Ein Holzmechaniker montiert in einer Möbelbaufirma Schränke.

Ein Holzmechaniker montiert in einer Möbelbaufirma Schränke. Mittlerweile ist Holz aber zum knappen Rohstoff geworden, wodurch es zu Engpässen kommt.

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Ein Holzmechaniker montiert in einer Möbelbaufirma Schränke. Mittlerweile ist Holz aber zum knappen Rohstoff geworden, wodurch es zu Engpässen kommt.

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Darum kommt es zu Lieferengpässen in der Möbelbranche

Gestiegene Rohstoffpreise, Materialengpässe und mangelnde Transportkapazitäten im Seeverkehr – das macht der Möbelbranche zu schaffen. Das bekommen auch die Endkunden zu spüren: Längere Lieferzeiten und höhere Preise bei einzelnen Waren sind die Folgen. Möbelhändler in der Seestadt und im Cuxland bemühen sich aber, das abzufedern.

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Die Materialknappheit betrifft die wichtigsten Bauteile: neben Holz auch Metall, Beschläge, elektronische Bauteile, Polsterschäume, Bezugsstoffe und Verpackungsmaterialien. Ein Umstand, der Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Möbelindustrie, Sorgen macht: „In unserer jüngsten Verbandsumfrage gaben 42 Prozent der befragten Möbelhersteller an, dass es wegen der Engpässe zu Einschränkungen und Verzögerungen in der Produktion kommt.“ Zudem bezahlten Hersteller derzeit zum Teil das Doppelte für das benötigte Material.

Verband: Es kommen viele Faktoren zusammen

Auch im Handel ist die Entwicklung schon angekommen. In der Möbelbranche komme es teilweise zu Lieferengpässen, bestätigt Jan König, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Nordwest mit Sitz in Oldenburg. Es kämen viele Faktoren zusammen: „Auf der einen Seite haben Hersteller in den vergangenen Monaten ihre Produktion pandemiebedingt heruntergefahren und Lagerbestände abgebaut, auf der anderen Seite haben die Menschen die letzten 1,5 Jahre genutzt, um es sich zu Hause schön zu machen.“ Hinzu kämen Engpässe bei Rohstoffen, ausgelöst beispielsweise beim Holz durch den Borkenkäfer oder extreme Trockenheit.

Auch die gestiegenen Rohstoffpreise machten sich bemerkbar, sagt König: „Die Rohstoffe, die für den Möbelmarkt von Bedeutung sind, haben sich seit Jahresbeginn im Schnitt um etwa 20 Prozent verteuert. Alleine die Holzpreise haben sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt.“

Und wie reagieren die Händler darauf? „Da nicht ausgeschlossen ist, dass es auch in den kommenden Monaten zu weiteren Preissteigerungen bei den Rohstoffen kommt, baut der eine oder andere Händler möglicherweise Lagerbestände auf und bevorratet sich“, weiß König. Das könne aber nicht jeder. In der Regel kommunizierten Händler aber offen längere Lieferzeiten.

In einigen Fällen kann es zu Lieferengpässen kommen

So wie bei der Kemner Home Company in Bad Bederkesa. „Das Wichtigste ist die rechtzeitige und transparente Information unserer Kunden“, betont Geschäftsführer Nils Kuiper. Es komme aber nur in Ausnahmefällen zu größeren Lieferengpässen. Längere Lieferzeiten als gewohnt gebe es derzeit in Teilsortimenten. Doch pflege Kemner langfristige Partnerschaften mit leistungsstarken Lieferanten: „Trotz der teilweise sehr herausfordernden Beschaffungssituation sind diese größtenteils in der Lage, zuverlässig zu liefern.“

Auch die enormen Preissteigerungen für einzelne Komponenten konnte Kemner „in einem überschaubaren Rahmen“ halten, sagt Kuiper. Hier wirkten sich die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Lieferanten und der leistungsstarke Einkaufsverbund aus.

Auch der Möbel-Discounter Poco, der in Bremerhaven einen Einrichtungsmarkt betreibt, spürt die Auswirkungen der Engpässe. Grund sei eine erhöhte Rohstoff-Nachfrage im Binnenmarkt sowie aus China und den USA, erläutert Sprecherin Lisa Kreyenbaum. Auch die Rohstoffe für Schaumstoffherstellung seien limitiert. „Somit sind sowohl Kasten- als auch Polstermöbel betroffen und selbst der Küchenbereich durch Elektrogeräte aus Asien.“

Engpässe führen zu steigenden Preisen

Die Lage führe unweigerlich zu steigenden Preisen, bedauert Kreyenbaum. Ein Ende der Steigerungen sei derzeit nicht absehbar. Allerdings hat Poco bereits im Sommer 2020 „sehr verbindliche und weitreichende Kapazitätsplanungen“ getroffen, wie die Sprecherin erzählt. Diese Strategie der deutlichen Überbestände führe man fort. „Dennoch sind auch wir gezwungen, sämtliche Preiserhöhungen in Form von marktgerechten Preisanpassungen weiterzugeben“, bedauert sie. Teilweise gebe es Lieferausfälle. Dann werde flexibel mit Artikeltausch reagiert.

Container sind knapp

Zu schaffen macht Poco zudem die Verknappung der Container im Seeverkehr, Verzögerungen bei der Verschiffung und gestiegene Frachtraten. Das kann auch Branchengigant Ikea, der in Bremerhaven eine Filiale unterhält, nur bestätigen. Der schwedische Konzern hat reagiert und beispielsweise eigene Container gekauft oder zusätzliche Schiffe gechartert, wie Kim Steuerwald, Leiterin der Public-Relations-Abteilung, berichtet. „Dadurch hat sich die Situation verbessert, aber wir sehen, dass wir weitere Maßnahmen ergreifen müssen.“

Deswegen konzentriert sich der Konzern „auf die Verfügbarkeit der wichtigsten und beliebtesten Produkte“, so Steuerwald – und verzichtet auf rund 600 der 12.000 Artikel in den Einrichtungshäusern, wie das „Handelsblatt“ erfahren hat. Aber Ikea tue sein Möglichstes, die Transportkapazitäten weiter auszubauen, versichert Steuerwald: „Wir prüfen außerdem Möglichkeiten einer verstärkten regionalen Versorgung und arbeiten über alle Ikea-Organisationen hinweg und mit all unseren Partnern daran, die Situation zu verbessern.“ Preiserhöhungen müssen Kunden nicht befürchten, betont die Sprecherin. Im Gegenteil: Der Konzern senke die Preise zahlreicher Produkte deutlich.

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