Für die Schüler der Kaufmännischen Lehranstalten Bremerhaven bedeutete der virtuelle Berufsinformationstag keine große Umstellung – denn der Unterricht war vorher auch schon digital.

Für die Schüler der Kaufmännischen Lehranstalten Bremerhaven bedeutete der virtuelle Berufsinformationstag keine große Umstellung – denn der Unterricht war vorher auch schon digital.

Foto: Puchner/dpa

Für die Schüler der Kaufmännischen Lehranstalten Bremerhaven bedeutete der virtuelle Berufsinformationstag keine große Umstellung – denn der Unterricht war vorher auch schon digital.

Heute

Firmen stellen sich virtuell vor

Er ist ein wichtiger Bestandteil der Zukunftsplanung vieler Schüler: der Berufsorientierungstag. Er dient unter anderem dem ersten Kennenlernen von Schülern und Firmen aus der Region. Doch die Pandemie sorgte dafür, dass der Tag das zweite Jahr in Folge an vielen Schulen ausfallen musste. Nicht jedoch an den Kaufmännischen Lehranstalten Bremerhaven (KLA). Diese setzten auf ein Online-Modell.

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Angestoßen hat das Pilotprojekt das Netzwerk Schule, Wirtschaft und Wissenschaft in der Region Unterweser. „Der Berufsorientierungstag ist ein Kernprojekt unseres Netzwerks“, sagt Geschäftsführer Horst Lüdtke. Hier würden bereits Grundlagen für Ausbildungsverträge gelegt. „Mit den Berufsorientierungstagen zeigen wir den Schülern den Arbeitsmarkt unserer Region und wirken so dem Fachkräftemangel entgegen.“

Unternehmen fehlt der Kontakt zu den Schülern

Mit den Kontaktbeschränkungen fiel das weg – ein Umstand, der sich nicht nur auf die Schüler, sondern auch auf die Betriebe auswirkte. Ihnen fehlte schlichtweg der Kontakt zu den Schülern, wie die Handelskammer Bremen, die Handwerkskammer Bremen und die Unternehmensverbände im Lande Bremen kürzlich mitteilten.

„Es war an der Zeit, neue Wege zu finden und zu handeln“, betont Lüdtke. Mit einer virtuellen Lösung konnten die Kontaktbeschränkungen eingehalten und der Kontakt zwischen Schülern und Firmen trotzdem hergestellt werden. Möglich wurde das durch die finanzielle Unterstützung der Dieckell Stiftung, um die technische Seite kümmerte sich IT-Experte Andre Kleinhanns – und mit den KLA wurde eine Pilotschule gefunden.

Ein wichtiges Angebot

Für Arnd Höljes, stellvertretender Schulleiter der KLA, kam das Angebot wie gerufen. „Wir bieten seit vier Jahren Berufsorientierungstage an, immer mit etwa 25 regionalen Firmen“, erzählt er. Das sei ein wichtiges Angebot für die Schüler. „Deswegen wäre es schade gewesen, wenn der Tag nach 2020 auch dieses Jahr ausgefallen wäre“, meint Höljes. So habe er über das Angebot des Netzwerks nicht lange nachdenken müssen.

Es wurde im Vergleich zu den Vorjahren aber ein etwas kleinerer Berufsorientierungstag – mit acht Firmen und 160 Schülern der Höheren Handelsschule und dem Beruflichen Gymnasium Wirtschaft. Zwei Wochen hatten die Schüler Zeit, sich in die Profile der Firmen einzulesen und sich zwei Angebote auszusuchen. „So hatte jede Firma bis zu 20 Teilnehmer, denen sie sich vorstellen konnten – alles online während einer regulären Doppelstunde“, erzählt Höljes. Zudem bestand die Möglichkeit, Termine für vertiefende Gespräche per Whatsapp, E-Mail oder Telefon auszumachen.

Online-Format nichts Besonderes

Eine der Teilnehmerinnen war Anna Kebernik vom Beruflichen Gymnasium Wirtschaft. Für ihre Mitschüler und sie sei das Online-Format nichts Besonderes gewesen – schließlich sei der Unterricht vorher auch schon darauf umgestellt worden, berichtet sie. „Ich wollte den kaufmännischen Bereich in der öffentlichen Verwaltung kennenlernen“, erzählt die Schülerin. Deswegen habe sie den Magistrat der Stadt Bremerhaven und die Hafengesellschaft Bremenports gewählt. Mit Erfolg: Bei Letzterer hat sie bereits einen Termin für ein Praktikum vereinbart.

Der virtuelle Berufsorientierungstag sei eine gute Alternative zur Präsenzveranstaltung in der Schule gewesen, sagt Anna Kebernik. Sie habe alle Infos bekommen, die sie sich erhofft habe. Besonders gefallen hat ihr die Powerpoint-Präsentation von Bremenports. Allerdings: „Eine Messe in der Schule finde ich besser, weil man dann im direkten Gespräch vor Ort ist.“ Dieses sei bei den Online-Gruppenveranstaltungen manchmal etwas zu kurz gekommen.

Angebot ausweiten

Höljes kann sich jedoch gut vorstellen, das Format eines Online-Berufsorientierungstages auch in Zukunft beizubehalten. „Das ist schon aus Platzgründen für uns interessant, weil wir für die Messe keine geeigneten Räume haben“, erzählt er. Er möchte das Angebot auch noch ausweiten – mit mehr Schülern und der doppelten Anzahl von Firmen. „Dann könnte jeder Schüler auch drei Firmen kennenlernen – jedoch in kleineren Gruppen“, sagt er. Allerdings wolle sich Schule auch nach den Wünschen der Schüler richten. „Vielleicht bieten wir in Zukunft auch Hybridveranstaltungen an“, meint er. Die nächste Veranstaltung im September wird jedoch erst einmal wieder komplett online stattfinden.

Netzwerk will Online-Tag weiter ausbauen

Das Netzwerk Schule, Wirtschaft und Wissenschaft will den virtuellen Berufsorientierungstag auf jeden Fall beibehalten. „Wir wollen sie auch gerne anderen Schulen anbieten“, sagt Lüdtke. Es würden allerdings Verbesserungen vorgenommen. So hat Kleinhanns vorgeschlagen, Firmenpräsentationen auf eine einheitliche Software zu beschränken. Und Irene Führer vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft, die als Berufsprofilerin dabei war, regt eine Etikette an: „Hier war nur ein halber Kopf zu sehen, weil die Kamera falsch eingestellt war, dort saß jemand im Schlabberpulli – nicht unbedingt die Kleidung, die man tragen würde, wenn man eine Firma aufsucht.“ Trotzdem sei dieses Format eine interessante Erfahrung für alle: „Die Berufe ändern sich. Warum also nicht auch der Weg dorthin?“

Das sieht auch Netzwerk-Mitarbeiterin Marion Oehmsen so: „Die Schüler müssen sich auch erst an das neue Format gewöhnen, dennoch ist der Mehrwert hoch gewesen“, ist sie überzeugt. Dank des gelungenen Pilotprojekts werde der nächste Berufsorientierungstag einfacher vorzubereiten sein. „Die Grundlagen sind geschaffen.“

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