Dr. Reinhold Schütz zeigt am Skelettmodell „Willi“, wo sich häufig Brüche bei Älteren ereignen: am Oberschenkel.

Dr. Reinhold Schütz zeigt am Skelettmodell „Willi“, wo sich häufig Brüche bei Älteren ereignen: am Oberschenkel.

Foto: Andrea Lammers

Dr. Reinhold Schütz zeigt am Skelettmodell „Willi“, wo sich häufig Brüche bei Älteren ereignen: am Oberschenkel.

Heute

Mit Sport dem Sturz vorbeugen

Noch färben sich die Blätter an den Bäumen bunt. Schon bald werden sie jedoch als rutschige Masse auf den Fußwegen liegen und damit die Sturzgefahr für Passanten erhöhen. Aber das Thema Stürzen ist grundsätzlich ein sehr umfassendes. Insbesondere, wenn man älter als 65 Jahre ist. Warum das so ist und wie man sich schützen kann, weiß Dr. Reinhold Schütz.

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Der Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie am Ameos-Klinikum Mitte kennt sie aus dem Effeff: die häufig schwerwiegenden Folgen von Stürzen. Oberschenkelhalsbrüche, Hüftfrakturen und gebrochene Handgelenke beispielsweise. Während jüngere Menschen in erster Linie einem etwas riskanteren Lebensstil zum Opfer fallen, trifft es Menschen in fortgeschrittenerem Lebensalter zumeist im Alltagsleben. „Die Gefahr zu stürzen, liegt bei jüngeren Leuten bei rund acht Prozent. Bei Menschen über 65 bewegt sie sich bereits bei rund 30 und bei denen, die die 80 überschritten haben, schon bei rund 40 Prozent“, sagt der Mediziner.

Der ganz normale Lauf der Dinge

Das kann man im Prinzip als den ganz normalen Lauf der Dinge bezeichnen, denn: „Ab 30 baut man ab.“ Das, was dann irgendwann zu einer vermehrten Sturzneigung führt, ist der Abbau der Muskelkraft und der Gleichgewichtsfähigkeit. Kritisch wird das aber zumeist erst im Alter ab rund 65 Jahren. „Dann ist die Muskulatur in vielen Fällen schon erheblich weniger ausgeprägt als mit 30“, sagt Schütz. Stürze nähmen dann zu. „Wie hoch das individuelle Sturzrisiko ist, sollten Menschen im Alter ab 65 Jahren deswegen unbedingt testen lassen“, rät Schütz.

Muskelaufbau hilft

Die gute Nachricht: Diesem alterstypischen Muskelabbau kann man entgegenwirken. „Mit Sport.“ Und zwar möglichst früh. Also nicht erst, wenn die ersten Stürze passiert sind, sondern am besten lebenslang. „Erfahrungsgemäß macht aber gerade die Gruppe der 50- bis 60-Jährigen wenig Sport. Mit 60 sind es dann noch weniger, die regelmäßig trainieren.“ Dabei ließen sich viele Stürze mit einem regelmäßigen Training vermeiden. „Am besten mit einem altersgerechten Muskeltraining. Zum Beispiel mit einem Thera-Band“, empfiehlt Schütz. Während Joggen und Walken also vor allem für ein fittes Herz-Kreislauf-System sorgten, braucht es für eine gute Sturzprophylaxe den Muskelaufbau. „Aber, es ist immens wichtig, dass sich das Training in einem altersangemessenem Rahmen bewegt“, unterstreicht Schütz. Einige Sportvereine böten gezielte Trainingskurse an. Und auch das Ameos-Klinikum veranstalte zumeist zu Beginn eines Jahres einen speziellen Sturz-Prophylaxe-Kurs für Menschen ab 65.

Stolperfallen beseitigen

Wenn es um die Vermeidung von Stürzen gehe, spielten noch andere Aspekte eine Rolle: Stolperfallen, wie Teppiche sollten weggeräumt, die Sehfähigkeit überprüft werden. „Ganz wichtig kann es sein, die Medikamente darauf zu überprüfen, ob sie die Wahrnehmungsfähigkeit einschränken.“

Mit dem Fortschreiten des Alters nimmt nicht nur die Sturzgefahr zu, sondern auch die Gefahr, dabei folgenschwere Brüche zu erleiden. Grund: „Die Knochen sind brüchiger.“ Doch auch hier lässt sich im Vorfeld eine Menge tun, um die Knochen zu stärken. „Eine kalziumreiche Ernährung ist wichtig“, sagt Schütz. Ebenfalls unerlässlich: „Eine hinlängliche Vitamin-D-Versorgung.“

Sturz-Prävention sei immens wichtig. Denn: Brüche zögen bei älteren Menschen häufig eine Palette an zum Teil lebensverkürzenden Folge-Erkrankungen nach sich, die aus einer stark verminderten Bewegung resultierten.

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