Briefumschlag in Briefkasten

Dubiose Inkassofirmen versuchen immer wieder, Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Foto: Jens Büttner/dpa (Symbolfoto)

Dubiose Inkassofirmen versuchen immer wieder, Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

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Inkasso-Trick: So ziehen Betrüger den Bürgern das Geld aus der Tasche

Mit einer ganz perfiden Masche haben Betrüger kürzlich auch Menschen in Bremerhaven das Geld aus der Tasche gezogen. Getarnt als Inkasso-Unternehmen setzten sie ihre Opfer unter Druck. „Aus Angst werden solche Forderungen dann oft beglichen, auch wenn ihnen jegliche Grundlage fehlt“, weiß Sonja Welzel von der Verbraucherzentrale Bremen und rät zur gründlichen Prüfung von Inkasso-Schreiben.

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Im aktuellen Fall hatte ein erfundenes Unternehmen mit dem Namen Rigo Forderungs AG Verbrauchern Zahlungsaufforderungen zugeschickt. Sonja Welzel warnt: „Bei diesen Fake-Inkassoschreiben wurde behauptet, der Verbraucher habe durch telefonische Anmeldung an einem Gewinnspiel teilgenommen. Hierfür wurde ein dreistelliger Betrag gefordert, zuzüglich Mahn- und Inkassokosten.“ Für den Fall der Nichtzahlung drohten die Betrüger mit Mahnbescheiden, Zwangsvollstreckung und Pfändung.

Die verunsicherten Adressaten dieser Schreiben hatten sich dann ratsuchend an die Verbraucherzentrale in Bremerhaven gewendet. Die Masche ist indes nicht neu: „Immer wieder versuchen Betrüger, mit falschen Inkasso-Schreiben Verbraucher um ihr Geld zu bringen. Firmennamen und Kontodaten ändern sich, das Vorgehen bleibt gleich: Die geltend gemachte Forderung existiert nicht, genauso wenig wie das Inkasso-Unternehmen selbst.“ Mit diversen Logos und vermeintlichen Prüfsiegeln solle Seriosität vorgegaukelt werden.

Tipp: Kontakt mit Unternehmen suchen

Grundsätzlich empfiehlt die Juristin Verbrauchern, bei Schreiben von Inkasso-Unternehmen besonders wachsam zu sein. „Wenn man den Eindruck hat, die in dem Schreiben erwähnte Forderung sei unberechtigt, ist es wichtig, auf jeden Fall aktiv zu werden. Also mit dem Inkasso-Unternehmen in Kontakt zu treten und die Forderung zu bestreiten.“ Am besten schriftlich, in Form eines Einschreibens, so Sonja Welzel. Auch ein Anruf bringe oft schon Licht ins Dunkel: „Wenn es sich, wie im Fall Rigo Inkasso um eine Fake-Firma handelt, erreicht man nämlich zumeist schon mal niemanden am Telefon.“

Seriöse Inkasso-Unternehmen seien in einem Rechtsdienstleistungsregister eingetragen und ließen sich im Internet finden. „Viele Verbraucherzentralen haben im Internet auch Listen mit bekanntermaßen unseriösen Inkasso-Unternehmen veröffentlicht. Auch hier lohnt sich die Recherche“, so der Tipp von Sonja Welzel. Unseriöse Unternehmen bauten schnell schon früh einen enormen Druck mit dem Hinweise auf Mahnverfahren und Pfändungen auf.

Wenn es sich wie im Fall von Rigo-Inkasso nachweislich um unberechtigte Forderungen handele, sollten Verbraucher umgehend die Polizei verständigen und Anzeige erstatten.

Rigo-Inkasso hatte die Forderungen ja mit Hinweis auf die angeblich am Telefon akquirierte Teilnahme an einem Glücksspiel erhoben. Und auch vor derartigen Telefonanrufen warnt die Verbraucherschützerin: „Wenn einem der Anrufer unbekannt ist und am Telefon bestimmte Dinge oder Dienstleistungen anbietet, sollte man immer vermeiden ‚Ja‘ zu sagen, da manche Firmen später durch Zusammenschnitte Vertragsabschlüsse fingieren.“

Gezahltes Geld ist schwierig zurückzubekommen

Wenn ein Inkasso-Unternehmen Forderungen erhebt, die man bereits beglichen habe, rät Sonja Welzel zu einer Kontaktaufnahme mit dem ursprünglichen Vertragspartner. „Auch hier sollte parallel Kontakt zum Inkasso-Unternehmen aufgenommen werden mit dem Hinweis auf die Prüfung der Forderung.“ Aktiv zu werden sei grundsätzlich von immenser Wichtigkeit: „Bei ungeklärter Forderung sollte man nie aus Angst vor weiteren Folgen wie Mahnverfahren oder Pfändungen einfach bezahlen, sondern der Sache immer nachgehen“, sagt die Verbraucherschützerin. Denn: „Bereits gezahltes Geld zurückzubekommen, ist häufig schwierig, bei Fake-Inkasso-Unternehmen wie Rigo nahezu aussichtslos.“

Insgesamt sei die Zahl von dubiosen Machenschaften in diesem Sektor stark angestiegen. „Zu uns kommen sehr häufig Verbraucher, die hier aus verschiedenen Gründen Probleme haben“, sagt Sonja Welzel. Häufig bezahlten Verbraucher jedoch aus purer Angst.

Frau vor einer blauen Wand.

Sonja Welzel von der Verbraucherzentrale Bremen

Foto: pr

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