Briefmarkensammler

Treffen sich zweimal im Monat im Seniorenhus in Wulsdorf (von links): Gustav-Adolf Ernst, Rolf Huth, Roland Herzberg, Bernd Meyer und Hermann Adebar.

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Treffen sich zweimal im Monat im Seniorenhus in Wulsdorf (von links): Gustav-Adolf Ernst, Rolf Huth, Roland Herzberg, Bernd Meyer und Hermann Adebar.

Heute

Die letzten Briefmarkensammler

Bremerhaven. Die bunten Motive auf Briefen waren einmal sehr beliebt. In den 1960er und 1970er erlebte das Briefmarkensammeln einen Boom. Selbst in 1980ern war ein Sammelalbum noch bei vielen Jugendlichen zu finden. „Doch die Zeiten sind vorbei“, bedauert Rolf Huth, Vorsitzender des Vereins der Briemarken-Sammler Bremerhaven. Heutzutage beschäftigten sich viele nur noch mit dem Internet.

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186 Mitglieder hatte der Bremerhavener Verein noch im Jahr 1980, heute sind davon lediglich 30 übrig. „Das ist ein Problem, das alle Vereine betrifft, nicht nur unseren“, meint Huth. Doch die restlichen Sammler bleiben ihrem Hobby treu. Der harte Kern trifft sich zweimal im Monat im Seniorenhus in Wulsdorf. Alle sammeln schon seit ihrer Kindheit – also eine sehr lange Zeit, denn das Durchschnittsalter im Verein beträgt 75 Jahre.

Gerechnet wird in Alben

Kein Wunder, dass die fleißigen Sammler die Zahl ihrer Stücke nicht genau angeben können. „Wir rechnen eher in Alben“, sagt Roland Herzberg und lächelt. Allein 13 bis 14 Bände habe er nur zum Thema Schifffahrt, sagt der 75-Jährige stolz. Damit könnte man schon eine Themenausstellung bereichern. Denn Briefmarkensammler konzentrieren sich oftmals auf Themengebiete.

Beliebt seien beispielsweise Vögel, Fische, Schmetterlinge und auch Pferde, weiß Huth. Er selber konzentriert sich eher auf ganz spezielle Gebiete. So habe er eine Spezialsammlung Alt-Kreta. Da habe es nur von 1900 bis 1913 Marken gegeben, erzählt der 85-Jährige. Oder aber Briefmarken in den Farben des Weltpostverbands. Das Farbschema ab 1906 war für die drei wichtigsten Sendungsarten im internationalen Postverkehr gedacht. Grüne Marken für Drucksachen der ersten Gewichtsstufe, rote Marken für Postkarten, blaue Marken für Briefe der ersten Gewichtsstufe. Diese Empfehlungen des Weltpostvereins wurden 1953 aufgehoben. Huth hat derzeit rund 250 Alben. „Schon mein Vater hat Briefmarken gesammelt. Da war es klar, dass ich auch anfange“, sagt er. In der Schule sei damals rege getauscht worden.

Doch Briefmarken seien nicht nur schön, sondern auch lehrreich, betont Gustav-Adolf Ernst. „Ich habe durch Briefmarken die ganzen Hauptstädte in Europa gelernt“, erzählt der 88-Jährige stolz. Und so gebe es noch etliche andere Gebiete, die man sich so erschließen könne. Ein tolles Hobby, findet Ernst. Als Kind habe er oft damit verbracht die Marken von den Briefen abzulösen. Das gehe mit Wasserdampf. „Aber besser ist heißes Wasser. Das ist gründlicher“, weiß er.

Auch Stempel interessant

Oftmals werden die Marken aber auch gar nicht mehr abgelöst, erzählt Bernd Meyer. „Dann kommt es nämlich nicht nur auf die Briefmarke, sondern auch auf den schönen Stempel an“, erläutert der 72-Jährige. Ein Beispiel seien die Ersttagsbriefe. Doch leider werde den Sammlern heutzutage das Leben schwer gemacht, bedauert Hermann Adebar. So würden die Marken oftmals unkenntlich gestempelt. „Oder sogar überklebt“, bemängelt Ernst und zeigt einen Umschlag, auf dem über die schöne Briefmarke mit Bremerhaven-Motiv ein Barcode geklebt wurde. „Damit kann man nichts mehr anfangen“, schimpft er.

Auch sonst gebe es immer weniger schöne Marken, erzählen die Sammler. „Besonders Firmen benutzen nur noch Stempelmaschinen. Und neuerdings gibt es auch statt der Briefmarke nur noch einen Code, der auf dem Umschlag notiert wird“, bedauert Huth. Trotzdem halten die Sammler immer die Augen offen nach schönen Marken. „Wir kennen uns sehr gut und wissen, was jeder Einzelne sammelt. Da bringen wir uns gegenseitig was mit“, erzählt Meyer.

Die Sammler bedauern es, dass es keinen Nachwuchs gibt. „Wir haben es schon mit etlichen Veranstaltungen und Aufrufen probiert – ohne Erfolg“, berichtet Herzberg. Doch leider beschäftigten sich gerade junge Leute lieber mit elektronischen Geräten. So werde es wohl irgendwann dazu kommen, dass die letzten Vereine in der Region fusionieren werden. Doch so lange es geht, wollen die Sammler die Stellung halten – immerhin gibt es den Verein seit 1886. „Für unser Jubiläum werden wir uns etwas Besonderes einfallen lassen“, verspricht Herzberg.

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