Eine Gebäudereinigerin schiebt einen Wagen mit Reinigungsutensilien vor sich her.

Eine Gebäudereinigerin bei der Arbeit. In der Branche wird seit 2007 ein Mindestlohn gezahlt, der deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt.

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Eine Gebäudereinigerin bei der Arbeit. In der Branche wird seit 2007 ein Mindestlohn gezahlt, der deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt.

Heute

Gebäudereiniger-Branche: Mindestlohn sorgt für Frust

Auf 12 Euro die Stunde soll der Mindestlohn zum 1. Oktober dieses Jahres steigen. Das hat das Bundeskabinett beschlossen – eine Entscheidung, die insbesondere den Gebäudereinigerfirmen sauer aufstößt. Allerdings nicht, weil sie derzeit weniger zahlen würden. Denn die Branche besitzt seit Langem einen eigenen Mindestlohntarif, der deutlich höher liegt.

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„Tarifverträge dürfen nicht zum Spielball der Politik werden“, betont Arne Söffge, Beisitzer im Vorstand der Landesinnung Bremen und Nord-West-Niedersachsen. Wenn die Politik einmal Mindestlöhne beschließe, bestehe die Gefahr, dass das künftig vor jeder Bundestagswahl wieder passieren könne. Er unterstreicht die Aussage des Bundesinnungsmeisters des Gebäudereiniger-Handwerks, Thomas Dietrich: „Dass politische Mandatsträger und nicht die Mindestlohnkommission den gesetzlichen Mindestlohn festlegen, ist eine zutiefst schädliche Zäsur für die Tarifautonomie in Deutschland.“

Bundesinnung und Gewerkschaft verhandeln

Die Zusammenarbeit von Bundesinnungsverband und Gewerkschaft IG Bau funktioniere seit Jahren gut, findet Söffge, der selber eine Firma für Büro-, Gebäude und Treppenhausreinigung betreibt, die auch in Bremerhaven und dem Umland tätig ist. „Es gibt genügend andere Themen, mit denen sich Politik beschäftigen kann, beispielsweise die Bildung“, findet er.

Für das Gebäudereiniger-Handwerk bringt die Erhöhung des Mindestlohns zum 1. Oktober nach Ansicht von Söffge keinen Nutzen – im Gegenteil: Sie schade eher, betont er: „Denn das Bild der schlechten Bezahlung in unserem Handwerk ist falsch. Wir haben seit 2007 einen allgemein verbindlichen Branchenmindestlohn, der deutlich über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt.“ Dieser Branchenlohn stieg zum Jahresbeginn bereits um vier Prozent von 11,11 Euro die Stunde auf 11,55 Euro. Das seien 18 Prozent mehr als der derzeit geltende gesetzliche Mindestlohn von 9,82 Euro, rechnet Bundesinnungsmeister Dietrich vor und verweist darauf, dass der Bundesinnungsverband und die IG Bau bereits für 2023 eine Erhöhung des Branchenmindestlohns auf 12 Euro beschlossen hatte.

„Für kommendes Jahr war schon alles geregelt“

Somit dürfte es jetzt Verhandlungen über einen neuen Branchenmindestlohn geben, schätzt Söffge. In der Diskussion stünden zehn Prozent über dem gesetzlichen Mindestlohn. „Dann müssen wir aber auch wieder mit den Kunden reden. Denn für kommendes Jahr war schon alles geregelt“, gibt er zu bedenken. Vor diesem Hintergrund sei der Eingriff der Politik besonders ärgerlich.

Und warum zahlt das Gebäudereiniger-Handwerk mehr als den gesetzlichen Mindestlohn? „Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels geht es darum, den Beruf attraktiv zu machen“, erläutert Söffge. Würde nur der gesetzliche Mindestlohn gezahlt, würde die Branche direkt mit anderen Branchen wie dem Gastgewerbe oder den Discountern konkurrieren.

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