Omar Harb arbeitet für die Verbraucherzentrale.

Omar Harb arbeitet für die Verbraucherzentrale.

Foto: van veenendaal

Omar Harb arbeitet für die Verbraucherzentrale.

Heute

Dieser Mann hilft, wenn Telefonanbieter und Inkassobüros Druck machen

Omar Harb liebt seine Arbeit. Und das, obwohl er oftmals mit traurigen Schicksalen zu tun hat. Da ist zum Beispiel der alte, weinende Mann, der niemanden für seine Vorsorgevollmacht hat. Oder die verzweifelte Mutter, der eine Stromsperre droht. Doch manchmal kann der Berater von der Verbraucherzentrale Bremen helfen. Und dann weiß er, warum sein Job so wichtig ist.

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Jeden Donnerstag kommt Omar Harb in die „Theo“ in der Lutherstraße. Von 13 bis 17 Uhr berät er dort kostenlos Verbraucher für die Verbraucherzentrale Bremen. Einen Termin braucht man dafür nicht. Es ist auch kein Nachweis nötig, dass man wenig Geld hat. Kommen kann jeder – egal, ob aus Lehe, ganz Bremerhaven oder dem Landkreis. „Wir wollen mit diesem niedrigschwelligen Angebot alle erreichen, die Unterstützung gebrauchen können“, sagt der 33-Jährige.

Seit 2019 betreibt die Verbraucherzentrale die Beratungsstelle in der „Theo“. Gefördert wird das Ganze von der Bremer Senatorin für Verbraucherschutz.

Viele Ältere brauchen Hilfe

Rund die Hälfte der Leute, die zu ihm kommen, sind im Rentenalter, hat Harb beobachtet. „Und ungefähr jeder Dritte hat einen Migrationshintergrund“, berichtet er. Da trifft es sich gut, dass Harb, der als Zweijähriger mit seiner Familie aus dem Libanon nach Loxstedt kam, Arabisch spricht. Englisch und ein wenig Spanisch kann er auch. „Oft reicht es für mich aber, die Unterlagen zu lesen. Und ansonsten kommt man mit dem Übersetzer von Google auch weiter“, erzählt er.

Die Beratung im Quartier deckt allerdings nicht das gesamte Leistungsspektrum der Verbraucherzentrale ab. Der Schwerpunkt liegt auf dem Verbraucherrecht. Es geht unter anderem um Ärger mit Inkassoforderungen, Fitnessstudios, Handwerkern sowie Energie-, Telefon- und Reiseanbietern.

Insbesondere unberechtigte Forderungen von Inkassofirmen nähmen einen großen Teil in seinem Arbeitsalltag ein, so Harb. „Oft geht es dabei beispielsweise um Erotikhotlines aus Tschechien, die Rechnungen erstellen, obwohl nie eine Leistung erbracht wurde“, meint er. Weil das Thema schambesetzt sei, gingen vermutlich nur wenige Betroffene dagegen vor.

Probleme mit Stromanbietern seien ebenfalls ein Dauerbrenner bei der Beratungsarbeit. Zurzeit ginge es natürlich auch um die massenhaften Vertragskündigungen von Stromio und Gas.de, die aus Sicht der Verbraucherzentrale in dieser Form nicht rechtens seien. „Auf unserer Homepage haben wir ein Musterschreiben, mit dem man gegen die Kündigung vorgehen kann“, meint er.

Wenn Kunden in Tränen ausbrechen

Immer wieder müsse er sich zudem mit drohenden Stromsperren beschäftigen. Weil viele Menschen durch Corona ihre Jobs verloren hätten, habe sich diese Problematik verschärft. Ein Fall ging Harb besonders an die Nieren: „Das war eine Frau mit Kindern, deren Mann erwerbsunfähig ist. Sie musste für die ganze Familie sorgen. Nach der vierten Warnung wurde ihr tatsächlich der Strom gesperrt, und sie ist hier in Tränen ausgebrochen“, erinnert er sich.
Emotionale Reaktionen sind in der Beratungsstelle keine Seltenheit. „Einmal war hier ein älterer Herr, der niemanden mehr hatte. Er wusste nicht, wem er seine Vorsorgevollmacht anvertrauen soll und hat geweint“, erzählt Harb.

Doch dann gebe es auch wieder Situationen, in denen er etwas bewirken könne. So wie bei der älteren Dame, der an der Haustür ein Telefonvertrag angedreht worden sei und die eineinhalb Jahre versuchte, aus der Sache herauszukommen. „Als ich im Namen der Verbraucherzentrale dort angerufen habe, hat der Anbieter nicht nur den Vertrag gelöscht, sondern auch das ganze Geld zurückerstattet“, freut sich Harb.

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