Den Strünken von Porree und Wurzeln sowie vielen anderen Gemüse-Resten lässt sich durch Regrowing neues Leben einhauchen, weiß Francesco-Hellmut Secci vom Nabu Bremerhaven.

Den Strünken von Porree und Wurzeln sowie vielen anderen Gemüse-Resten lässt sich durch Regrowing neues Leben einhauchen, weiß Francesco-Hellmut Secci vom Nabu Bremerhaven.

Foto: Andrea Lammers

Den Strünken von Porree und Wurzeln sowie vielen anderen Gemüse-Resten lässt sich durch Regrowing neues Leben einhauchen, weiß Francesco-Hellmut Secci vom Nabu Bremerhaven.

Heute

Regrowing: So gewinnst Du neue Pflanzen aus Gemüseresten

Gemüsereste, ein Fall für die Bio-Tonne? Das war gestern. Denn mit einem verstärkten Bewusstsein für Nachhaltigkeit macht ein Trend von sich reden: Regrowing. Dabei geht es darum, Gemüse nachwachsen zu lassen. Auf der Fensterbank. Warum das gut für die Umwelt, den Geldbeutel und die Gesundheit ist, weiß Francesco-Hellmut Secci, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Bremerhaven.

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Die knackige Porree-Stange, die Secci in der Hand hält, verbreitet einen würzigen Duft im Raum. Ihre Wurzeln stehen zu allen Seiten ab. Normalerweise wären sie einem jähen Ende geweiht. Denn meistens landen sie als vermeintlich unbrauchbarer Ausschuss in der Biotonne. Ein fataler Fehler. Denn, so der Nabu-Vorsitzende: „Gerade mit den Wurzelstücken von Lauch und Porree ist das Regrowing, also das Nachziehen von Gemüse, besonders einfach.“ Das klappt sowohl im Garten als auch auf der Fensterbank.

Gemüse kann im Wasserglas weiterwachsen

„Dabei wird bereits geerntetes Gemüse im Wasserglas oder Blumentopf dazu gebracht weiterzuwachsen. Aus dem Wurzelansatz von Porree können neue Blätter wachsen“, erklärt Secci das Vorgehen. „Übrigens auch, wenn man den Porree im Garten einfach nur kurz über der Erdoberfläche abschneidet.“ Und aus den Ansätzen von Möhren und Roter Bete wachsen, so Secci, neue Blätter, die essbar sind.

Geeignet seien lebende Triebspitzen wie bei Kräutern. „Die Triebe von Basilikum und anderen Kräutern werden in Wasser bewurzelt und wachsen dann in der Erde weiter.“ Und: „Aus rohen Kartoffelstücken können, sofern mindestens ein sogenanntes Auge vorhanden ist, komplett neue Pflanzen entstehen.“ Besonders gut zum Ausprobieren eigneten sich Basilikum, Kopfsalat, Frühlingszwiebeln, Knoblauch und Minze. Schon etwas fordernder seien Koriander, Zitronengras, Ananas, Ingwer und Avocados, erläutert Secci. Erfolgreich ließen sich auch Rote Bete, Sellerie, Romasalat, Estragon und Thymian nachwachsen.

Nicht jede Pflanze eignet sich fürs Regrowing

Jede Pflanze besitze die Fähigkeit, sich ungeschlechtlich fortzupflanzen, aber nicht jede Pflanze eigne sich für Regrowing, gibt die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) zu bedenken: „Kohlgemüse wie Brokkoli oder Blumenkohl essen wir, bevor sie blühen, das heißt, bevor die Samen entstehen. Und bei manchen Wurzelgemüsesorten wie Karotten und Knollensellerie lässt sich lediglich das Blattgrün nachziehen – was sich immerhin zum Würzen von Suppen oder zur Weiterverarbeitung als Pesto anbietet“, meint AOK-Sprecher Jörn Hons.

Gemüse kann im Wasserglas weiterwachsen, weiß Francesco-Hellmut Secci vom Nabu.

Gemüse kann im Wasserglas weiterwachsen, weiß Francesco-Hellmut Secci vom Nabu.

Foto: Lammers

Gemüsereste nicht wegzuschmeißen, spare nicht nur Geld, sondern sei auch gut für die Umwelt. „Denn Deutschland ist in Sachen Obst und Gemüse ein klassisches Importland“, weiß Hons. So seien im Jahr 2020 rund 15 Millionen Tonnen Obst und Gemüse aus dem Ausland eingeführt worden. Demgegenüber würden nur 3,7 Millionen Tonnen Gemüse und 1,3 Millionen Tonnen Obst in Deutschland geerntet. Drei Viertel der Gemüse- und Obstsorten aus dem Supermarkt hätten also lange Transportwege, die klimaschädliche Treibhausgase verursachten.

„Beim Regrowing gibt es diesen negativen Effekt nicht. Das macht den Trend neben dem Einkauf von regionalen und saisonalen Lebensmitteln zu einer einfachen Möglichkeit, nachhaltiger und damit gesünder zu leben“, findet Hons. Eine Position, die auch von den Naturschützern des Nabu als wichtigstes Argument für das Regrowing von Obst und Gemüse auf dem Fensterbrett gilt.

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