Dennis Fehner vor der Intelligenten Klimakammer. Diese eignet sich auch für das Gären von Backwaren.

Dennis Fehner vor der Intelligenten Klimakammer. Diese eignet sich auch für das Gären von Backwaren.

Foto: Bohn

Dennis Fehner vor der Intelligenten Klimakammer. Diese eignet sich auch für das Gären von Backwaren.

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Dieser Alleskönner in Sachen Lebensmittel kommt aus Bremerhaven

Einfrieren, Auftauen, Gären, Abkühlen und Lagern von Fisch, Fleisch, Backwaren, Obst und Gemüse – dafür haben die Forscher vom Technologie-Transferzentrum Bremerhaven (TTZ) ein Multifunktionsgerät entwickelt: die Intelligente Klimakammer. Sie soll Unternehmen in der Lebensmittelverarbeitung helfen.

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„Wir haben für die Intelligente Klimakammer bereits von uns entwickelte neue Technologien wie das Bremerhavener Aerosolverfahren und die Luftentkeimung mittels UV-Strahlung kombiniert und mit einer intelligenten Steuerung versehen“, erzählt Dennis Fehner, Leiter Bäckereianwendungen beim TTZ.

Aerosolverfahrenals Grundlage

Grundlage für alle Funktionen ist das Bremerhavener Aerosolverfahren. Hier wird per Ultraschall ein feiner Wassernebel erzeugt, der die Oberflächen befeuchtet und in das jeweilige Produkt eindringt – und die Umgebungstemperatur wesentlich schneller an das Produkt bringt. Deswegen eignet sich das Verfahren nicht nur fürs Gären, sondern auch zum Abkühlen, Auftauen und Lagern.

Dazu kommen noch weitere Technologien, wie etwa regelbare Luftgeschwindigkeiten, eine mögliche Wärmerückgewinnung und eine Fußbodenheizung. Auch ein Kerntemperaturfühler gehört dazu. „Damit kann beispielsweise die Kerntemperatur in einem Tiefkühlfisch ermittelt und daraufhin die gewünschte Prozesstemperatur optimal eingestellt werden“, sagt Fehner.

Im Vergleich zu bisherigen Verfahren in der Lebensmittelindustrie hat die Intelligente Klimakammer einige Vorteile: Sie spart Energie (bis zu 30 Prozent), ist schneller (um bis zu 50 Prozent) und reduziert Masseverluste (um bis zu 50 Prozent). Zudem erhöht sich der Frischeeindruck des Produkts, vermeidet Austrocknungserscheinungen und steigert die Hygiene.

30 Monate Forschung flossen in das Projekt

Das Gerät, das das TTZ bei sich stehen hat, ist so groß wie ein kleiner Lagercontainer: fünf mal zwei Meter mal 2,50 Tiefe. „Allerdings lässt sich das Ganze auch in anderen Dimensionen umsetzen. Ganz wie es gebraucht wird“, sagt Fehner. Auch eigene Räume könnten umgerüstet werden.

Zudem ist die Klimakammer modular aufgebaut: „Firmen müssen nicht alles anschaffen, sondern nur die Module, die sie brauchen“, erläutert Fehner. So liege die Investition bei einer Summe von 10.000 Euro bei einer Nachrüstung bestehender Räume bis hin zu 90.000 Euro für eine ganze Kammer.

30 Monate haben die TTZ-Forscher an der Intelligenten Klimakammer geforscht, Anfang 2020 waren sie fertig. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Programms Inno-Kom – Forschungsergebnisse für den Mittelstand. „Derzeit sind wir dabei, die Klimakammer bei den Unternehmen bekannt zu machen. Leider können wir aufgrund der Corona-Lage keine Veranstaltungen anbieten“, bedauert Fehner. Allerdings gebe es bereits Interesse von Unternehmen.

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