Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz im Interview über die aktuelle Situation bei der Versorgung der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine.

Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz im Interview über die aktuelle Situation bei der Versorgung der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine.

Foto: Arnd Hartmann

Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz im Interview über die aktuelle Situation bei der Versorgung der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine.

Heute

Grantz: „Wir haben von Anfang an schnell und gut geholfen“

Vom Büro aus kann er auf eine der Unterkünfte blicken, in denen Bremerhaven die nun fast 1500 vor dem Krieg Geflüchteten untergebracht hat. Dass ukrainische Kinder weiter ukrainischen Unterricht erhalten, und wie viel Geld Bremerhaven für die schnelle Hilfe bislang ausgegeben hat, verrät Oberbürgermeister Melf Grantz im Gespräch mit Maike Wessolowski.

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Das Schicksal der Kriegsflüchtlinge berührt uns alle. Haben Sie sich selbst ein Bild machen und Gespräche mit Flüchtlingen führen können? Ich habe Gespräche geführt und mir vorgenommen, noch einmal die Unterkünfte zu besuchen und mit den Menschen zu sprechen. Hier im Stadthaus 3 sind momentan 190 Geflüchtete untergebracht und das läuft völlig problemlos. Ich war ganz erstaunt, dass ukrainische Kinder ihre Tablets dabei haben und so weiter ukrainischer Unterricht gemacht wird. Ob dieses System sie irgendwann von der deutschen Schulpflicht entbindet, ist sicher eine Frage, die die Kultusministerkonferenz wird klären müssen. Unsere Hilfe wird gut angenommen. Die Hinweise und Tipps auf unserer Internetseite in ukrainischer Sprache wurde bisher knapp 4000 Mal angeklickt.

Bund und Länder haben sich für Versorgung der Kriegsflüchtlinge auf zwei Milliarden Euro geeinigt. Was erwartet Bremerhaven an finanzieller Hilfe?
Ich bin froh, dass die wesentlichen Kosten erstattet werden. Wenn ab 1. Juni das Bremerhavener Jobcenter übernimmt, das sich schon jetzt auf die Situation vorbereitet, ist die Stadt aus der Zahlung der Sozialhilfeleistung weitgehend raus. Die Kosten für das zusätzliche Personal in Höhe von fünf bis sechs Millionen Euro sind eine Nummer für sich. Das Land Bremen muss die Hilfe auf die Kommunen runterbrechen, und wir erwarten, dass das Land uns entsprechend entlastet. Schließlich sind wir bereits erheblich in Vorleistung gegangen.

Was gibt die Stadt für die Versorgung aus?
Aktuell haben wir 700 000 Euro für Sozialleistungen ausgegeben, 600 000 Euro für Unterkünfte und kalkulieren mit 500 000 Euro monatlichen Mietbelastungen.

Sie sprachen es schon an: Bremerhaven sucht im Moment zusätzliches Personal für die Betreuung der Flüchtlinge. Die Stellen sind befristet. Haben Sie schon Leute eingestellt?
Wir haben schon Personal eingestellt, auch in den besonders gefragten Bereichen Handwerk und Sozialbetreuung. Wir suchen außerdem Menschen für den pädagogischen und erzieherischen Bereich.

Aufbau und Organisation der Notunterkünfte für Geflüchtete im Zuge der Ukraine-Krise in der Bremerhavener Hans-Gabrich-Halle. Ehrenamtliche der Johanniter, Feuerwehr und DRK installieren Feldbetten und Tische in den Schlafkabinen in der Halle.

Aufbau und Organisation der Notunterkünfte für Geflüchtete im Zuge der Ukraine-Krise in der Bremerhavener Hans-Gabrich-Halle. Ehrenamtliche der Johanniter, Feuerwehr und DRK installieren Feldbetten und Tische in den Schlafkabinen in der Halle.

Foto: Arnd Hartmann

Zurzeit sind rund 1400 Flüchtlinge aus der Ukraine hier offiziell registriert, dazu vermutlich noch einige, die privat untergekommen sind und sich noch nicht angemeldet haben. Im Vergleich zu ähnlich großen Städten oder dem Landkreis sind das sehr viele. Gibt es eine Belastungsgrenze? Sind Sie für einen Verteilungsschlüssel?
Ich bin froh, dass sich der Zustrom etwas relativiert hat. Anfänglich haben wir ja weit über die Maßen Menschen aufgenommen. Es bedarf schon einer gerechten Verteilung zwischen den Städten und dem ländlichen Raum. Innerhalb des Bundeslands Bremen stimmt das Verhältnis jetzt. Aber wir müssen das Verhältnis zu anderen Bundesländern im Blick behalten. Wenn wir aktuell von einer Million Geflüchteten ausgehen, die Deutschland erreichen werden, dann wären das für Bremerhaven 2000 Menschen. Da würde ich eine Belastungsgrenze sehen.

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