Möpse mit kurzer Schnauze und Glupschaugen sind bei Hundefreunden beliebt. Doch das Leid der Tiere durch extreme Zucht ist groß. Der oder die Tierschutzbeauftragte des Landes Bremen soll sich auch mit dem Thema Qualzucht befassen.

Möpse mit kurzer Schnauze und Glupschaugen sind bei Hundefreunden beliebt. Doch das Leid der Tiere durch extreme Zucht ist groß. Der oder die Tierschutzbeauftragte des Landes Bremen soll sich auch mit dem Thema Qualzucht befassen.

Foto: picture alliance/dpa

Möpse mit kurzer Schnauze und Glupschaugen sind bei Hundefreunden beliebt. Doch das Leid der Tiere durch extreme Zucht ist groß. Der oder die Tierschutzbeauftragte des Landes Bremen soll sich auch mit dem Thema Qualzucht befassen.

Heute

Land Bremen im Kampf gegen Qualzucht und Co.

Möpsen mit kurzer Schnauze und platter Nase fällt das Atmen schwer, rein weiße Katzen haben oft mit Taubheit zu kämpfen, und allein gehaltene Wellensittiche leiden unter Einsamkeit – das Leben vieler Haustiere ist ein Trauerspiel. Im Land Bremen soll deshalb künftig ein Tierschutzbeauftragter Herrchen und Frauchen über Qualzucht und die richtige Heimtierhaltung aufklären.

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Das ist bei Weitem nicht die ganze Palette seiner oder ihrer Tätigkeiten. Zu den Aufgaben soll es unter anderem auch zählen, die Senatsverwaltung in Tierschutzfragen zu beraten, als Ansprechpartner, Berater und Vermittler für die Bürger zu fungieren, Runde Tische und Fachveranstaltungen zu organisieren sowie Initiativen zur Beseitigung von Missständen zu ergreifen. Im Gegensatz zum Veterinärdienst, der ja eine Kontrollfunktion hat, geht es bei dieser neuen Stelle grob gesagt um Prävention, Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit.

260.000 Euro pro Jahr

Eigentlich hätte der oder die Beauftragte auch schon seit Anfang des Jahres die Arbeit aufnehmen können, denn eine entsprechende Stabsstelle ist seit Januar bewilligt – inklusive 260.000 Euro für das erste Haushaltsjahr. Doch das Ganze ist bei der Senatorin für Gesundheit angegliedert, und hier waren die Ressourcen stark durch Corona gebunden.

Vor gut einem Monat hat die Fraktion der Grünen in der Bürgerschaft nun aber eine Anfrage zum Stand der Dinge gestellt. Die Idee, einen Landestierschutzbeauftragten im Koalitionsvertrag festzuschreiben, stammt nämlich von den Grünen. Noch genauer gesagt hat das Bürgerschaftsmitglied Philipp Bruck die Sache vorangetrieben. „Tiere sind fühlende Lebewesen, die ein Recht auf Berücksichtigung ihrer Interessen und Bedürfnisse haben“, findet er. „Im politischen Alltag kommt dieses Recht oft zu kurz, auch, weil Tiere ihr Anliegen nicht selbst vertreten können“, meint Bruck. Dass es in einem Stadtstaat wie dem Land Bremen so gut wie keine Landwirtschaft gibt und daher ein wichtiges tierschutzpolitisches Handlungsfeld nicht bearbeitet werden kann, schmälere die Notwendigkeit der Stabsstelle in Bremen und Bremerhaven nicht. Themen wie Haustierhaltung, Qualzucht, Stadttauben, Tierversuche und Verzehr von tierischen Produkten seien schließlich auch hier relevant. In Bremerhaven mit der fischverarbeitenden Industrie sei es zudem denkbar, dass der Beauftragte über Folgen des Fischfangs oder über nachhaltige Alternativen informiere.

Der Zoo ist nicht die erste Adresse

Auch mit dem Zoo am Meer könne er sich eine Zusammenarbeit vorstellen. „Das lässt sich im Vorfeld schwer sagen, das muss sich der Landestierschutzbeauftragte dann anschauen“, findet er. Weil dort Profis arbeiten, sei der Zoo aber vermutlich nicht die erste Adresse, die angesteuert werden müsse, glaubt er.

„Tiere haben ein Recht auf Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse.“

„Tiere haben ein Recht auf Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse.“

~ Philipp Bruck (Grüne)

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Wie das der oder die Tierschutzbeauftragte handhabt, liegt jedoch in ihrer oder seiner Hand. „Sie oder er ist fachaufsichtlich weisungsfrei und betreibt eine eigenständige Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“, erläutert Bruck.

Was allerdings bereits feststeht, ist, dass der Beauftragte ein Veterinärmediziner mit fachtierärztlichem Hintergrund sein muss. Für die Stabsstelle ist zudem noch eine wissenschaftliche beziehungsweise juristische Fachkraft im gehobenen Dienst sowie eine Verwaltungskraft im höheren Verwaltungsdienst mit dem Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen. Auch für die Jahre 2022 und 2023 stehen hierfür jeweils 260.000 Euro bereit.

Am Dienstag, 7. September, 15 Uhr, wird sich nun die Deputation für Gesundheit – das ist der entsprechende Fachausschuss – mit dem Thema beschäftigen, und das Konzept der Stabsstelle im Detail festlegen. Danach können die drei Stellen ausgeschrieben werden.

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