Herbert Winter mit einer der von den Thieles erschaffenen Skulpturen.

Herbert Winter mit einer der von den Thieles erschaffenen Skulpturen. Wie für die Wasserschöpferin stand Grete Thiele auch hierfür Modell.

Foto: Andrea Lammers

Herbert Winter mit einer der von den Thieles erschaffenen Skulpturen. Wie für die Wasserschöpferin stand Grete Thiele auch hierfür Modell.

Heute

Im Skulpturen-Park in Leherheide hofft man auf die Wasserschöpferin

Herbert Winter liebt Kunstgegenstände. Um so glücklicher ist der Mitarbeiter des Gartenbauamtes, dass er als Verwalter von Thieles Garten inmitten des Leherheider Skulpturenparks in der maurischen Villa des einstigen Künstler-Trios lebt. Über eine der Skulpturen macht er sich derzeit besondere Gedanken: über die Wasserschöpferin. Die nämlich stehe aktuell in Sievern in einem Gartenverein. „Es wäre doch schön, wenn sie Teil des Skulpturenparks würde“, findet auch Thomas Reinicke, Leiter des Gartenbauamtes.

Kreis-Icon-Nordstern

„Dort gehört sie doch auch hin“, meint Winter. „Thieles wollten, dass ihre Kunstwerke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sind“, ist der Verwalter überzeugt. „In Thieles Garten wäre das auch bei der Wasserschöpferin der Fall.“ Ein schöner Anlass sei da das nahende 100-jährige Bestehen des Skulpturenparks im Jahr 2023. „Zu diesem Jubiläum werden sicherlich noch mehr Freunde der Thieleschen Kunst den Garten besuchen als sonst.“

Geglückte Rückführung

Und er nennt auch gleich ein Beispiel dafür, wo so eine Rückführung geglückt sei: „Die Figur der Fußballspieler hat auch lange woanders gestanden. Auf dem Zolli nämlich. Von dort ist sie hierher gebracht worden“, erzählt Winter.

Die Wasserschöpferin hätten die Thieles in den 1960er-Jahren erschaffen und an das Wasserwerk der damaligen Bremerhavener Stadtwerke in Langen übergeben. „Die drei Thieles lebten davon, dass sie einige ihrer Bilder verkauften, die Skulpturen jedoch nicht. Die haben sie für gewöhnlich gestiftet.“

Die Schöpferin, wie sie in einem alten Zeitungsartikel genannt werde, sei ebenfalls auf diese Weise in den Besitz der Stadtwerke Bremerhaven gelangt. „Das modernste Wasserwerk Norddeutschlands, das erst vor Jahresfrist eingeweihte Langener, sollte nach Fertigstellung der Aufbereitungsanlage auch im äußeren Bilde verschönert werden“, zitiert Winter aus dem Artikel. In dem heißt es weiter: „Die Gebrüder Thiele, die den modellierten Felsen und die Plastik entwarfen, wollten symbolisch die Wasserförderung darstellen. Ihnen und Obergartenmeister Halm vom Garten- und Friedhofsamt [...], dankte Direktor Beneken herzlich. Er wünschte, dass die Darstellung die zahlreichen Besucher der eigentlich nur auf Technik eingestellten Wasserwerke zum Nachdenken veranlassen und ihnen auch Freude spenden werde.“

Durch Zufall in Gartengebiet entdeckt

In dem Bremerhavener Wasserwerk in Langen habe die Skulptur dann wohl auch einige Jahre gestanden, bis sie irgendwann weg gewesen sei, so Winters Recherchen. Durch einen Zufall wurde er im vergangenen Jahr auf ihren aktuellen Standort aufmerksam: „Ich habe eine Bekannte begleitet, die sich in Sievern eine Hütte in einem Gartengebiet angeschaut hat“, berichtet der Verwalter. „Auf der Anlage fiel mir die Skulptur ins Auge. Später wurde mir klar, dass sie wie viele der Skulpturen in Thieles Garten Grete Thiele abbildete.“

Die Malerin Grete Thiele war die Ehefrau von Georg Thiele. Und gleichzeitig dessen Muse sowie die seines Bruders Gustav. Gemeinsam erschufen sie ab 1923 auf rund 20.000 Quadratmetern am Mecklenburger Weg den heute im Eigentum der Stadt Bremerhaven befindlichen Kunstgarten.

Dort befinden sich kleine Teiche, umgeben von exotischen und heimischen Bäumen, Pflanzen sowie eine Vielzahl von Skulpturen, die die Thieles im Laufe ihres Wirkens erschaffen haben. Thieles Garten ist in der Landes-Denkmalliste der Freien Hansestadt Bremen eingetragen.

Gartenbauamt sucht Gespräche mit Verein

Das Bremerhavener Gartenbauamt kümmert sich aktuell um die Liegenschaft und die Erhaltung des Skulpturenparks: „Die Stadt Bremerhaven nimmt viel Geld in die Hand, um Thieles Garten zu pflegen und zu erhalten“, unterstreicht der Leiter des Gartenbauamtes Thomas Reinicke. „Damit dieses denkmalgeschützte Kulturgut weiterhin einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung steht.“ Von der Wasserschöpferin und deren Verbleib hätte das Gartenbauamt erst vor drei bis vier Wochen erfahren. „Es wäre großartig, wenn die Wasserschöpferin hinzugefügt werden könnte“, so Reinicke. Zu diesem Zweck möchte das Gartenbauamt zeitnah mit dem Verein ins Gespräch kommen. Ulf Eversberg, Gartenbau-Dezernent sieht das genauso: „Wir werden das Kulturamt ins Boot holen und dann Gespräche mit dem Vorsitzenden des Gartenvereins suchen“, kündigt er an. Der Verein war auf Nachfrage in der vergangenen Woche nicht erreichbar.

Skulptur mit Stein und Wasser

Die von den Gebrüdern Thiele gestaltete Figur der Wasserschöpferin stand einst im Wasserwerk in Langen.

Foto: pr

nach Oben