Ein Mann sitzt vor seiner Modellbahn

Eckard Roling an seinem Kommandostand vor einem Teil seiner Modellbahnanlage. Doch spielen tut er selten, er erweitert die detailgetreue Anlage lieber stetig.

Foto: Bohn

Eckard Roling an seinem Kommandostand vor einem Teil seiner Modellbahnanlage. Doch spielen tut er selten, er erweitert die detailgetreue Anlage lieber stetig.

Heute

In dieser Mini-Welt ist jedes Detail ein Unikat

Eckard Roling ist Modelleisenbahner durch und durch. „Dabei bin ich aber eher der Bastler als der Spieler“, betont er. Leuchtende Augen bekommt er aber trotzdem, wenn er auf seine Anlage schaut: eine Fantasielandschaft mit Industrie, Wasser und Jahrmarkt, die sich mit ihren sechs Modulen an der Wand in seinem Arbeitszimmer erstreckt – inklusive einem Eckmodul.


Wer genau hinschaut, sieht auch bekannte Szenerien: beispielsweise die Speicherstadt aus Hamburg und den Dampf-Rangier-Kran, der vor dem Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven steht. Wie die gesamte Anlage ist alles mit viel Liebe zum Detail gebaut – und das in einem Maßstab von 1:160 für die Spurweite N. Darüber hängen sogar Flugzeuge und andere Luftschiffe.

„Ich baue seit 1988 an dieser Anlage“, erzählt der 63-Jährige. Seine Frau habe anfangs gedacht, er wolle eine kleine Vitrine bauen. „Die hat gestaunt, was dabei herausgekommen ist“, sagt der Loxstedter: fünf Module in der Größe 1 x 1,80 Meter, das Eckmodul 1,80 x 1,20 Meter – alles dicht bebaut mit Schienen, winzigen Gebäuden und Menschen. „In die Quere kommen meine Frau und ich uns aber nicht. Sie hat ihren Garten, ich mein Bastelzimmer“, meint er und lächelt.

Ein altes Foto. Ein älterer Mann hat einen Jungen auf dem Schoß. Im Vordergrund eine Modelleisenbahn.

Eckard Roling mit seinem Großvater und seiner ersten Eisenbahn.

Foto: privat

Mit dem „Eisenbahn-Virus“ ist Roling schon sein Leben lang infiziert: „Im Alter von einem Jahr hat mir mein Großvater eine Blecheisenbahn geschenkt. Damit hat es angefangen“, erzählt er und holt das gute Stück aus einer Vitrine hervor. Und am Steuerpult seiner Anlage ist ein altes Foto zu sehen: mit seinem Großvater, ihm und der Eisenbahn. „Mein Großvater war Reichsbahner und hat bis zum Ende der Dampflok-Ära in Deutschland noch eine Dampflok gefahren – zwischen Rheine und Emden“, sagt er. Kein Wunder also, dass ihn besonders diese Lokomotiven schon sein Leben lang faszinieren. Deswegen sei das Thema seiner Anlage auch die 1950er und 1960er Jahre.

Spur N aus Platzgründen

Eine Minitankstelle auf einem Eisenbahnmodell.

Diese Tankstelle hat ihr Vorbild in Geestemünde.

Foto: Bohn

Doch warum ist die Anlage in der Spurgröße N und nicht in H0? „Das hat Platzgründe“, verrät er. Eine H0-Anlage habe er bei seinen Eltern in Lingen noch besessen – zum Klappen. Doch später habe er nicht mehr den Platz gehabt, deswegen musste die Anlage kleiner werden. So richtig aufbauen konnte er die Anlage aber erst nach dem Kauf des Hauses in Loxstedt, wo er sein eigenes Reich besitzt. Dort stehen die Anlage, mehrere Vitrinen mit Lokomotiven und Mini-Modellen sowie sein Bastel-Schreibtisch. „Wenn ich hier arbeite, benötige ich meine Ruhe“, betont Roling. Kein Wunder: Denn für die Arbeiten an den winzigen Modellen braucht es eine ruhige Hand und ein gutes Auge. „Ich benutze eine Lupe mit fünf Dioptrien“, verrät der 63-Jährige.
Wenn ich hier arbeite, benötige ich meine Ruhe.
Eckard Roling

Die Elemente seiner Modellbahnanlage sind durchweg Unikate. „Die Fahrzeuge und Gebäude gibt es so nicht zu kaufen“, sagt Roling. So greife er auf Basismodelle zurück und arbeite diese um. Dazu hat er mehrere Kisten mit Bastelmaterial: hauptsächlich Plastikteile. „Meine Schwester hatte eine Überraschungs-Ei-Sammlung, die sie loswerden wollte. Davon ist hier auch eine Menge verbaut“, verrät der Loxstedter. Dazu kommen noch viele Teile, die bei anderen Leuten im Müll oder im Gelben Sack landen würden. Doch bei Roling bekommen sie ein neues Leben.

Die Anregungen stammen durchweg aus der Realität: „In jedem Urlaub bin ich am Fotografieren“, sagt Roling. Doch neben maritimen Motiven und Bahnbetriebsanlagen mag der Loxstedter noch eine Szenerie: den Jahrmarkt mit seinen Fahrgeschäften. So finden sich historische Karussells auf seiner Anlage genau so wie etwas neuere wie beispielsweise die Raupe. „Wenn ich etwas baue, lege ich viel Wert aufs Detail“, betont er. Und bewegen soll es sich auch – zur passenden Musik.

Seine Modelleisenbahn ist übrigens komplett analog. Doch die Lichter sind alle LED-Technik. „Die habe ich komplett getauscht, nachdem 60 Prozent der Glühbirnen kaputt waren. Zudem ist das Wechseln sehr aufwendig“, meint Roling. Auf Computertechnik würde er trotzdem gerne zurückgreifen: auf den 3D-Druck. „Aber nicht mehr alleine“, meint er. Zurzeit lässt er sich von einem befreundeten Modellbauer in Schleswig-Holstein Teile drucken. „Die sind extrem detailgetreu und biegsam“, sagt er.

Auch in Bremerhaven aktiv

Ideen zum Bauen hat er immer. Doch was macht er, wenn die Gesundheit nicht mehr mitspielt? „Grundsätzlich baue ich, solange es geht“, meint er. „Und danach habe ich ja noch das da“, sagt er und zeigt in seine Vitrine. Dort steht eine LGB-Eisenbahn für den Garten. Doch vorerst ist er auch noch in Bremerhaven aktiv: bei den TT-Eisenbahnern in Surheide.

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