Die sogenannten Role Models berichten von ihren Berufen – hier in Lehe in digitaler Form.

Die sogenannten Role Models berichten von ihren Berufen – hier in Lehe in digitaler Form.

Foto: Schule Am Leher Markt

Die sogenannten Role Models berichten von ihren Berufen – hier in Lehe in digitaler Form.

Heute

So funktioniert das Aufräumen mit Berufsklischees

„Technik ist eh nichts für Mädchen“ – das ist einer der Sätze, die Bettina Wilhelm gar nicht hören mag. Sie ist Leiterin der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau. Diese hat ein Schulprojekt initiiert: „Be oK – Berufsorientierung und Lebensplanung ohne Klischees“.

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In Bremerhaven hat die Schule am Leher Markt (Salm) kürzlich teilgenommen, weitere Schulen sollen folgen. Im Projekt erkunden die Schülerinnen und Schüler an drei bis vier Projekttagen spielerisch und interaktiv ihre Interessen, Neigungen und Fähigkeiten. Denn das kommt nach Meinung der Landesfrauenbeauftragten Wilhelm bisher zu kurz: „Sie richten sich vielmehr nach gängigen Klischees“, bemängelt sie. Das gelte für Mädchen und Jungen. Dabei gehe viel verloren.

So entschieden sich ein Drittel aller Mädchen und Jungen für immer die gleichen zehn Berufe. „Dem wollen wir rechtzeitig entgegenwirken und die Jugendlichen ermutigen, Berufe nach ihren eigenen Neigungen und Bedürfnissen zu wählen.“

Das Projekt setzt bereits in der sechsten Klasse an – vor der Berufsorientierung. „Dabei geht es darum, dass sie sich nicht nur für einen Beruf entscheiden, sondern sich auch darüber klar werden, wie sie ihr Leben führen wollen, welche Ideen sie haben“, erläutert die Frauenbeauftragte. Dabei helfen sollen sieben Module.

Die Suche nach einem Lebensmodell

So geht es in einem Modul darum, sich in die Zukunft zu versetzen. „Die Schülerinnen und Schüler sollen ergründen, wie sie dann leben möchten“, sagt Wilhelm. Ein anderer Aspekt ist die Frage: Was kostet das Leben? „Wenn man beispielsweise später mit kleinen Kindern in Teilzeit arbeiten möchte, muss klar sein, dass das mit einem Frisörgehalt nicht geht“, erläutert die Frauenbeauftragte. Es gehe darum, zu erkennen, welches Lebensmodell man wählen wolle und was das bedeute.

Ebenso wichtig ist das Thema Gesundheit: „Wir wollen, dass alle gesund das Rentenalter erreichen – und das trotz steigender Anforderungen in allen Berufen“, meint Wilhelm. Wichtige Teilaspekte sind Bewegung und richtige Ernährung. Denn Gesundheit sichere die eigene Existenz.

Beispiele aus der Berufswelt

Eine wichtige Rolle bei dem Projekt spielen direkte Ansprechpartner aus der Berufswelt, die sogenannten Role Models. „Hier haben wir untypische Beispiele gewählt wie die Frau aus einem technischen Beruf und den Mann, der als Altenpfleger arbeitet“, erläutert Wilhelm. Nützlich ist dabei das Netzwerk aus Behörden, Wissenschaft und Wirtschaft.

Gefördert wird das Projekt von der Metropolregion Nordwest im Rahmen eines Ideenwettbewerbs. Insgesamt 20 Durchgänge in Bremerhaven, Bremen und im Kreis Osterholz sind möglich. Als Nächstes ist in Bremerhaven im September die Oberschule des Schulzentrums Carl von Ossietzky an der Reihe. Weitere Schulen können sich bewerben. „Wir hoffen, dass die nächsten Durchgänge nicht digital erfolgen müssen“, sagt Wilhelm.

An der Schule am Leher Markt zieht man eine positive Bilanz. „An unserer Schule wird Berufsorientierung großgeschrieben. Die Projekttage passen hervorragend in unser Konzept“, sagt Schulleiterin Eike-Susanne Hoffmann. Und Michael Grefe, Koordinator für Berufsorientierung, ergänzt: „Wenn es gelingt, Klischees möglichst früh aufzubrechen, bietet sich ein wesentlich größeres Spektrum an Berufs- und Lebenswegen.“ Weitere Infos: https://be-ok.de

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