt geplant. Vom 19. bis zum 22. August dampft die „Wal“ zum Wochenende an der Jade nach Wilhelmshaven. Auch hier ist eine Mitfahrt möglich.

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