Marc Kewes steht mit einem Vermessungsstab am GPS-Referenzpunkt, den das Vermessungs- und Katasteramt am Neuen Hafen in Bremerhaven eingerichtet hat.

Marc Kewes steht mit einem Vermessungsstab am GPS-Referenzpunkt, den das Vermessungs- und Katasteramt am Neuen Hafen in Bremerhaven eingerichtet hat.

Foto: Bohn

Marc Kewes steht mit einem Vermessungsstab am GPS-Referenzpunkt, den das Vermessungs- und Katasteramt am Neuen Hafen in Bremerhaven eingerichtet hat.

Heute

Genauer als GPS: Der Dienst Sapos misst auf den Zentimeter

GPS gibt es mittlerweile in jedem Smartphone und in fast jedem Auto. Bei einer Genauigkeit von 3 bis 20 Metern reicht das für das Suchen der richtigen Strecke aus. „Aber wir benötigen eine höhere Genauigkeit“, sagt Marc Kewes, Leiter des Vermessungs- und Katasteramts Bremerhaven. Seine Behörde nutzt den bundesweiten Dienst Sapos mit einer Lagegenauigkeit von 1 bis 2 Zentimetern.

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Sapos ist der Satellitenpositierungsdienst der deutschen Landesvermessung. Das Besondere: Er verwendet die Daten von vier Satellitensystemen und liefert für die Genauigkeit der Positionsbestimmung die entsprechenden Korrekturdaten. Dafür nutzt Sapos 270 eigene Stationen bundesweit – eine davon steht in Bremerhaven. „Eigentlich ist es nur eine Antenne mit eigenem Prozessor und Datenanbindung auf dem Dach des Stadthauses 3“, sagt Kewes. Doch im Netzwerk sorge sie für eine hohe Genauigkeit von Messdaten.

Korrekturdaten für militärischen Dienst

Doch warum benötigt man überhaupt Korrekturdaten? „Das liegt daran, dass sowohl das amerikanische GPS als auch das russische Gegenstück Glonass militärische Anwendungen sind“, erläutert der Amtsleiter. Und nur Militärs könnten mit dem entsprechenden Schlüssel auf die exakten Daten zurückgreifen. Denn schließlich solle der militärische Gegner die Daten nicht nutzen können. Immerhin stammen die Systeme noch aus den Zeiten des Kalten Krieges. Damit auch zivile Stellen die Daten in hoher Genauigkeit nutzen können, müssen sie korrigiert werden. Dabei helfen die genau vermessenen Referenzstationen.

„Ein solches System ist eigentlich einfach aufgebaut: In jedem Satelliten sind ein bis zwei Atomuhren eingebaut, gemessen wird die Übertragungszeit und daraus die jeweilige Entfernung bestimmt“, sagt Kewes. Ungenau würden die Messungen auch durch die Atmosphärenverhältnisse. Deswegen werde die Genauigkeit durch den Zugriff auf mehrere Systeme erhöht. Mittlerweile greift das Sapos auf vier Satellitensysteme zurück, neben GPS und Glonass auch auf das europäische Gallileo-Projekt und das chinesische Beidou (Großer Bär).

Auch Baufirmen nutzen das System

Das Vermessungs- und Katasteramt nutzt Sapos für die Vermessung von Grundstücken und Gebäuden – nicht nur mit der Lagegenauigkeit von 1 bis Zentimetern, sondern auch einer Höhengenauigkeit von 2 bis 3 Zentimetern. Das entsprechende Empfangsgerät, das etwa 10.000 Euro pro Stück kostet, sitzt auf der Messstange und wird mit einem Laptop verbunden. „Das System ist schnell und genau – unsere Arbeit ist dadurch an einigen Stellen sehr viel einfacher geworden“, lobt Kewes. Bei den Geräten der neuesten Generation muss der Messstab noch nicht einmal genau senkrecht gehalten werden. „Das Gerät erkennt die Neigung und passt die Messdaten an“, erzählt Kewes.

Doch nicht nur das Vermessungs- und Katasteramt nutzt Sapos. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig: Das System wird in der Seevermessung genau so eingesetzt wie von Straßenbaufirmen und auch in der Landwirtschaft. Voraussetzung ist allerdings, dass Firmen und Organisationen als Kunde registriert sind. „Das System kann auch europaweit angewandt werden. Doch in größeren Dimensionen muss man schon die tektonischen Bewegungen mit einer Drift von 1 bis 2 Zentimetern mit einbeziehen“, weiß Kewes. Eine Anwendungsmöglichkeit sei beispielsweise die Beobachtung von Vulkanen.

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