Ein Schild mit der Aufschrift "Azubis gesucht!"

Corona verschärft den Azubimangel.

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Corona verschärft den Azubimangel.

Heute

Firmen auf Azubisuche in den Schulen

Für Unternehmen ist es schwieriger geworden, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. „Viele Firmen versuchen deshalb, schon früh mit Jugendlichen in Kontakt zu treten, und wenden sich dazu an uns oder direkt an die Schulen“, erzählt Horst Lüdtke, Geschäftsführer des Netzwerks Schule, Wirtschaft und Wissenschaft für die Region Unterweser.

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Als Hintergrund sieht Netzwerk-Vorsitzender Claus Brüggemann den immer gravierender werdenden Fachkräftemangel – insbesondere in den für die Seestadt wichtigen Branchen Handwerk, Handel, Hotels und Gaststätten. 51 unbesetzte Ausbildungsstellen weist die Ausbildungsbilanz der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven zum Ende September für die Seestadt aus – 59,9 Prozent mehr als noch im Vorjahr. „Aber nicht jeder Betrieb meldet auch seine Ausbildungsstellen“, gibt Brüggemann zu bedenken.

Corona verschärft Problem

Die Corona-Pandemie hat das Problem verstärkt. Der Grund sind die Kontaktbeschränkungen. Es fehlten Kontakt- und Kennenlernmöglichkeiten, bedauert Brüggemann: „Den Schülern fehlen die Berufsorientierung und die Möglichkeit von Praktika.“ Das Netzwerk arbeitet deswegen mit den Schulen an Lösungen.

Ein Beispiel sind die Kaufmännischen Lehranstalten Bremerhaven (KLA). Diese haben in Zeiten, in denen überall die Berufsinformationstage abgesagt wurden, ihre ins Internet verlegt – ein Modell, das die Schule beibehalten möchte, wie der stellvertretende Schulleiter Arnd Höljes sagt: „Allerdings planen wir Ende kommenden Jahres, ein Hybridmodell anzubieten: also teils in der Schule, teils online.“ Zweimal hat die Schule den Berufsorientierungstag in diesem Jahr angeboten – mit Erfolg: Waren es bei der Pilotveranstaltung noch acht Firmen und 140 Schüler, wurde es im September noch einmal ausgeweitet. Dieses Mal waren es 19 Firmen und 160 Schüler.

Die Messe im Internet laufe ab wie vor Ort, sagt der stellvertretende Schulleiter – nur, dass die Teilnehmer online zugeschaltet seien. Zwei Angebote mussten sich die Schüler beim Pilotprojekt aussuchen, drei bei der Veranstaltung im September. Als Vorbereitung diente eine extra eingerichtete Homepage, auf der Firmen und Berufe vorgestellt wurden. „Das Nadelöhr ist natürlich die Technik. Hier hat uns das Netzwerk ebenfalls unterstützt – durch das Netzwerk-Mitglied Andre Kleinhanns“, erzählt Höljes.

Hohe Nachfrage

Die Nachfrage sei nicht nur bei den Schülern groß gewesen. „Auch die Firmen zeigen reges Interesse. Wir haben etliche Anfragen bekommen“, sagt der stellvertretende KLA-Schulleiter. Davon kann auch die Humboldt-Schule berichten, an der ein ähnliches Projekt stattgefunden hat, wie Gisela Tjarks berichtet. Sie ist beim Netzwerk für den Referenten-Pool zuständig und war jahrelang Lehrerin an der Humboldt-Schule.

Dieser Pool kam an der Schule zum Einsatz – für die Schüler der siebten bis neunten Klasse. „Die Schule hat aufgrund der Corona-Beschränkungen ein Problem bei den Schülerpraktika bekommen und hat sich mit einem Hilferuf an uns gewandt“, erzählt Tjarks. Das Netzwerk habe dann Referenten organisiert, beispielsweise vom Hotel Sail City und Eurogate, ergänzt durch Vertreter von Banken, Handel und Landwirtschaft sowie von Organisationen und Behörden.

Angeboten wurde dies als Hybridveranstaltung – vor Ort in der Schule und per Internet. Auch hier mussten sich die Schüler intensiv vorbereiten. „Das hat super geklappt und sich herumgesprochen“, freut sich Tjarks. Im Nachgang hätten sich mehrere Firmen gemeldet, die in Zukunft auch gerne dabei sein wollten. Und so werde die Veranstaltung in Zukunft jährlich stattfinden.

Auch am Gymnasium Wesermünde hat das Netzwerk geholfen. Dort gab es für 96 Schüler vier Tage lang Übungen und Trainings zum Thema Berufswahl und Selbstmarketing, wie Lüdtke berichtet: „Unter anderem mit Rollenspielen und Referenten vom Netzwerk.“

Fehlender Schulabschluss

Es gebe aber noch ein weiteres Problem, betont Brüggemann: „Jedes Jahr verlassen im Land Bremen Hunderte junge Leute die Schulen ohne Abschluss.“ Hier müsse entgegengewirkt werden. Wie gut das funktionieren kann, zeigt das Beispiel der Schule am Ernst-Reuter-Platz. Hier läuft das Projekt Bildungsbuddys, bei der Studenten der Hochschule Bremerhaven die Schüler unterstützen, für die Klassen fünf bis sieben. „Darüber hinaus bekommen Schüler der Klassen acht bis zehn eine Art Ausbildungspaten, der ihnen ehrenamtlich bei allen Fragen hilft“, erläutert Marion Oehmsen vom Netzwerk.

Insgesamt sei das Interesse aus der Wirtschaft an solchen Projekten und Veranstaltungen an Schulen groß, weiß Lüdtke. Das zeigten auch Anfragen von Wirtschaftsstiftungen. So habe beispielsweise die Dieckell-Stiftung, ebenfalls Netzwerk-Mitglied, die beiden virtuellen Berufsorientierungstage an der KLA gesponsert. „Und die Firmen suchen Zugang zu den jungen Leuten. Den finden sie über das Netzwerk“, betont Brüggemann.

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