Eine junge Frau steht in einem Zimmer.

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Foto: picture alliance / dpa

Eine junge Frau steht in einem Zimmer.

Heute

Ein „Anker“ in der Krise

Manchmal beginnt die Krise schleichend. Einer Mutter fällt es immer schwerer, morgens aufzustehen, ihre Kinder zu versorgen. Die Kinder leiden. Zum Glück erkennt die Lehrerin des Sohnes, dass etwas nicht stimmt. Sie wendet sich an die Diakonie. Dort findet die Familie beim Projekt „Anker“ Wege aus der Not.

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Natalia Koch leitet die Diakonie-Einrichtung Arche Süd sowie das Projekt „Anker“.

Natalia Koch leitet die Diakonie-Einrichtung Arche Süd sowie das Projekt „Anker“.

Foto: PR

Das Angebot steckt noch in den Kinderschuhen. „Aktuell suchen wir gerade Mitarbeiter, die Krisen-Erfahrung mit psychischen Notlagen haben“, sagt Natalia Koch, Leiterin der Diakonie-Einrichtung Arche Süd, bei der das Projekt angesiedelt ist. „Es ist etwas anderes, wenn einem jemand zur Seite steht, der selber weiß, was es bedeutet, wenn man in einer seelischen Krise steckt, als wenn jemand das Ganze nur aus einer theoretischen Betrachtung kennt“, ist Natalia Koch überzeugt. Deswegen werden sich – ähnlich dem Konzept der Genesungsbegleiter beim Nachtcafé des Klinikums Reinkenheide – auch hier Mitarbeiter mit Krisen-Erfahrungen um die Hilfesuchenden kümmern.

Ängste und Schamgefühle

Und zwar niedrigschwellig. „Viele Menschen, die aus psychischen Gründen Probleme haben, sehen sich häufig mit einer Vielzahl von Ängsten und Schamgefühlen konfrontiert“, sagt die Projektleiterin. „Das kann beispielsweise die Angst sein, dass einem die Kinder weggenommen werden.“ Außerdem seien seelische Erkrankungen auch häufig noch mit einem gesellschaftlichen Stigma versehen. Aber Sprüche wie „Reiß‘ Dich mal zusammen“ oder „Lass‘ Dich nicht so hängen“, seien hier wenig hilfreich, sondern verschlimmerten die Situation. Und verhinderten unter Umständen auch die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten. „Hinzu kommt, dass es ein großes Spektrum von solchen Hilfsprojekten in Bremerhaven gibt“, beschreibt die 42-Jährige.

Hier setzt „Anker“ an: „Wir möchten Menschen in seelischen Notsituationen unterstützen, das für sie passende Hilfsangebot zu finden und sie weiter auf dem Weg zurück in die Normalität begleiten.“ „Anker“ versteht sich dabei als eine Art erste Anlaufstelle. „Wenn jemand zum Beispiel das Gefühl hat, dass er sich mit seinen Kindern und der Familie überfordert fühlt, kann er sich an uns wenden“, skizziert Natalia Koch einen möglichen Adressaten-Kreis für das Projekt.

Aber auch Außenstehende, Erzieher, Lehrer, Nachbarn, Angehörige, die eine Problemlage beobachten, könnten sich an die Koordinationsstelle „Anker“ wenden. Oder die Betroffenen auf die Koordinationsstelle aufmerksam machen. „Wenn diese einverstanden sind, können dann Treffen vereinbart werden. Natürlich kommen wir auf Wunsch auch zu den Menschen nach Hause. Mit dem Projekt möchten wir eine Lücke schließen“, sagt die Sozialpädagogin. „Ich glaube, dass der Bedarf hier sehr hoch ist.“ Dabei soll es bei den Kontakten zunächst einmal immer darum gehen, die Bedarfe herauszufinden. „Also um die Frage, was passieren muss, damit eine Entlastung möglich wird. Manchmal sind es schon ganz kleine Veränderungen, die helfen können, eine Situation zu verbessern.“

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