Drei Personen stehen um eine umgestürzte Fichte.

Mathias Neumann, Thomas Reinicke und Sabine Kranz begutachten eine umgestürzte Fichte im Bürgerpark.

Foto: Lammers

Mathias Neumann, Thomas Reinicke und Sabine Kranz begutachten eine umgestürzte Fichte im Bürgerpark.

Heute

Umgekippte Bäume: Was mit den Fichten im Bürgerpark passieren soll

Wie Kraut und Rüben sieht es derzeit vielerorts im Bürgerpark aus. Die Ursache für das Durcheinander sind rund 80 umgekippte oder abgeknickte Fichten. Große Trockenheit und starke Stürme machen den Nadelbaum zum Verlierer des Klimawandels. Grund genug für das Gartenbauamt, den Park grundlegend umzustrukturieren.

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Gigantisch ragt der Wurzelteller einer umgekippten Fichte in die Höhe. Irgendwo zwischen Drachenberg und Tennisplatz hat der letzte Sturm den Baum niedergestreckt. „Hier kann man ganz deutlich erkennen, dass Fichten relativ kurze Wurzeln besitzen“, sagt Thomas Reinicke, Leiter des Gartenbauamtes und zeigt auf den Klumpen mit Wurzeln. Neben dem Baum-Ballen sieht Reinicke aus wie ein Zwerg, die Fichte muss bereits ein hohes Alter besessen haben. Aktuell gehört sie zu den Auslaufmodellen der Vegetation in dem Park.

Trockenheit hat Bäumen sehr zugesetzt

„Wir sehen schon seit Jahren das Problem in den Parks. In den Jahren 2018 und 2019 hat die große Trockenheit den Fichten sehr zugesetzt“, beschreibt der Amtsleiter die Situation. Vor den letzten großen Stürmen Anfang dieses Jahres habe es stark geregnet. „Die Böden waren danach wie Pudding.“ Die eh schon geschwächten Fichten hätten als Flachwurzler in dem matschigen Boden den dann folgenden starken Windböen nicht standhalten können. „Rund 80 Fichten sind dabei umgekippt oder abgeknickt“, resümiert die Pflegebezirksleiterin Sabine Kranz das Desaster, das dabei angerichtet wurde. Danach seien Gefahrenbereiche oder versperrte Wege sofort geräumt, die Verkehrssicherheit wieder hergestellt worden.

„Im Gesundheitspark in Speckenbüttel hatten wir vor einigen Jahren bereits ähnliche Schäden“, erzählt Reinicke. Dort habe man rund einen Hektar Fichten abgeräumt und einen Laub-Misch-Wald angepflanzt. „Das hat sich bewährt“, meint Reinicke. Ein ähnliches Verfahren sieht jetzt auch das Konzept zum Waldumbau im Bürgerpark vor.

Mathias Neumann, Thomas Reinicke und Sabine Kranz machten sich ein Bild von den Zuständen im Bürgerpark.

Mathias Neumann, Thomas Reinicke und Sabine Kranz machten sich ein Bild von den Zuständen im Bürgerpark.

Foto: Lammers

Das ist in Abstimmung mit den Naturschutzverbänden Nabu und BUND sowie dem Grünen Kreis entstanden. „Wir wissen, dass die Fichten der Verlierer der Extremwetter sind. Das ist ein bundesweit bekanntes Phänomen“, sagt Reinicke. Mit Blick auf die Tatsache, dass diese Fichten bei jedem Sturm zu potenziellen Gefahrenbäumen würden, sollen diese jetzt auch im Bürgerpark entnommen und durch Neupflanzungen ersetzt werden. „Infrage kommen dabei vor allem heimische, robuste Arten, wie beispielsweise Ahorn, Buche, Eibe und Eiche“, zählt Reinicke auf. Weg von Monokulturen, hin zu Diversifizierung sei dabei der Leitsatz. „Mischwälder garantieren, dass nicht gleich ein ganzer Wald in Gefahr gerät, wenn bestimmte Arten ausfallen.“ Begonnen werden soll im kommenden Winter mit dem Waldumbau zum Schutz der Fauna.

Überlegt werde derzeit noch, einen kleinen Fichten-Bestand am Drachenberg stehen zu lassen. Zu Anschauungszwecken. „Darüber werden wir noch einmal mit den Naturschutzverbänden sprechen“, berichtet Reinicke. Geplant seien auch Begehungen für die Öffentlichkeit, um die Pläne zu veranschaulichen. 80000 Euro würden für den Waldumbau benötigt. 90 Prozent davon kämen aus einem Bundesprogramm, zehn Prozent würden von der Stadt finanziert, sagt Reinicke.

Totholz bleibt liegen

Die Fichten sind dabei zwar Auslaufmodelle, übernehmen aber dennoch weiterhin eine wichtige Funktion. „Früher haben wir alle Bäume, die wir entnommen haben oder die umgefallen waren, weggeräumt“, berichtet Mathias Neumann, stellvertretender Abteilungsleiter beim Gartenbauamt. „Jetzt lassen wir bewusst viel Totholz in den Parks stehen oder liegen“, erzählt Neumann. „Weil sie wichtige Lebensbereiche für Vögel und Insekten sind.“

Drei Spechte sind an diesem Vormittag in dem Bereich zwischen Drachenberg und Tennisplatz unterwegs, in dem diverse abgebrochene Fichten in den Himmel ragen. Baumstümpfe ragen aus dem Boden. „Die Stümpfe saugen sich mit Wasser voll und haben so in heißen Sommern einen kühlenden Effekt“, sagt Reinicke. „75 Prozent des Fichten-Bestandes sollen im Park belassen werden. Als Totholz. Nur 25 Prozent sollen entfernt werden“, beschreibt Neumann die grobe Richtung für das geplante Vorgehen. Die Details sollen mit den Naturschutzverbänden abgestimmt werden.

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