Stute Jana hat früher eine Kutsche gezogen. Jetzt ist sie eine enge Vertraute vom Damtier Miss Marple.

Stute Jana hat früher eine Kutsche gezogen. Jetzt ist sie eine enge Vertraute vom Damtier Miss Marple.

Foto: van Veenendaal

Stute Jana hat früher eine Kutsche gezogen. Jetzt ist sie eine enge Vertraute vom Damtier Miss Marple.

Heute

Dieses Damwild lebt in Lunestedt unter Pferden

Entspannt liegt Miss Marple im Unterstand. Neben ihr stehen Stute Jana und Wallach Glenn. Als die Pferde sich in Bewegung setzen, tippelt auch Miss Marple hinterher. Das Trio lebt gemeinsam auf einer Weide in Lunestedt. Drei Tiere im Stall – eigentlich nichts Besonderes. Etwas allerdings ist anders: Miss Marple ist kein Pferd, sondern ein Damwild. Es wurde auch nicht von Menschen in diese ungewöhnliche Wohngemeinschaft gesteckt. Nein, es – oder besser sie – ist aus freien Stücken hier. Seit zwei Jahren lebt das Damtier unter Pferden.

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Eines Tages war Miss Marple da. Zuerst lebte sie bei einer Pferdeherde ziemlich mittig im Ort zwischen Lunebogen und Kirchenstraße. Nicht selten hielten Passanten und Radfahrer erstaunt an, rieben sich die Augen und freuten sich über die drollige Liaison.

Doch dann war das traute Glück jäh zu Ende. Die Pferdeherde zog um, Miss Marple, wie das Damtier mittlerweile von einigen genannt wurde, verlor ihr Rudel des Herzens. Kein Grund zu Verzagen, dachte sie sich wohl und zog kurzerhand bei Jana und Glenn ein paar Weiden weiter ein.

Bernhard Wiecke ist Pächter des Stückchens Land, auf dem Miss Marple wohnt.

Bernhard Wiecke ist Pächter des Stückchens Land, auf dem Miss Marple wohnt.

Foto: vee

Die Stute gehört Bernhard Wiecke, der auch Pächter des Stückchens Land ist. Er betrieb früher die Schlachterei im Ort, die jetzt von seinem Bruder geführt wird. Da Wiecke rund 35 Jahre zur Jagd gegangen ist, kennt er sich zudem aus mit Wildtieren aller Art. Dass es sich bei Miss Marple um ein Damwild handelt und mitnichten um ein Reh, hat er vermutlich nicht nur einmal erläutern müssen.

Miss Marple ist wohl etwa zehn Jahre alt

Aber warum hat sich Miss Marple überhaupt zu den Pferden gesellt? „Das Tier ist schon älter und hat vermutlich keine Brunftgefühle mehr“, nimmt der 69-Jährige an. Deshalb schließe es sich keinem Rudel mehr an und bleibe stattdessen einfach bei seinen neuen Freuden. „Vermutlich ist es aus einem Gehege ausgebrochen“, sagt er. Denn es sei einfach zu zutraulich.

Auf etwa zehn Jahre schätzt er Miss Marple, rund 14, 15 Jahre könne ein Damwild alt werden. Ob das eigensinnige Huftier aus Lunestedt dieses Alter erreichen wird, ist fraglich, meint er. Direkt am Baum neben der Weide habe er schon einmal eine Wolfsspur entdeckt. Der Wolsberater habe seinen Verdacht bestätigt.

Eigentlich habe er schon im Winter gedacht, Isegrim habe sich die vertrauensselige Miss Marple geholt. Erstens habe der Wolf schon Rinder in Lunestedt gerissen. Zweitens seien die Pferde in den kalten Monaten woanders untergebracht worden, Miss Marple habe man in dieser Zeit nicht mehr gesehen. Doch genau an dem Tag, an dem die Pferde wieder auf die Weide kamen, tauchte auch das Damtier wieder auf.

Miss Marple trippelt immer aufmerksam hinter den Pferden her.

Miss Marple trippelt immer aufmerksam hinter den Pferden her.

Foto: vee

Wenn der Hufschmied kommt, ist das Damtier dabei

Und die Zuneigung der Huftiere ist ungebrochen. „Wenn die Reiterinnen mit den Pferden unterwegs sind, spaziert Miss Marple mit durchs Dorf“, berichtet Wiecke. Sogar, wenn der Hufschmied kommt, weicht sie ihren großen Freunden nicht von der Seite. „Abends, wenn die Pferde Wurzeln und Leckerli bekommen, kriegt sie auch ihren Anteil“, erzählt der Lunestedter.

In den kommenden Tagen wird die tierische Truppe umziehen: Die Pferde kommen nämlich zurück auf die Weide am Lunebogen. Auch Miss Marple wird vermutlich wieder mit dabei sein – und Radfahrern und Passanten ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

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