Eine Studentin bedient am Vormittag in einem Cafe.

Besonders im Gastgewerbe arbeiten viele Minijobber. Als die Gaststätten wegen des Lockdowns schließen mussten, haben viele von ihnen ihre Arbeit verloren.

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Besonders im Gastgewerbe arbeiten viele Minijobber. Als die Gaststätten wegen des Lockdowns schließen mussten, haben viele von ihnen ihre Arbeit verloren.

Heute

Pandemie wirkt sich verheerend auf Minijobber aus

Die Corona-Pandemie hat sich verheerend auf die Minijobber ausgewirkt. Sie seien die ersten gewesen, die entlassen wurden, kritisiert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und fordert ebenso wie die Arbeitnehmerkammer Bremen eine Reform: Minijobs müssten sozialversicherungspflichtig werden.

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„Die aktuelle Krise ist ein Alarmsignal. Es wurde deutlich: Minijobber sind im Fall einer Krise kaum abgesichert“, sagt Annette Düring, Vorsitzende des DGB in der Region Bremen Elbe-Weser. 800.000 Minijobber haben bundesweit im Jahr 2020 ihre Arbeit verloren. Im Land Bremen gab es Ende 2020 nach Angaben des DGB noch rund 64.000 Minijobber – 5000 weniger als ein Jahr zuvor.

Allein im Gastgewerbe 1485 Minijobs weggefallen

Der Grund: Gerade Branchen mit vielen geringfügig Beschäftigten wie Gastronomie und Einzelhandel waren von Lockdown und anderen Beschränkungen besonders betroffen, erläutert die Arbeitnehmerkammer Bremen. So seien bis September 2020 allein im Gastgewerbe 1485 im Vergleich zum Vorjahr verloren gegangen.

Das Fatale für die Betroffenen: Da geringfügig Beschäftigte von der Arbeitslosenversicherung ausgeschlossen sind, erhalten sie weder Kurzarbeiter- noch Arbeitslosengeld. Vielen bleibt nur die geringe Grundsicherung. „Minijobber haben dann Probleme, überhaupt ihren Lebensunterhalt zu bestreiten“, kritisiert DGB-Vorsitzende Düring. Und auch Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer betont: Was in Schönwetterzeiten vorteilhaft erscheine, nämlich die Sozialversicherungsfreiheit, werde in der Krise zum Bumerang. „Minijobs sind alles andere als krisenfest.“

DGB und Arbeitnehmerkammer fordern Reform

Deshalb fordern sowohl DGB als auch Arbeitnehmerkammer eine Reform und erwarten diese von der neuen Bundesregierung. „Wir müssen mit möglichst vielen Minijobs zurück in die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung“, sagt Regine Geraedts, Referentin für Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik bei der Arbeitnehmerkammer Bremen. Es gehe darum, möglichst viele Arbeitnehmer wieder zurück in die Schutzzonen der Sozialversicherung zu integrieren. Ein guter Weg wäre es, die Geringfügigkeitsgrenze schrittweise abzusenken – von derzeit 450 Euro im Monat auf 150 Euro im Monat. „Dadurch können beispielsweise Studierende und Schüler jobben wie bisher“, sagt Geraedts.

Zudem wünscht sich die Arbeitnehmerkammer ein Ende der Privilegierung für Minijobs als Nebenjob. „Es ist nicht einzusehen, warum der Nebenjob steuer- und sozialversicherungsfrei sein soll und eine Aufstockung der Stunden beim Arbeitgeber nicht“, meint Geraedts. Hier müsse es eine Gleichbehandlung geben.

Minijob in vielen Wahlprogrammen Thema

Auch der DGB erwartet, dass die neue Bundesregierung handelt. Viele Parteien hätten das Alarmsignal beim Thema Minijob laut ihres Wahlprogramms erkannt, sagt Düring. „Nach der Wahl muss jetzt Wort gehalten werden: Minijobs müssen zu sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung werden. Und das ab dem ersten Euro“, fordert die DGB-Vorsitzende.

Kenneth Natusch-van Kesteren vom Fachverband Bremerhaven des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) sieht die Umsetzung solcher Forderungen als eher problematisch an. „Die Stellen wären womöglich da, denn man kann die Angestellten ja flexibel einsetzen – beispielsweise an bestimmten Tagen“, meint er. Die Schwierigkeit sei aber die Qualifikation. Es nütze ja weder dem Arbeitgeber noch dem Arbeitnehmer, wenn von sechs fest eingestellten Arbeitskräften fünf gar nicht geeignet seien. Das sei auch finanziell nicht darstellbar.

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