Das sieht einfacher aus, als es ist.

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Foto: privat

Das sieht einfacher aus, als es ist.

Heute

Mit diesem Board kann man lautlos über die Wellen „fliegen“

Entspannt steht der Surfer auf seinem Board. Lässig, offensichtlich mühelos schlenkert er hin und her. Das Brett gleitet lautlos durchs Meer. Aber Moment: Es berührt das Wasser ja gar nicht, es schwebt darüber. Nur eine Art flaches Brett ragt senkrecht ins kühl Nass. Zu sehen ist das Hydrofoil-Surfing, das jetzt auch in Bremerhaven angeboten wird.

Kreis-Icon-Nordstern

Als Sandra Wohlgemuth und Christian Habeck dieses Schauspiel zum ersten Mal im Fernsehen sahen, waren sie wie elektrisiert. Beide wussten: „Das wollen wir auch machen!“, erzählen sie. Gesagt, getan. Das Paar, das ohnehin gerne auf dem Wasser ist, erkundigte sich nach den Boards. „Der Hersteller hat uns gleich bei der Bestellung gefragt, ob wir nicht eine Surfschule aufmachen wollen“, berichtet Christian Habeck. Da die zwei Bremerhavener so begeistert von der Sportart sind, nahmen sie das Angebot an.

Doch erst einmal mussten Wohlgemuth und Habeck selbst die neuen Sportgeräte – sie bestellten ein Anfänger- und ein Fortgeschrittenenboard – beherrschen. Der erste Versuch auf der Lune fand 2021 statt – und zwar im Februar. „Wir mussten zuerst das Eis ein wenig wegmachen“, blickt Sandra Wohlgemuth schmunzelnd zurück. Ob das nicht zu kalt ist? Mit Neoprenanzug sei das kein Problem, versichert das Paar.

Die ersten Versuche endeten für das Paar im Wasser
Die Surfschule von Sandra Wohlgemuth und Christian Habeck ist beim Bremerhavener Wasserski-Club zu finden.

Die Surfschule von Sandra Wohlgemuth und Christian Habeck ist beim Bremerhavener Wasserski-Club zu finden.

Foto: van veenendaal

Nur seien beide etwas zu voreilig an die Sache herangegangen. „Das war sehr witzig“, erzählt Wohlgemuth. „Wir wollten gleich stehen, das klappt natürlich nicht, und wir sind ins Wasser gefallen.“ Doch nach kurzer Zeit hatten sie den Dreh raus. „Man muss sich erst auf das Board drauflegen, dann knien, dann stehen, und dann fliegt man irgendwann“, beschreibt sie begeistert den Ablauf.

Aber wie funktioniert das überhaupt mit dem Fliegen? Das Surfbrett hat unter Wasser zwei Hydrofoils. Der Begriff bedeutet so viel wie Tragflächen. Sie funktionieren wie die Flügel eines Flugzeugs – nur eben unter Wasser. Das Surfboard wird bei steigender Geschwindigkeit durch den erzeugten Auftrieb nach oben gehievt, erklärt Christian Habeck, der bei der Marine arbeitet. Die Geschwindigkeit wird durch einen Propeller erzeugt, der wiederum von einem Elektromotor angetrieben wird.

„Der Akku hält zwei Stunden“, sagt er. Diese Zeit reiche aber mehr als aus. „Man denkt, der E-Motors macht ja die ganze Arbeit. Aber weit gefehlt: Weil man die ganze Zeit das Gleichgewicht halten muss, gibt es später auch einen richtigen Muskelkater“, warnt er spaßend.

Das Erlebnis während des Surfens sei diesen kleinen Preis wert. „Dieser Sport ist etwas zum Runterkommen“, findet Habeck. „Der Motor macht keine Geräusche, man gleitet leise vor sich hin. Schon kleine Gewichtsverlagerungen verändern die Richtung“, schwärmt er. Die landschaftliche Kulisse auf der Lune sei genau richtig für diese Art von Aktivität. Zu finden ist die Surfschule des Paars seit vergangenem Jahr beim Bremerhavener Wasserski-Club (Am Luneort 34). Gesurft wird überwiegend in Richtung des früheren Lunebads.

Hydrofoil-Surfing klappt auf Seen, Flüssen und Meeren
Unter dem Surfboard ragt ein Mast ins Wasser. An ihm sind zwei Tragflächen angebracht, die wie die Flügel eines Flugzeugs Auftrieb geben.

Unter dem Surfboard ragt ein Mast ins Wasser. An ihm sind zwei Tragflächen angebracht, die wie die Flügel eines Flugzeugs Auftrieb geben.

Foto: pr

Weil das Hydrofoil-Surfing überall möglich ist – egal, ob auf dem Fluss, auf einem See oder in den Meereswellen – sind die beiden mit ihren Boards aber auch oft unterwegs: zum Beispiel in Cuxhaven und auf der Mecklenburgischen Seenplatte. In Plau am See wurde das Paar sogar vom NDR für die Sendung Nordtour gefilmt.

Das Interesse für die neue Sportart ist nicht nur bei den Medien groß. Auch die Reaktionen von Passanten seien sehr positiv, freut sich Sandra Wohlgemuth. „Oft stehen Menschen am Ufer, schauen fasziniert zu und winken“, berichtet sie. „Auch die Leute auf den Booten winken uns heran. Viele sind an der Technik der E-Foils interessiert“, ergänzt Habeck.

Wie zu erwarten war, waren bislang auch alle rund 70 Teilnehmer der Surfkurse begeistert, meint Wohlgemuth. Kein Wunder, habe man bei diesem Sport doch schnell Erfolgserlebnisse. „Nach etwa einer halben Stunde im Wasser ,fliegt‘ man“, haben beide festgestellt. Voraussetzung: ein Mindestalter von 14 Jahren. Nach oben gebe es keine Grenze, solange man eine Viertelstunde schwimmen könne. Der älteste Kunde sei bislang 72 Jahre alt gewesen.

www.hydrofoil-surfing.de

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