VCD und VBN-Fahrgastbeirat wünschen sich einen verlässlichen Stundentakt für alle Regionalbuslinien im Kreis. Im Fall der Linie 525 zwischen Bad Bederkesa und Bremerhaven ist das aber nur dadurch erreicht worden, dass die Linie jetzt in Lehe endet.

VCD und VBN-Fahrgastbeirat wünschen sich einen verlässlichen Stundentakt für alle Regionalbuslinien im Kreis. Im Fall der Linie 525 zwischen Bad Bederkesa und Bremerhaven ist das aber nur dadurch erreicht worden, dass die Linie jetzt in Lehe endet.

Foto: Gabriele Scheiter

VCD und VBN-Fahrgastbeirat wünschen sich einen verlässlichen Stundentakt für alle Regionalbuslinien im Kreis. Im Fall der Linie 525 zwischen Bad Bederkesa und Bremerhaven ist das aber nur dadurch erreicht worden, dass die Linie jetzt in Lehe endet.

Heute

Harsche Kritik am ÖPNV-Angebot im Cuxland

„Mehr als dürftig“ und „mangelhaft“ – der Fahrgastbeirat im Verkehrsverbund VBN und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) finden klare Worte für das ÖPNV-Angebot im Kreis Cuxhaven. „Politik und Verwaltung des Landkreises sind gefordert, den ÖPNV erheblich auszubauen und einen Mehrwert für Einwohner und Touristen zu schaffen“, sagt Ingo Ostermann vom Fahrgastbeirat.

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Ziel müsse es doch sein, den Menschen eine gute Alternative zum eigenen Pkw zu bieten. „Wer im Kreis Cuxhaven wohnt, hat aber das Nachsehen, weil es kein wirklich brauchbares Angebot gibt, sofern kein Bahnhof in direkter Nachbarschaft liegt“, kritisiert Ostermann. Ausnahmen seien nur die Stadtrandgemeinden Schiffdorf und Langen, die vom Bremerhavener Nahverkehrsangebot profitierten.

Das kann Jens Volkmann vom VCD-Kreisverband Bremerhaven nur unterstreichen: Es sei dringend notwendig, attraktive Alternativen zu schaffen, wenn man es mit Klimaschutz ernst meine: „Das ÖPNV-Angebot im Kreis ist ohnehin schon eines der mangelhaftesten im Bundesgebiet.“ Zahlreiche Kommunen und Dörfer seien ohne regelmäßige Anbindung und würden nur mit dem Nischenprodukt Anrufsammeltaxi (AST) erreicht. Dabei sei das AST eine gute Ergänzung, es dürfe aber nicht das Hauptangebot sein.

Forderung nach Stundentakt

Wie ein besseres Angebot aussehen könnte, darin sind sich Ostermann und Volkmann weitestgehend einig: Ganz wichtig sei ein Grundnetz mit verlässlichem Stundentakt bei den Regionalbuslinien und ein Halbstundentakt in Stoßzeiten. Zudem müsse das Angebot an Abenden und am Wochenende erweitert werden. Auf den Regionalbuslinien nach Hagen und Beverstedt bestehe derzeit kein durchgehender Stundentakt, an Sonntagen fahre kein Bus, bemängelt Volkmann.

Ostermann wünscht sich zudem eine Verknüpfung mit den Bahnhaltepunkten in der Region wie Dorum, Geestenseth, Stubben und Hechthausen. So könne er sich eine Linie Dorum-Neufeld–Dorum– Neuenwalde–BadBederkesa– Hechthausen im Nordkreis vorstellen und eine Linie Sandstedt–Hagen–Stubben– Beverstedt–Geestenseth im Südkreis.

Apropos Bahnhaltepunkte: Hier sehen beide Nachholbedarf bei der Reaktivierung von Bahnhöfen auf der Strecke Bremerhaven–Cuxhaven. So stehe immer noch die Entscheidung aus, ob Spieka oder Cappel/Midlum wieder in Betrieb genommen werde. Für Volkmann ist das nur der Anfang: „Wir brauchen alle Haltepunkte“, sagt er. Potenzial sieht er auch in der Strecke Bremerhaven–Bad Bederkesa. Diese sollte wieder in Betrieb genommen werden und bis in die Ortsmitte von Bederkesa verlängert werden.

Einig sind sich Ostermann und Volkmann darin, dass der ÖPNV auf die Schülerbeförderung ausgerichtet sei. „Der Kreis hat sich das einfachste, von der EU zugelassene Modell ausgesucht: Er vergibt den ÖPNV an Privatunternehmen, zahlt für die Schülerbeförderung, den Rest müssen die Unternehmen mit Fahrkartenverkauf erwirtschaften“, erläutert er. So komme das jetzige Angebot zustande.

Kommunale Gesellschaft

Ostermann hält das zweite, in der EU zugelassene Verfahren für besser: ein Liniennetz mit Taktungen festlegen und dieses dann an eine kommunale Verkehrsgesellschaft zu vergeben, an der er mindestens mit 51 Prozent beteiligt ist. Er verweist zudem auf das niedersächsische Programm zur Förderung von Landesbuslinien. „Hierbei geht es um die Anbindung von Mittelzentren ohne Gleisanschluss an das Schienennetz“, erläutert er. Voraussetzung sei unter anderem ein Stundentakt und die Beschaffung von Bussen.

Und das Argument, dass es nicht genug Nachfrage für ein besseres ÖPNV-Angebot gebe? „Wenn man das Angebot verbessert, erhöht sich auch die Nutzung. Das zeigt ein Blick nach Süddeutschland“, argumentiert Volkmann.

Kreis: ÖPNV ist freiwillige kommunale Aufgabe

Der Kreisverwaltung sei bewusst, dass das Nahverkehrsangebot nicht den Ansprüchen der Mobilitätswende genüge, sagt Landkreis-Sprecherin Stephanie Bachmann. „Da es sich dabei aber um eine freiwillige kommunale Aufgabe handelt, sind Budgetrestriktionen zu beachten. In einem dünn besiedelten Flächenlandkreis wie Cuxhaven müssten für flächendeckende Taktverkehre erhebliche Mittel aufgewendet werden“, gibt sie zu bedenken.

Die grundsätzliche Ausgestaltung sowie die Form der Finanzierung des Nahverkehrsangebots werde politisch entschieden, erläutert Bachmann und verweist darauf, dass die neue Bundesregierung die weitere Erhöhung der Regionalisierungsmittel zur ÖPNV-Finanzierung in Aussicht gestellt habe. „Es bleibt abzuwarten, wann und in welcher Form weitere Mittel zur Verfügung stehen.“ Den Rahmen dafür könne der Nahverkehrsplan bestimmen, der in den kommenden zwei Jahren erarbeitet werde und voraussichtlich 2024 in Kraft trete.

Grundsätzlich sieht der Kreis die flächendeckende Grundversorgung der Bevölkerung als sichergestellt an. So sorge der Schienenverkehr für ein verlässliches Grundgerüst, das die wesentlichen Ziele im Kreis verbinde, dazu komme im Großraum Bremerhaven das Netz aus drei Regionalbuslinien nach Hagen, Beverstedt und Bad Bederkesa, das durch das AST ergänzt werde, erläutert Bachmann. Ein wichtiges Ziel des Kreises sei zudem die Zusammenarbeit mit den mittelständischen und in der Region verwurzelten Verkehrsunternehmen.

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